Bissige Doggen aus dem Norden Frankreichs

Unser UCL-Gegner LOSC Lille im Porträt

Am Mittwoch empfangen wir mit Lille das Überraschungsteam der Saison 2020/21 – seither sind die „Doggen“ aber eher an der kurzen Leine.

Es war die Sensation dieses Frühjahrs. Nicht die mit Weltstars gespickte Combo von Paris Saint-Germain holte den Titel in Frankreich, sondern die eher unspektakulär zusammengestellte Truppe des Lille OSC. Ausrangierte Stürmer wie Burak Yilmaz, weggeschickte Mittelfeld-Rackerer wie Renato Sanches, kanadische Newcomer wie Jonathan David – die bissigen „Doggen“ veranstalteten eine Hetzjagd, an deren Ende sie die fünfte Meisterschaft der Klubgeschichte erbeuteten.

Mit Überraschungen kennt man sich im Nordwesten Frankreichs aus. Hier kann es passieren, dass man als Aufsteiger plötzlich um den Titel spielt oder als Europacup-Teilnehmer auf einmal im Abstiegskampf steckt. Lille ist eine launische Diva, die im Kohlerevier an der Grenze zu Belgien ihre (allerdings eher bürgerlichen als proletarischen) Fans oft um den Verstand bringt – im positiven wie im negativen Sinne. Nach dem großen Erfolg in der Vorsaison befindet man sich in der Ligue 1 aktuell auf Rang neun. Gerade zum Saisonstart musste der Titelverteidiger einige Niederlagen hinnehmen, zuletzt gelangen aber zwei Siege in Folge. Im ersten Spiel der UEFA Champions League-Gruppenphase gab es ein torloses Remis gegen Wolfsburg.

Selbst im Meisterjahr kam der LOSC, in dessen Talenteschmiede Topstars wie Eden Hazard oder Gervinho produziert wurden, nicht ohne Drama aus. Wäre nicht im Winter der luxemburgische Investmentfonds Merlyn Partners als neuer Eigentümer eingesprungen, hätte es den Verein wohl wirtschaftlich zerrissen, und der Titeltraum wäre geplatzt wie eine Seifenblase. Allerdings kostete die Übernahme Sportdirektor Luis Campos, der als das Mastermind hinter dem Meistercoup gilt, den Job. 

Eine wilde Achterbahnfahrt für die Fans

Sechs Mal ist der Klub seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs abgestiegen, ein Mal schleuderte es ihn sogar bis in den Amateurbereich. Doch aufstehen und sich immer wieder berappeln, gehört zur DNA des Klubs, der 1933 erster französischer Meister einer Profiliga und 1946 erster Titelträger nach dem Krieg wurde. Es ist ein bisschen so wie in der Komödie „Willkommen bei den Sch’tis“, die zum Teil in Lille spielt. Dort müssen die vermeintlich hinterwäldlerischen Nordmänner mit etlichen Unwägbarkeiten umgehen, von denen sie sich aber nie unterkriegen lassen. 

Auch aktuell muss im 2012 eröffneten Stade Pierre-Mauroy, in dem um die 50.000 Anhänger für fanatische Stimmung sorgen können, ein Umbruch gemanagt werden: Meistermacher Christophe Galtier verabschiedete sich als Trainer nach Nizza, Top-Torhüter Mike Maignan wurde Gianluigi Donnarummas Nachfolger bei Milan, Mittelfeld-Stratege Boubakary Soumare geigt jetzt in Leicester. Es ist also verständlich, dass sich die Mannschaft erst wieder finden muss. Mit dem Credo, genauso kämpferisch wie Doggen auf dem Platz aufzutreten, ist Lille aber nie ein leicht zu bespielender Gegner.

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