Tormann-Trainer Herbert Ilsanker über Alexander Walke, Cican Stankovic und Carlos Miguel Coronel

Herbert Ilsanker ist die graue Eminenz im Trainerteam des FC Red Bull Salzburg: Immer gut gelaunt, immer höflich, für jeden ein offenes Ohr und unumstritten der beste Tormanntrainer, den man sich nur wünschen kann.

Aber unserem „Dienstältesten“ zu widersprechen, würde niemand wagen. Trainer Marco Rose meinte gar bei seinem Dienstantritt im vergangenen Sommer, natürlich mit einem Augenzwinkern:

In Wahrheit gibt er hier die Marschrichtung vor. Wir können froh sein, wenn er uns mitmachen lässt.

Selbst die „Berliner Schnauze in Person“, Alexander Walke, hat sich noch nie auf eine Diskussion mit ihm eingelassen:

Musste ich auch nie! Herbert hat einfach immer recht. PUNKT!

Unser Kapitän hat aber nicht nur den allergrößten Respekt vor seinem Trainer, die beiden stehen sich auch auf besondere Weise sehr nahe. So ist es übrigens mit all seinen Schützlingen, denn jeder Torwart, den Herbert unter seine Fittiche genommen hat, pflegt auch nach seiner Zeit bei den Roten Bullen ein besonderes Naheverhältnis zu ihm. Eddie Gustafsson, der mittlerweile selbst Tormann-Trainer ist und in der Red Bull Akademie bereits die „nächste Generation“ ausbildet, hat in Herbert einen Mentor und in gewisser Weise auch eine Vaterfigur gefunden. 

In den letzten Wochen sorgte die – für viele sehr überraschende Tormann-Rotation beim Serienmeister – für regen Diskussionsstoff. Beim zaghaften Versuch, ihm seine persönliche Meinung zum medialen Wirbel um die Tormannfrage zu entlocken, kam ihm nur ein bedeutungsschwangerer und  vielsagender Grinser über die Lippen. Nicht mehr und nicht weniger!

Schon klar, dass man einen „Ilsanker“ nicht auf eine solche Frage festnageln kann, dafür aber wollten wir von Herbert wissen, was das Einzigartige und Besondere an jedem seiner aktuellen Schützlinge ist, und haben darauf sehr ehrliche Antworten bekommen:

Ich möchte zu allererst nicht sagen, was sie einzigartig macht, sondern was alle drei gemeinsam haben. Alle drei sind absolute Vollprofis, und ich kann mich zu 100 Prozent auf jeden Einzelnen im Spiel verlassen. Zum Beispiel könnte ich heute Carlos, ohne Bauchschmerzen zu bekommen, in einem Meisterschaftsspiel einsetzen. Er hat mein vollstes Vertrauen, genauso wie Alex oder Cican. Alle drei sind Topathleten, die hoch konzentriert und auf absolut höchstem Niveau zusammenarbeiten und trainieren. Und das Wichtigste: Alle drei haben die richtige Einstellung, helfen sich gegenseitig und sind zusammen ein perfektes Team.

Was aber macht nun unsere Goalies im Detail aus? Herbert hält einen Moment inne, lehnt sich tiefenentspannt in seinen Sessel zurück, legt die Beine auf den Beistelltisch neben seinem Schreibtisch und genießt seine kleine Denkpause in vollen Zügen, bevor er antwortet:

Wie schon gesagt ist Alex ein Vollprofi. Er ist aber auch ein idealer Führungsspieler, und das ist wahrscheinlich seine größte Qualität. Er hat ein Gespür für die Menschen, mit denen er zusammenarbeitet, und er ist für alle im Team ein Vorbild.

Kann sich ein Routinier wie Alexander Walke überhaupt noch weiterentwickeln, wollten wir von ihm wissen:

Selbstverständlich. In jedem Spiel lernt man etwas dazu! Alex war früher das, was man einen perfekten Linientormann nennt. Mittlerweile hat er sich auch spielerisch zu einem der besten Tormänner entwickelt. Jeder wusste, dass er mit dem linken Bein Schwächen hatte, da links sein Standbein war. Er hat sehr hart an sich gearbeitet und ist jetzt spielerisch sehr viel besser als noch zu Beginn seiner Zeit in Salzburg.

Einen internen Konkurrenzdruck sieht er zwischen Alex und Cican aber nicht. Zumindest keinen ungesunden. Dafür, so meint er, sind die Qualitäten der beiden einfach viel zu unterschiedlich und würden keinem direkten Vergleich standhalten.

Cican hat enorm gute Reflexe und weiß seinen langen, schlaksigen Körper perfekt einzusetzen. Er wirkt wie ein Weberknecht mit seinen langen Armen und Beinen, und er ist enorm reaktionsschnell, sowohl auf der Linie als auch außerhalb der Box. Während Alex seinen Körper gut einsetzen kann, hat Cican den Vorteil aufgrund seiner Reichweite. Sprich: Bei Flanken und Eckbällen erreicht er mit seiner Länge entscheidende Zentimeter mehr.

Man möchte meinen, Cican Stankovic müsste es an Spielpraxis mangeln, zumindest wenn man manchen öffentlichen Meinungen Glauben schenken möchte, doch auf solche Kommentare reagiert Herbert allergisch:

Cican hat in dieser Saison bereits zehn Pflichtspiele absolviert, und nicht ein Mal hatte ich das Gefühl, dass er die Partie nicht im Griff hat. Im Gegenteil! Was manche Menschen vielleicht nicht wissen, ist, dass Cican sich unglaublich professionell auf jedes einzelne Match vorbereitet. Er kennt den Gegner bis ins kleinste Detail. Er arbeitet die Stärken und Schwächen des Gegners akribisch auf und – das muss man ihm hoch anrechnen – er tut dies, obwohl er damit rechnen muss, dass er nicht zum Zug kommt, und teilt seine Erkenntnisse mit dem ganzen Team.

Und Jungspund Carlos Miguel Coronel?

Carlos ist ein sehr junger Tormann, der enorm viel Potenzial hat, aber jetzt schon eine Souveränität besitzt, die man so nur von sehr viel erfahreneren Goalies kennt. Er bringt spielerisch alles mit, was man braucht, hat einen guten Überblick im Spiel, kommuniziert sehr gut mit seinen Mitspielern und ist für sein junges Alter sehr selbstsicher und reflektiert. Er ist eine große Bereicherung für unser kleines Team.

Wem seiner aktuellen Schützlinge er eine Tormann-Trainer-Karriere zutrauen würde, dürfte wohl niemanden groß überraschen:

Sehr gut vorstellen könnte ich es mir bei Alex. Er wäre prädestiniert dafür und ist meiner Meinung DER Tormann-Trainer der Zukunft, und ich glaube auch, dass ihm diese Aufgabe sehr viel Spaß machen würde. Cican ist erst 25 Jahre alt, er hat noch gut zehn Jahre aktive Tormann-Karriere vor sich, er wird sich darüber sicher noch keine Gedanken machen, und für Carlos gilt das natürlich ebenso.