10.000 Fans feierten unsere U19 | Road to Nyon: Rückblicke und Highlights

Erstmals in der noch jungen Geschichte des wichtigsten Nachwuchsbewerbes auf Klub-Ebene konnte eine österreichische Mannschaft die Lennart-Johansson-Trophäe gewinnen. DOCH WAS HAT DIESER TITEL UNSEREN JUNGS BIS HEUTE EIGENTLICH GEBRACHT? 

Nach dem Gewinn der UEFA Youth League zählten unsere Jungbullen mit einem Schlag zu den am meisten beachteten Nachwuchstalenten Europas, denn sie haben auf ihrem Weg zum Titelgewinn Top-Teams wie Manchester City, Paris Saint-Germain, Atletico Madrid sowie den FC Barcelona und Benfica Lissabon besiegt.

Wenige Wochen später hat sich für die meisten unserer U19-Spieler einiges verändert. Kurz nach der Rückkehr aus Nyon wurden Patson Daka sowie Amadou Haidara und Hannes Wolf in die Kampfmannschaft einberufen. Die drei werden künftig als Kooperationsspieler, ebenso wie Xaver Schlager, Mergim Berisha und Samuel Tetteh, unter Trainer Oscar Garcia bei den Profis spielen.

Außerdem kam mit Mahamadou Dembele von Paris Saint-Germain ein wahres Ausnahmetalent ablösefrei zu den Roten Bullen.  Der 18-jährige Innenverteidiger ist französischer U18-Teamspieler und war auch in der UEFA Youth League für PSG, u. a. gegen die Roten Bullen, im Einsatz. Dembele soll vorerst als Kooperationsspieler beim FC Liefering Fuß fassen.

In der abgelaufenen Saison konnten einige Akteure aus der Red Bull Akademie in Liefering, die sich letzte Woche gegen Sturm Graz erneut den U18-Titel der ÖFB Jugendliga sicherten, bereits Einsätze in der Sky Go Ersten Liga verbuchen und auch in der UEFA Youth League schon wertvolle internationale Erfahrungen sammeln.

Nun ist es an der Zeit, dass die nächste Generation nachrückt und beim FC Liefering ihren nächsten Entwicklungsschritt in der zweithöchsten Spielklasse Österreichs macht.

So sind Nicolas Meister, die beiden Salzburger Philipp Sturm und Kenan Kirim sowie Julian Gölles und Dominik Stumberger, der nach seinem Wadenbeinbruch im April bei der U19 Champions Trophy in Düsseldorf hart an seinem Comeback arbeitet, und Torhüter Daniel Antosch fortan fixe Bestandteile des Kaders.

Neben dem Akademie-Sextett konnte auch mit zwei weiteren vielversprechenden Talenten verlängert werden. Maximilian Schuster, der sich heuer nach Kreuzbandverletzung wieder zurückgekämpft hat und mit guten Leistungen zum Saisonfinale aufzeigte, unterschrieb bis Sommer 2018 und Offensivspieler Alexander Schmidt, der sich mit seinem Siegestor im Finale der UEFA Youth League nach langer Verletzungspause zurückmeldete, unterschrieb beim Kooperationsverein FC Red Bull Salzburg, wird aber bis Sommer 2018 sofort an den FC Liefering verliehen.

ROAD TO NYON | Wie alles begann ...

Die Reise nach Nyon begann zunächst in Mazedonien beim FK Vardar, und führte in weiterer Folge an einen der entlegensten Winkel Europas: nach Kasachstan zum FC Kairat Almaty.

FC Salzburg vs. FK VARDAR

Der erste Gegner in der UEFA Youth League war der mazedonische Meister FK Vardar, der über eine der modernsten Sportstätten Mazedoniens verfügt und in seiner Akademie über 400 begeisterte Nachwuchstalente für den erfolgreichsten Klub des Landes ausbildet.

Im Hinspiel der ersten K.-o.-Runde zur UEFA Youth League konnte sich unsere U19 gegen den FK Vardar klar mit 5:0 (3:0) durchsetzen und schuf sich damit eine exzellente Ausgangsposition für das Rückspiel in Skopje. Die Mannschaft von Marco Rose bot über die gesamte Spielzeit eine starke Leistung, dominierte den Gegner mit erfrischendem Offensivfußball, zeigte tolle Ballstafetten und traf durch je einen Doppelpack von Amadou Haidara (21./32.) und Mergim Berisha (43./88.) sowie durch Kapitän Xaver Schlager (66.).

Ebenso klar endete dann auch das Rückspiel der Jungbullen ins Skopje. Dort besiegten wir den FK Vardar mit 3:0 (0:0), kontrollierten während der gesamten Partie das Geschehen, ließen den Mazedoniern nicht den Hauch einer Chance und stiegen mit einem Gesamtscore von 8:0 in die nächste K.-o.-Runde auf. Die Tore erzielten Philipp Sturm (69.) und Oliver Filip (84./86.)

FC Salzburg vs. Kairat Almaty

In der zweiten K.-o.-Runde zur UEFA Youth League bekam es unsere U19 mit dem kasachischen Meister FC Kairat Almaty zu tun, der in der vorherigen Runde gegen Dinamo Tiflis seine Qualitäten unter Beweis stellte und die Georgier mit einem Gesamtscore von 8:1 aus dem Bewerb beförderte.

Der FC Salzburg setzte sich im Hinspiel  gegen den FC Kairat Almaty klar mit 8:1 (2:0) durch. Die Mannschaft von Marco Rose bot eine starke Leistung, dominierte den Gegner mit erfrischendem Offensivfußball und erspielte sich eine Fülle an guten Möglichkeiten. Die Tore der Jungbullen erzielten Mergim Berisha, der gleich fünf Treffer erzielen konnte, und Hannes Wolf, der dreimal traf.

Die Jungbullen gewannen auch das Rückspiel gegen Kairat Almaty bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt mit 1:0 und stiegen mit einem Gesamtscore von 9:1 in das Play-off der UEFA Youth League auf. Dabei übernahmen die Salzburger, die an einigen Positionen verändert antraten, von Beginn an das Kommando, drückten die Kasachen in die eigene Hälfte und erspielten sich einige gute Möglichkeiten. Den Siegestreffer erzielte Luca Meisl in der ersten Spielhälfte.

Kurioses Detail am Rande: In Kasachstan war es so kalt, dass im Charterflieger unserer Mannschaft, die nach dem Match nach Krasnodar flog, um dort die Kampfmannschaft beim UEFA Europa League-Gruppenspiel gegen den FC Krasnodar zu unterstützen, über Nacht die Wasserleitungen einfroren. Somit gab es auf dem gesamten Flug von Kasachstan über Russland und zurück nach Österreich kein fließendes Wasser im Flieger.

FC Salzburg vs. Manchester City

Im Play-off der UEFA Youth League, das in einer einzigen Partie ausgetragen wurde, traf man im Heimspiel auf den Top-Klub Manchester City. Dabei baute die Mannschaft von Marco Rose auf ihre bisherige positive Heimbilanz. Saisonübergreifend wurden von fünf Partien – bei einer beachtlichen Tordifferenz von 22:6, das entspricht im Schnitt 4,4 Toren pro Spiel – im eigenen Stadion vier gewonnen. Die Citizens blickten ihrerseits auf eine zufriedenstellende Performance in der Gruppe C der UEFA Youth League zurück. Nach jeweils zwei souveränen Erfolgen gegen Celtic Glasgow und Borussia Mönchengladbach qualifizierten sich die Engländer für das Play-off und mussten sich nur dem FC Barcelona zwei Mal geschlagen geben.

Bislang kreuzten sich die Wege der Salzburger und der Citizens im Akademiebereich selten. Das einzige Aufeinandertreffen auf heimischem Boden konnten die Jungbullen bei der Next Generation Trophy 2015 (U16-Bewerb) im Halbfinale knapp für sich entscheiden. Nach einer temporeichen und intensiven Partie setzte sich der FC Salzburg damals in einem dramatischen Elfmeterschießen durch, schaffte den Aufstieg und sicherte sich schlussendlich den begehrten Titel.

Der FC Salzburg setzte seinen Siegeszug auch in der UEFA Youth League fort und gewann im Play-off gegen den englischen Top-Klub Manchester City – vor den Augen zahlreicher Scouts von international namhaften Klubs und knapp 2.000 Zusehern – mit 5:4 (1:1) nach Elfmeterschießen. Die Mannschaft begeisterte das Publikum mit ihrem Spiel restlos und sorgte mit diesem Achtungserfolg erstmals auch in der heimischen Presse für Bewunderung.

FC Salzburg vs. Paris Saint-Germain

Nach dem sensationellen Erfolg gegen Manchester City wartete im Achtelfinale niemand Geringerer als der Nachwuchs des französischen Meisters Paris Saint-Germain auf die Mannschaft von Marco Rose. Die Franzosen sicherten sich souverän den Sieg in Gruppe A und blieben als eines von nur zwei Teams in der gesamten Gruppenphase ohne Niederlage.

Schlager & Co. bauten dabei auch in der Runde der letzten 16 auf ihre Heimstärke, denn nach dem unerwarteten Erfolg gegen ManCity hatte sich unter den fußballbegeisterten Salzburger Fans bereits herumgesprochen, dass auch diese Begegnung ein Spiel auf internationalem Topniveau versprechen würde. In der UEFA Youth League gingen die Jungbullen bisher in vier Partien als klarer Sieger vom Platz und remisierten lediglich ein Mal im Play-off gegen Manchester City. Dieser positiven Bilanz stand nur die Niederlage gegen AS Roma im Play-off des Vorjahres gegenüber. In der laufenden Saison erzielte das Team rund um Mergim Berisha 14 seiner 18 Treffer, bei nur zwei Gegentoren, in der heimischen Arena. Paris Saint-Germain gelangen in der Fremde bis dato beachtliche 13 Treffer – davon alleine acht gegen Ludogorez Rasgrad – aber man musste die Kugel insgesamt fünf Mal aus dem eigenen Tor holen.

Was dann kommen sollte, hatte wirklich niemand erwartet, denn unsere Jungbullen lieferten gegen Paris Saint-Germain eine wahre Machtdemonstration ab und sorgten in der UEFA Youth League damit erneut für Furore. Im Achtelfinale eliminierten wir nach Manchester City im Play-off nun auch den französischen Top-Klub Paris Saint-Germain. Dabei setzte sich die Mannschaft von Marco Rose vor über 3.000 Zusehern – darunter auch Oscar Garcia und ein Großteil der Profimannschaft – deutlich mit 5:0 (3:0) durch (Wolf (15.), Filip (31./34./61.), Mensah (73.)) und begeisterte dabei erneut mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung und ausgezeichnetem Offensivfußball. Die Zuschauer in der Red Bull Arena würdigten diese Topleistung mit minutenlangen Standing Ovations.

FC Salzburg vs. Atletico Madrid

Mit breiter Brust und viel Selbstvertrauen empfingen die Jungbullen im Viertelfinale der UEFA Youth League dann auch den spanischen Top-Klub Atletico Madrid. Wie schon in den letzten zwei Partien gegen Frankreichs und Englands Aushängeschilder hatten die Salzburger erneut Heimrecht und bauten dabei nicht mehr nur auf ihre beeindruckende Bilanz im heimischen Stadion, sondern auch auf die Unterstützung ihrer immer größer gewordenen Fangemeinde.

Im Viertelfinale des laufenden Bewerbes stieß mit der U19 des FC Salzburg erstmals ein Team einer kleinen Fußballnation in die Runde der letzten acht vor und hatte sich somit auch gegenüber den Rojiblancos – gegen die Schlager & Co. nun um den Einzug ins Halbfinale im Colovray-Stadion in Nyon kämpfen mussten – eine große Portion Respekt erarbeitet. Dabei setzte sich das Team von Marco Rose vor einer Rekordkulisse von 5.380 Zusehern – darunter auch über 20 Scouts international angesehener Vereine – mit 2:1 (0:0) durch, zeigte sich dabei geduldig und begeisterte erneut mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung. Trainer Oscar Garcia harrte in den letzten Minuten vor dem Abpfiff im Spielertunnel aus und verfolgte den Siegeszug der U19 aus nächster Nähe. Er gratulierte jedem einzelnen Spieler auf dem Weg zur Kabine sogar höchstpersönlich.

FC Salzburg vs. FC Barcelona

Was dann folgte, klingt immer noch wie ein Märchen! Mit dem Selbstvertrauen der letzten erfolgreichen Spiele gegen namhafte internationale Top-Klubs und dem Wissen, bislang noch keine Partie in dieser Saison in der UEFA Youth League verloren zu haben, traten die Jungbullen die Reise nach Nyon an, wo uns nach den beeindruckenden Vorstellungen vor heimischem Publikum im Frühjahr nun mit dem Duell gegen den FC Barcelona das absolute Highlight der laufenden Spielzeit erwartete. Die Katalanen, die diesen Bewerb in der Saison 2013/14 als erstes Team gewinnen konnten, gingen als klarer Favorit in das Halbfinale. In den beiden darauffolgenden Jahren war für Barca jeweils gegen den RSC Anderlecht – 2014/15 im Achtelfinale und 2015/16 im Viertelfinale – Endstation.

Im Vorfeld dieser Begegnung gab uns Trainer Oscar Garcia ein exklusives Interview zum FC Barcelona und warnte davor, dass die Spanier unsere Jungbullen keinesfalls unterschätzen würden. Hier zum Nachlesen!

Mit dem Einzug in das „Final Four“ ist es den Salzburgern gelungen, die Vormachtstellung der großen internationalen Klubs in den letzten Jahren zu durchbrechen. Nachdem man mit Manchester City, Paris Saint-Germain und Atletico Madrid bereits einige Kaliber eindrucksvoll ausgeschaltet hatte, musste man wohl auch vor dem FC Barcelona nicht in Ehrfurcht erstarren. Vielmehr war man von der eigenen Qualität überzeugt und wollte den Erfolgslauf auch in Nyon fortführen.

Die Jungbullen, die in den letzten Wochen in der UEFA Youth League bereits für Furore gesorgt hatten, zeigten einmal mehr groß auf, eliminierten den großen Favoriten aus Spanien, den FC Barcelona, und qualifizierten sich damit für das Endspiel. Das Siegestor erzielte Joker Patson Daka in der 84. Minute und krönte damit die sensationelle Leistung der Salzburger an diesem Nachmittag.

FC Salzburg vs. Benfica Lissabon im Finale

Die Mannschaft von Marco Rose kämpfte sich in den letzten Wochen als Außenseiter in das Endspiel der UEFA Youth League und traf nun im Finale auf den portugiesischen Topklub Benfica Lissabon. Dabei wussten die Jungbullen bislang nicht nur zu überzeugen, sondern setzten sich gegen ihre Kontrahenten in einer beeindruckenden Manier durch, die in der laufenden Saison ihresgleichen suchte.

Die U19 des FC Salzburg setzte ihren sensationellen Siegeszug auf internationalem Boden fort, gewann auch das Finale gegen Benfica Lissabon mit 2:1 (0:1) und sicherte sich den begehrten Titel der UEFA Youth League – und das mehr als verdient! Ab diesem Moment brachen alle Dämme – nicht nur in Nyon, nicht nur in Salzburg, nicht nur in Österreich –, denn unsere Jungbullen erreichten einen historischen Meilenstein für den österreichischen Fußball, sorgten in den letzten Wochen auf beeindruckende Art und Weise für Furore, stellten namhafte, international höher eingestufte Teams in den Schatten und krönten ihre überragende Leistung mit dem Erfolg in der UEFA Youth League.

Marco Rose:

Es ist ein großartiger Erfolg für unseren Nachwuchs, der für immer bleibt, und ich bin wirklich sehr stolz auf meine Jungs. Wir wussten von Anfang an, dass wir eine gute Youth League-Mannschaft haben, aber man weiß im Vorfeld nie, was auf einen zukommt. Nach dem verdienten Erfolg gegen Manchester City haben uns die weiteren Siege nach und nach getragen und weitergebracht. Unsere Jungs sind auf einem guten Weg, sich in Zukunft nachhaltig im Profi-Fußball durchzusetzen, aber bis dahin sind noch einige Entwicklungsschritte notwendig.

Zu den ersten Gratulanten zählte neben unserem Bundespräsidenten unter anderem sogar der FC Barcelona, der mit einer Nachricht auf Facebook unsere Mannschaft als fairen Gegner und verdienten Sieger würdigte.

Luca Meisl, der jedes einzelne Spiel des Bewerbes bis zum Schluss durchspielte, meinte nach der Ehrung vor heimischem Publikum:

Schön langsam wird uns bewusst, was dieser Sieg tatsächlich für uns bedeutet. Wir haben uns zwar schon ein paar Chancen ausgerechnet, das „Final Four“ noch zu erreichen, dass wir es aber letzten Endes gewinnen sollten, damit konnten wir nicht rechnen. Ich glaube, dass jedes einzelne Spiel nach dem 5:0 gegen Paris Saint-Germain schon ein Highlight an sich war.