Torschützen: Samatta (85.) bzw. Daka (43.), Minamino (45.), Hwang (69.) Haaland (87.)

Besser als Shakespeare. Unsere Burschen schreiben mit ihrem überragenden 4:1-Erfolg in Genk ein dramaturgisches Meisterwerk. In Salzburg geht es jetzt gegen Liverpool wieder um alles.

Spielbericht

Unter tosenden Gesängen betreten die 22 Gladiatoren in der kompakten Arena zu Genk den Rasen. Die Stimmung spricht eine klare Sprache: Hier geht es um alles! Hier gibt es nichts geschenkt! Die besten Dinge sind aber ohnehin die, die man sich erarbeitet. Und mit dieser Devise legten wir los. Onguene prüfte nach einem Junuzovic-Freistoß mit einem Schuss bereits nach zwei Minuten den Genker Keeper Coucke.

Der Startschuss zu einer brausenden Startoffensive. Noch vor der 10. Minute verbuchten wir drei aussichtsreiche Chancen. Aber die Schlümpfe blieben lästig. Ihr hohes Anlaufen brachte uns phasenweise in Bedrängnis. Die Handschrift von Neo-Trainer Hannes Wolf war klar erkennbar. Und doch dominierten wir. Teils ein Hochgenuss, wie Szoboszlai & Co. im Mittelfeld die Bälle festmachten, dereinst aber noch nicht hungerstillend. Ferner lief die Partie in Liverpool. Zu diesem Zeitpunkt ging Napoli in ebenderer mit 1:0 durch Mertens in Führung. Die Spannung stieg.

In Genk flaute die Begegnung ab. Zunehmend verstrickten wir uns in Mittelgeplänkel, die finalen Pässe fanden oft nur das Leere. In der 35. Minute zur Abwechslung Hee Chan Hwang, der mit der Ferse perfekt auf Patson Daka ablegte. Frei vor dem Kasten schickte dieser das Leder allerdings in den zweiten Rang. Das war ein ganz dickes Ding. Wie auch auf der anderen Seite, als Coronel im Eins-gegen-Eins mit Paintsil Sieger blieb. Der einzige Torschuss der Belgier in der ersten Halbzeit, im Gegensatz zu unseren vielen. Eine Schande, wenn das unbelohnt bliebe.

Aber das blieb es nicht! Nach einem Freistoß von Szoboszlai kam der Ball wieder zum Ungarn zurück. Er feuerte einen Flatterball auf den Kasten, den Goalie Coucke nicht festhalten konnte. Geistesgegenwärtig spritzte Patson Daka dazwischen, die Erlösung nach 43 Minuten. Und weil es so schön war, hielt Taki Minamino zwei Minuten später nach Vorlage von Enock Mwepu drauf. Der Ball schlug, ähnlich einem Crossball beim Tennis, genau im unteren Winkel ein. 2:0, was für ein Treffer! (45.)

War es Verblüffung oder Schock? Die zweite Halbzeit begann als Antithese zur ersten mit viel Hektik und wenig Spielanteilen für unsere Burschen. Ohne selbst übermäßigen Aufwand zu betreiben, begnügten wir uns mit der Tatsache, dass die Genker nur wenig zuwege brachten. Doch eine gewisse Unsicherheit schwirrte durch unsere Reihen. 0:2, eine solche Führung hatten wir erst jüngst abgegeben. Jesse Marsch reagierte, brachte Erling Haaland aufs Feld.

Ein guter Griff, denn jetzt verlief das Spiel wieder in die andere Richtung. 69 Minuten warteten wir allerdings, bis wir das erste Mal gefährlich vor das Tor kamen. Dann aber umso wirkungsvoller: Unwiderstehlich zog Big Earl einen Sprint an, brachte mit einem Stangler den Ball in die Mitte, wo sich Hee Chan Hwang besser vom Verteidiger löste als Cif auf der Herdplatte. Schuss Tor 3:0, so einfach kann Fußball sein (69.). Jetzt regierten hier nur noch die Roten Bullen. Haaland netzte, doch der Schiri verweigerte. Aber ganz egal, von den Rängen hörte man nur noch unsere 750 Mitgereisten. Hier war Partystimmung. Doch das Auge ging noch einmal nach Anfield, wo Liverpool durch Lovren gegen Napoli ausglich. Damit könnten wir sogar noch Gruppensieger werden.

Ganz ohne Patzer ging es dann aber doch nicht. Einen Distanzschuss konnte Carlos Coronel nicht in seinen Armen begraben. Er ließ prallen, und Samatta staubte ab (85.). Ein Ruck sollte aber nicht durch die Arena gehen. Nur wenig später korrigierte Erling Haaland den Spielstand mit einem Abstauber wieder zu unseren Gunsten (87.).

Die Zweifel, die bösen Geister, sie alle waren in bester Manier bewältigt worden. Eine Vorstellung wie aus dem Lehrbuch, die uns ein Endspiel in heimischen Gefilden einbringt. Wir sind heiß drauf!

KRC Genk vs. FC Salzburg

Statements

Jesse Marsch

Es war unser Ziel, nach diesem Spiel am Leben zu sein. Und: Wir sind da! Wir haben daheim die Möglichkeit, gegen Liverpool aufzusteigen und den Titelverteidiger zu eliminieren. Das ist cool, aber auch sehr schwer. Wir freuen uns auf die Aufgabe.

Hannes Wolf:

Wir wussten um das schnelle und direkte Spiel der Salzburger. Ich glaube auch, dass unser Matchplan sehr gut darauf abgestimmt war. Die zwei schnellen Tore vor der Pause haben uns dann aus dem Konzept gebracht.

Wechsel

Haaland für Daka (61.), Okugawa für Szoboszlai (80.), Vallci für Minamino (89.)

Gelbe Karten

Junuzovic (21./Foul), Kristensen (46./Unsportlichkeit)

Nicht einsatzbereit

Bernede (Schienbein), Farkas (gesundheitliche Probleme), Koita (Bauchmuskelverletzung)