„Wir werden unsere Leistung bringen und kämpfen!“

Kamil Piatkowski und Oumar Solet im Interview

Mit den Verletzungen von Maximilian Wöber, Bryan Okoh, Albert Vallci und Bernardo sind die Auswahlmöglichkeiten von Matthias Jaissle in der Defensive aktuell nicht die größten. Auch Jerome Onguene musste zuletzt angeschlagen aussetzen. Umso wichtiger ist es, dass mit Oumar Solet (Meniskusriss) und Kamil Piatkowski (Knöchelbruch) zwei Innenverteidiger nach längerer Verletzungspause ihre Rückkehr auf den Platz feiern konnten.

Wir haben die beiden zum Gespräch getroffen und mit ihnen über ihre Arbeit am Comeback sowie über die verbleibenden Spiele vor der Winterpause gesprochen.

Zu allererst: Wie geht es euch beiden?

Kamil Piatkowski:

Jetzt geht’s mir wieder gut. Es war eine harte Zeit für mich, weil es meine erste richtige Verletzung war. Ich habe in Thalgau mit den Physios hart an meinem Comeback gearbeitet, und glücklicherweise ging es schneller als erwartet. Jetzt bin ich zu 100 Prozent wieder da, bereit für die kommenden Spiele.

Oumar Solet:

Mir geht’s so weit auch sehr gut, ich bin fit für die Spiele und komme immer besser rein. Die Verletzung war zum Glück ja auch nicht so schlimm wie zuerst befürchtet.

Oumar, glücklicherweise war es ja nichts am Kreuzband, aber warst du vor der Diagnose nervös?

Ich war einfach sehr traurig, weil ich zu dem Zeitpunkt auch wirklich in Topform war. Und klar war ich besorgt. Als ich erfahren habe, dass es nicht das Kreuzband ist, war ich schon sehr erleichtert. Das wäre sonst ja mein zweiter Kreuzbandriss gewesen, und das kann schwierig werden. Dann doch relativ schnell beim Team zurück zu sein, hat sehr gutgetan.

Wie war die Situation bei dir, Kamil?

Da es meine erste Verletzung war, hatte ich mich im Kopf noch nie so gefühlt. Ich wusste nicht, wie die nächste Zeit sein wird und wie die Zeit nach der Physio sein wird. Ich habe in Thalgau auch mit Mentalcoaches gearbeitet und jeder hat mir gut zugesprochen. Ich hatte Sorge, ob ich mich an alles ‚erinnern‘ kann. Wird mein Ballgefühl noch voll da sein? Mein physisches Spiel auf dem Platz ist sehr wichtig, wie wird es darum stehen? Nach den ersten individuellen Einheiten in Taxham habe ich aber gemerkt, dass alles läuft und dass ich mich gut fühle.

Wie habt ihr in dieser Zeit einen klaren Kopf bewahrt?

Oumar Solet:

Ich wollte nach der OP so schnell wie möglich zurück auf den Platz, um vor allem in der Champions League dabei zu sein. Das war viel Arbeit, egal, ob draußen, im Fitnessstudio oder daheim. Ich wusste auch, dass das Team mich braucht. Emotional befand ich mich zwischen Trauer und Freude. Ich wollte bei den Partien unbedingt dabei sein, aber ich habe mich trotzdem genauso über die Siege gefreut.

Kamil Piatkowski:

Klar, ich habe hart gearbeitet. Auch zu Hause habe ich in meiner Freizeit alles für mein Comeback gegeben. Ich habe sehr auf meinen Schlaf und die Ernährung geachtet. Ich denke, darin liegt auch das Geheimnis, wenn man fit ist. Man muss den Körper bestmöglich regenerieren.

Habt ihr während der Reha auch Zeit mit dem Team verbracht?

Oumar Solet:

Ich hatte ständig Kontakt mit dem Team, da ich meine Physiotherapie und mein Training in Taxham hatte. Nur zu Beginn haben wir meine Termine noch eher so gelegt, dass wir für uns waren und in Ruhe arbeiten konnten, damit ich mich gut erhole.

Kamil Piatkowski:

Ich während der Reha eigentlich kaum, weil ich täglich in Thalgau war. Die Tage in der Physio waren sehr anstrengend. Viele Leute denken, als verletzter Spieler hat man einfach frei. So ist es nicht. Bei einer Verletzung gibt es keine freien Tage. Ich bin jeden Abend erschöpft heimgekommen und direkt ins Bett gefallen. Wenn man verletzt ist, muss man vier- oder fünfmal so hart arbeiten wie ein gesunder Spieler.

Kamil, bei dir ging es aber dann doch deutlich schneller als gedacht. Worin lag dein ‚Geheimnis‘?

Die Physios und Ärzte haben mir gesagt, dass ich etwa am 12. Dezember zurück sein würde. Ich meinte dann zu ihnen, dass das nicht sein kann. Nur sieben Tage nach der Operation konnte ich daheim gefühlt schon ganz normal herumlaufen. Ich habe keinerlei Schmerzen dabei gespürt. Zu unserem Teammanager Mark Lang habe ich dann gesagt, dass ich spätestens beim Spiel am 27.11. wieder im Kader stehen werde. Er meinte nur zu mir: ‚Kamil, wenn du das schaffst, bist du ein Gott.‘ Als es dann wirklich so war, konnte er es gar nicht glauben – und ich habe letztlich sogar 90 Minuten durchgespielt.

Wie blickt ihr jeweils auf euer Comeback zurück?

Oumar Solet:

Das Gefühl war gut, wenn auch noch nicht perfekt. In meinem ersten Spiel gegen Austria Wien habe ich ja nur die erste Hälfte gespielt und war dann schon ziemlich erschöpft. Aber wir hatten auch im Vorfeld besprochen, dass ich nach 45 Minuten ausgewechselt werde, um das Knie nicht zu überlasten. Wir haben mit 1:0 gewonnen, also ein optimales Comeback. Und obwohl wir es verloren haben, so hat mir auch das Spiel gegen Klagenfurt sehr weitergeholfen. 

Kamil Piatkowski:

Natürlich habe ich mich im Vorfeld gefragt, ob ich Einsatzzeit bekomme. Aber eigentlich war klar, dass ich erst auf der Bank Platz nehmen würde, bis sich Max Wöber dann beim Aufwärmen verletzt hat. Erst war ich noch etwas vorsichtiger und habe auf meinen Knöchel geachtet. Dann habe ich gemerkt, dass alles hält, und konnte mich zu 100 Prozent aufs Spiel konzentrieren. Fußball ist das, was ich liebe, es ist mein Leben – okay, vielleicht mein zweites Leben nach meiner Familie – und ich habe deshalb überhaupt keinen Druck verspürt.

Verletzungen plagen aktuell unsere Abwehr. Wie ist die Situation für euch, nachdem ihr gerade erst zurück seid? Spielt es auch eine Rolle, mit wem ihr in der Innenverteidigung gemeinsam auflauft?

Oumar Solet:

Das mit den Verletzungen ist natürlich Mist! Aber wir werden unseren Job erledigen. Jeder weiß, dass ich bereit bin, wieder voll fürs Team zu kämpfen. Zu Saisonbeginn habe ich ja hauptsächlich mit Max zusammengespielt. Aber wir haben alle schon in irgendeiner Konstellation zusammengespielt, diese oder letzte Saison. Wir trainieren tagtäglich zusammen und haben auch alle die Qualität, um auf dem Platz zu harmonieren. Und egal, wie wir in den nächsten drei Partien auflaufen, wir werden unsere Leistung bringen, wir werden kämpfen. 

Kamil Piatkowski:

Es spielt keine Rolle, mit wem aus dem Team man auf dem Platz steht. Jeder hat das Zeug dazu. Wir werden sehen, welche Entscheidungen der Coach trifft. Natürlich will ich einfach nur spielen und mich dadurch auch ständig weiter verbessern.

Finale Frage: Wie sieht euer Ausblick bis zur Winterpause aus?

Oumar Solet:

Das klare Ziel ist die Qualifikation für die K.-o.-Runde der UEFA Champions League. Das ist alles, was ich mir wünsche, bevor es in die Winterpause geht. Wenn wir diese Woche gut gegen Hartberg performen, kann uns das definitiv helfen, ein noch besseres Feeling zu bekommen.

Kamil Piatkowski:

Die Winterpause nach dem Tirol-Spiel wird uns definitiv guttun. Es war für uns alle ein anstrengender Herbstdurchgang. Aber erst mal bin ich jetzt einfach heiß darauf, möglichst in jeder verbleibenden Partie zu spielen. Klar, das wichtigste Spiel ist das nächste Woche in der Champions League gegen Sevilla. Das ist wie ein Finale. Da muss alles passen.