Atletico Madrid zum Mitreden

Verblüffende Fakten zu unserem Testspielgegner

Ein Kicker um 127 Millionen Euro und einer, der nur 16 Euro kostete; ein österreichischer Trainer, der in Ungnade fiel, und ein Fußballer, der Atletico Madrid seit mehr als 500 Spielen treu ist. Kleine Geschichten über ein großes Team. Also, habt ihr gewusst …

… dass Atletico einst ein „Ableger“ war? Der volle Name von Atletico Madrid lautet Club Atletico de Madrid S. A. D. – und zwar erneut seit 1. Jänner 1947, weshalb die aktuelle Saison im Zeichen von 75-Jahr-Feiern steht. Gegründet wurde der Verein 1903 als Ableger von Athletic Bilbao, zwischen 1939 und 1947 gab es unter dem Vereinsnamen Athletic Aviacion Club eine Spielgemeinschaft mit einem Team der spanischen Luftwaffe.

… dass Joao Felix um 127 Millionen Euro gekauft wurde? Rekord-Zugang war im Sommer 2019 der damals 19-jährige Portugiese Joao Felix, der um 127 Millionen Euro von Benfica Lissabon nach Madrid wechselte. Rekord-Abgang, elf Tage nach dem Felix-Transfer, war der Franzose Antoine Griezmann, der um 120 Millionen zum FC Barcelona übersiedelte.

… dass Luis Suarez sich mit 21 Toren rächte? Luis Suarez (URU) ist neben Ruud van Nistelrooy und Cristiano Ronaldo einer von drei Stürmern, die in drei europäischen Ligen Torschützenkönig wurden (England, Niederlande, Spanien). Nach sechs erfolgreichen Jahren beim FC Barcelona (inkl. festgeschriebener Ablösesumme von 200 Millionen Euro) wurde er im Sommer 2020 um lediglich 6 Millionen an Atletico verkauft – weil er den Klubverantwortlichen mit seinen 33 Jahren zu alt erschien. Seine Reaktion: Er schoss seinen neuen Arbeitgeber mit 21 Treffern zum Meistertitel.

… dass Real-Star Raul einst im Atletico-Nachwuchs kickte? 1992 musste Atletico aus finanziellen Gründen die Nachwuchsabteilung auflösen. Ein gewisser Raul Gonzalez Blanco, damals hoffnungsfrohe 15, wechselte daraufhin zum Lokalrivalen Real Madrid. Als Erwachsener gewann er – mittlerweile auf seinen klingenden Vornamen Raul reduziert – mit den Königlichen dreimal die UEFA Champions League und sechs Meistertitel. Spaniens fünffacher Fußballer des Jahres erzielte im Dress von Real Madrid 324 Tore in 741 Spielen. Das erste? In seinem zweiten Pflichtspiel. Gegen, richtig: Atletico Madrid.

… dass Max Merkel etwas gegen Spanier hatte? Der Österreicher Max Merkel amtierte 1971–1973 als Trainer von Atletico Madrid und feierte mit ihnen einen Meistertitel (1973) und einen Cupsieg (1972). Er wurde entlassen, nachdem er in einem Interview mit der deutschen „Bild“-Zeitung gesagt hatte, dass Spanien sehr schön wäre – wenn dort keine Spanier lebten …

… dass König Felipe Atletico liebt? Selbst wenn der andere Hauptstadtklub, Real Madrid, der „königliche“ ist: König Felipe VI. ist glühender Atletico-Fan und seit 2003 Ehrenpräsident!

… dass Atleticos Spitzname „Matratzenmacher“ bedeutet? Den Spitznamen „Los Colchoneros“, die Matratzenmacher, verdankt Atletico der Tatsache, dass die traditionell rot-weiß gestreiften Leiberln an die Farbkombination alter Matratzen erinnerten. Angeblich wurden die Dressen ab 1911 in diesen Farben genäht, weil sie aus billigen Stoffresten aus der Matratzenproduktion gefertigt wurden.

… dass ein Atletico-Spieler nur 16 Euro kostete? Verteidiger Diego Godin kam 2010 für ca. 8 Millionen Euro zu Atletico (und blieb bis 2019). Der erste Transfer des Uruguayers wurde aus der Portokassa bezahlt: Bei seinem Wechsel von Defensor Sporting zu Club Atletico Cerro 2003 betrug der Kaufpreis 840 Pesos, das wären gegenwärtig rund 16 Euro.

… dass bisher zwei Österreicher für Atletico spielten? Gerhard Rodax schoss in der Saison 1990/91 in 27 Ligaspielen neun Tore und freute sich über den Vize-Meistertitel; sein Vorgänger Friedrich Hollaus war in der Saison 1957/58 der erste Österreicher überhaupt, der je ein Tor in der Primera Division erzielen konnte.

… dass das Stadion von Atletico um 270 Millionen Euro umgebaut wurde? Seit 2017 trägt Atletico seine Heimspiele im 67.703 Zuschauer fassenden Wanda Metropolitano aus. Das Stadion wurde 1994 eröffnet. Nach den erfolglosen Bewerbungen Madrids um die Olympischen Sommerspiele der Jahre 2012, 2016 und 2020 wurde die Laufbahn schließlich entfernt; das potenzielle Olympiastadion wurde um 270 Millionen Euro zum Fußballtempel umgebaut.

… dass der Rekordtorjäger genauso ein erfolgreicher Trainer war? Rekordtorschütze ist immer noch Luis Aragones, der zwischen 1964 und 1974 insgesamt 172 Mal traf. Aragones wurde danach viermal als Trainer von Atletico engagiert (Meister 1977). Im Jahr 2008 führte er die spanische Nationalmannschaft in Wien zum EM-Titel.

… dass Koke der erste Atletico-Spieler mit mehr als 500 Spielen war? Jorge Resurreccion Merodio, besser bekannt als Koke, ist der erste Spieler mit mehr als 500 Einsätzen für Atletico. Der Mittelfeldmann, 29, ist seit seinem achten Lebensjahr beim Verein und hat mit Ausnahme der UEFA Champions League alle möglichen Titel (Meister, Cup, Spanischer Supercup, UEFA Europa League, Europäischer Supercup) gewonnen. Kokes Ehefrau Beatriz Espejel ist eine der erfolgreichsten Lifestyle-Bloggerinnen Spaniens.

… dass Diego Simeone zwei Mal im Finale der UEFA Champions League verlor? Der ehemalige Weltklasse-Stürmer Diego Simeone (ARG) ist seit Jänner 2012 Atletico-Trainer und damit längstdienender Coach der Primera Division. Zu seinen größten Erfolgen zählen spanische Meistertitel (2014, 2021), Siege in der UEFA Europa League (2012, 2018) und im UEFA Supercup (2012, 2018). In der UEFA Champions League musste er sich 2014 und 2016 im Finale geschlagen geben; jeweils dem Lokalrivalen Real Madrid, beide Male im Elfmeterschießen.

… dass er aber als Spieler zwei Mal das spanische Double gewann? Diego Simeone war Teil jener Mannschaft von Atletico, die in der Saison 1995/96 das einzige Mal das spanische Double feiern durfte, also den Meistertitel und den Sieg im Cup, der Copa del Rey.

Dieser Text stammt aus der Feder von Hannes Kropik.