Shine Bright

Erste Chance, zu glänzen – in Sevilla

Trotz ihrer Außenseiterrolle sind unsere Burschen scharf auf einen Auswärtserfolg in Spanien. Besuche auf der iberischen Halbinsel waren historisch selten triumphal, aber Sevilla ist anders.

Denken wir zurück an die letzten Jahre, an damals, als die Vorfreude so groß und die Erwartungshaltung doch so klein war. Die Parallelen dazu sind gering. Es sind nicht die großen Kaliber, wie noch die Bayern oder Liverpool, die uns klar zum Underdog machen. Gegen Sevilla darf man sich trotz Außenseiterstatus etwas ausrechnen. Zu denken, dass sich zu einem Triumphmarsch posaunen lässt, wäre aber vermessen. Zu viele Tugenden von Sevilla könnten uns Probleme bereiten.

Typische Spanier?

Was spanischer Fußball bedeutet, haben wir schon des Öfteren leidvoll erfahren. Waren es die jüngsten Niederlagen gegen Villarreal und Atletico oder das Duell gegen Sevilla vor 13 Jahren. Pressingresistentes Ballbesitzspiel war oft ein probates Mittel gegen unseren Hard Rock-Fußball. Das Kollektivurteil, dass spanischer Fußball eben so sei, mag auf Sevilla aber nicht vollständig zutreffen. Wie wir schon in unserer Gegneranalyse sezierten, sind die Spanier zwar gut am Ball, klar, so ist das eben bei Topteams, viel wichtiger sind allerdings das Flügelspiel und die Kopfballstärke von Youssef En-Nesyri. Er erzielte auch im letzten Meisterschaftsspiel den einzigen Treffer seines Teams beim Remis gegen Elche. Nach der Länderspielpause entfiel aber das große Duell mit dem FC Barcelona, weil die südamerikanischen Teamspieler, die einen beträchtlichen Anteil beider Kader stellen, nicht spielberechtigt waren.

Also: spanisch, ja, aber mit Abstrichen. Trainer Julen Lopetegui steht nämlich auch auf brettharte Defensivarbeit. Das beginnt schon mit der Balance im Offensivspiel. Selten begeben sich mehr als fünf Feldspieler vor den Ball, was die Wahrscheinlichkeit von Unterzahlmomenten in der Rückwärtsbewegung beinahe ausschließt. Ist der Ball verloren, heißt die Antwort: Teamarbeit. So kommt es, dass noch kein Spieler Sevillas in der laufenden Saison doppelt verwarnt wurde.

Shine bright for the future

Lust auf mehr

Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive Titel, heißt es so oft. Und ein Quäntchen Wahrheit scheint darin schon versteckt zu sein. Der spanische Meistertitel ist und bleibt zwar eine Sache für Real, Barca und jüngst auch Atletico. Für die letzten beiden Spielzeiten gab Sevilla aber den ersten Verfolger. Das weckt natürlich auch hinsichtlich der UEFA Champions League Begehrlichkeiten. In der UEL ist man ja bereits unangefochtener Rekordsieger. Im Rahmen der Königsklasse war aber bislang das Viertelfinale das höchste der Gefühle.

2017/18 gegen die Bayern gab es den bislang einzigen Auftritt in der Runde der letzten Acht. Die Mannschaft jener Tage können die Fans aber nur noch im Fotoalbum bestaunen. Nur noch einer der elf Starter steht heute noch im Kader, Jesus Navas, der Ewige. Der 1,72-Flitzer mit den blauen Engelsaugen gilt als Klubikone. Sogar das Stadion der zweiten Mannschaft ist nach ihm benannt.

Dabei sein, ist zu wenig

Nach Jahren des gallischen Daseins ist aus dem Dorf eine Festung erwachsen. Wir sind mehr als ein Sideact, wir sind Dauerteilnehmer. Damit einher geht Anspruch. Wir sind nicht mehr hier, um teilzunehmen, sondern um zu übernehmen. Daher ist es auch nur fair, dass wir gegen Sevilla den Anspruch auf mehr als nur die Nebenrolle stellen. Unser Team gab in Pflichtspielen dieser Saison noch keinen einzigen Punkt ab. Zudem ist die Gier nach Erfolg bei unserem verjüngten Team, dem jüngsten des Wettbewerbs, riesig. Wir sind bereit.

Gegen Sevilla wird genau diese Qualität gefragt sein. Das Selbstbewusstsein, in der UEFA Champions League ein Spiel dominieren zu können, es auch mit Mitteln zu gewinnen, die wir selten zum Einsatz bringen. Schon gegen Bröndby haben wir das gezeigt. Jetzt braucht es nur noch ein wenig Glück und eure Unterstützung, wo immer ihr auch seid!

Personelles

Sekou Koita (Knie) und Albert Vallci (Achillessehne) fehlen verletzungsbedingt. Der Einsatz von Zlatko Junuzovic (Fersenprellung) ist fraglich.

Statements

Matthias Jaissle:

Für uns wird die Champions League eine tolle Herausforderung. Wir haben zwar die jüngste Mannschaft aller Teilnehmer und gehen die Sache mit Respekt an – aber ohne Angst. Jetzt freuen wir uns riesig auf das Spiel in Sevilla, denn es ist klasse, wenn wir uns mit den besten Teams in Europa messen können. Darauf haben wir hart hingearbeitet. Für uns geht es dabei gegen eine internationale Top-Mannschaft, die auch jetzt wieder einen sehr guten Start in die spanische Liga hatte.

Max Wöber:

Ich habe noch mit ein paar Leuten im Klub recht guten Kontakt, deshalb freue ich mich sehr auf dieses Match. Für mich ist Sevilla der Favorit in dieser Gruppe, und ich erwarte mir einen sehr schwierigen Start für uns. Aber wir wollen auch gegen sie unser Spiel wieder durchziehen. Vielleicht überrascht es sie ja, wenn wir sie im eigenen Stadion mit offensivem Pressing attackieren. Das kennen sie aus der Primera Division wohl eher nicht.

Wir haben in den beiden Jahren gesehen, dass es nicht reicht, wenn wir nur 80 Minuten auf hohem Niveau spielen. Da haben wir gegen richtig starke Mannschaften gut mitgehalten, dann aber in der Schlussphase immer wieder Tore bekommen. Das heißt, dass wir bis zur letzten Sekunde auf höchstem Niveau spielen müssen.

Die letzten Duelle mit Teams aus Spanien:

25.02.2021    Villarreal CF – FC Salzburg    2:1
18.02.2021    FC Salzburg – Villarreal CF    0:2
09.12.2020    FC Salzburg – Atletico Madrid    0:2
27.10.2020    Atletico Madrid – FC Salzburg    3:2