Ich gebe jeden Tag 100 Prozent!

Nils Quaschner im Interview

Nils Quaschner ging auf die deutsche „Eliteschule des Fußballs“ und hat mit Hansa Rostock in der 3. Liga schon viel erlebt. Mit seiner Schnelligkeit und seinem robusten Körper ist er mehr als nur eine Alternative im Angriff der Roten Bullen.

Gegen Rapid ist dir ein extrem wichtiger Assist gelungen, und Trainer Adi Hütter ist voll des Lobes ob deiner Leistungen. Es scheint derzeit ganz gut für dich zu laufen bei den Roten Bullen?

Ja, mir taugt es gerade auch ziemlich, und ich bin natürlich froh, wenn ich meine Einwechselungen, wie zuletzt gegen Rapid, mit einer Vorlage rechtfertigen kann. Wir haben in Salzburg eine tolle Truppe beisammen, und es macht wahnsinnig viel Spaß, mit so guten Fußballern in einer Mannschaft spielen zu können.

Du kommst aus Stralsund an der Ostsee. Das verbindet man eher mit Wassersport oder Beachvolleyball. Wie bist du zum Fußball gekommen?

Das geht klar auf die Kappe meines Vaters. Der war immer schon äußerst fußballbegeistert und hat auch selbst sehr viel gespielt. Anscheinend hatte ich schon als kleiner Bub ein wenig Talent, denn irgendwann hat er mich dann zu einem Training des FC Pommern Stralsund gebracht, und es hat mir gefallen. Dann hab ich mich im Verein angemeldet, und los ging’s mit der Fußballkarriere.

Du hast dann auch die Heinrich-Schütz-Realschule in Rostock besucht, die ja als die Eliteschule des Fußballs gilt …

Ja, davor war ich aber schon in der Christophorus Schule Rostock, da gibt es auch einen speziellen Sportzweig. Dann bin ich an die Heinrich-Schütz Schule gewechselt. Da habe ich schon in der Jugend von Hansa Rostock gespielt, und der Verein hatte eine Kooperation mit dieser Schule. Das ist natürlich perfekt, denn so konnten wir am Morgen trainieren, gingen dann in die Schule, und am Nachmittag gab’s die zweite Trainingseinheit. Es wird dort großer Wert auf die Ausbildung der Jugendlichen gelegt. Egal ob das nun die schulische oder sportliche Ausbildung betrifft. Der DFB hat der Schule deshalb auch das Zertifikat „Eliteschule des Fußballs“ verliehen.

In dieser Zeit ging es bei dir sportlich steil bergauf, sowohl bei Hansa als auch im DFB-Team. In der U16 hast du in deinen ersten fünf Spielen immerhin vier Tore erzielt.

Es lief da sehr gut bei mir. Ich hatte aber auch einen super Trainer. Der Vater von Toni Kroos, Roland Kroos, hat sehr viel mit mir gearbeitet und mich auch privat immer auf dem richtigen Weg gehalten. Ich bin mit 13 Jahren auf das Internat in Rostock gekommen, und da war es für mich sehr wichtig, ihn als Bezugsperson zu haben. Ich habe ihm sehr viel zu verdanken.

So jung von zu Hause wegzugehen war sicherlich auch nicht einfach …

Natürlich war es anfangs teilweise hart, aber ich bin nachträglich sehr froh, diesen Schritt gemacht zu haben, weil ich dadurch einfach sehr früh selbständig geworden bin. Denn ich musste Aufgaben meistern, die bei Jugendlichen in dem Alter eigentlich die Eltern übernehmen. Ich war für mich selbst verantwortlich, musste die Schule und den Fußball unter einen Hut bringen, und das waren Erfahrungen, die mich schnell reifen ließen und mich sicherlich auch für mein jetziges Leben geprägt haben.

Wie ist es eigentlich zum Wechsel nach Salzburg gekommen?

Ich habe damals in Rostock mit Hansa in der 3. Liga gespielt, und ich kickte auch in der U19, mit der wir uns für die Deutsche Meisterschaft der A-Junioren qualifizieren konnten. Da habe ich im Halbfinale gegen Bayern München und im Finale gegen Wolfsburg je ein Tor erzielt, wodurch mehrere Vereine auf mich aufmerksam geworden sind. Ich war dann mit dem HSV und Dortmund in Kontakt, bekam aber auch ein Angebot der Roten Bullen. Als ich mir dann die Begebenheiten in Salzburg angesehen hatte, habe ich mich entschlossen, ein Roter Bulle zu werden.

Da hat doch vielleicht auch die Option RB Leipzig eine Rolle gespielt.

Anfangs war überhaupt nur von Leipzig die Rede, weil sie ja gerade in die 3. Liga aufgestiegen waren. Aber Salzburg und vor allem Liefering waren dann ein sehr wichtiger Schritt in meiner Karriere. Ich konnte mich dort an Österreichs Fußball herantasten und viele Tore erzielen, die mich für die erste Mannschaft empfahlen.

Und da ist die Konkurrenz mit Jonny Soriano und Alan nicht gerade klein. Wie willst du dich an den beiden vorbeispielen?

An das denke ich gar nicht. Ich bin froh, dass ich jeden Tag mit diesen großartigen Stürmern trainieren kann, und ich versuche von ihren Fähigkeiten und ihrer Erfahrung zu profitieren. Ich kann noch sehr viel lernen von den beiden!

Du lebst am Platz von deiner Schnelligkeit, deiner Robustheit und deinem starken Abschluss. Bist du als Stoßstürmer neben den Technikern Soriano und Alan der perfekte Plan B im Salzburger Angriffsspiel?

Ich meine, dass ich eine ganz gute Alternative zu den beiden bin. Wenn es in unserem gewohnten Matchplan mal nicht so läuft, kann ich dem Trainer sicher andere Möglichkeiten bieten.

Ein Stürmer wird natürlich an seinen Treffern gemessen. Verspürst du Druck?

Ich habe schon sehr früh gelernt, mit den teils enorm hohen Erwartungen der Fans und Medien umzugehen. Ich habe mit Hansa Rostock in der 3. Liga gegen den Abstieg gespielt, und damals haben die Fans nach Niederlagen manchmal das Spielfeld gestürmt oder auch die Autos der Spieler aufgehalten, um sie zur Rede zu stellen. Ich versuche für mich persönlich gar keinen Druck aufkommen zu lassen, weil ich sowieso jeden Tag hundert Prozent im Training gebe und mich auch am Wochenende in jedem Match voll reinhaue.

Wie entspannt sich Nils Quaschner?

Da ich zur Zeit Single bin, hänge ich viel mit Marcel Sabitzer, Valentino Lazaro und den anderen „Jungen“ im Team ab. Wir haben ohnehin nicht allzu viel Freizeit – wenn, dann lassen wir es aber richtig ruhig angehen, spielen PlayStation oder sitzen auf der Couch rum und unterhalten uns. Früher, in Stralsund, habe ich viel Beachvolleyball gespielt, aber dafür habe ich derzeit keinen Kopf, und es wird wegen der Verletzungsgefahr auch nicht wirklich gern gesehen.