Torschützen: Kitagawa (56.) bzw. Szoboszlai (50.), Minamino (121.)

Am grün-weißen Beton stießen sich unsere Roten Bullen lange die Hörner ab. In Überzahl sah es zunächst nach einem Geduldsspiel aus, das aber bald zu einer Nervenschlacht werden sollte, aus der uns Taki Minamino am Ende der Verlängerung erlösen konnte.

Spielbericht

Spiel Nummer drei in unserem Marathon führte uns in die Bundeshauptstadt. Unser Trainer Jesse Marsch rotierte die am Wochenende geschonten Spieler wieder zurück in die Startelf. Rapid ging sehr schüchtern in die Partie und mauerte von Beginn an mit einer Fünfer-Abwehrkette. Dennoch gehörte der erste Abschluss den Hausherren. Taxiarchis Fountas konnte mit seinem Schuss aber keine Gefahr verursachen. Velimirovic im Gegensatz dazu schon, der 18-jährige Rapid-Youngster nickte nach einer Schwab-Ecke das Leder Richtung Tor, doch Cican Stankovic war zur Stelle.

Unsere Burschen probierten das schnelle Spiel in die Vertikale, scheiterten aber zunächst an der mangelnden Präzision und gegnerischen Engmaschigkeit. Die bekam auch Antoine Bernede im Zweikampf mit Stefan Schwab zu spüren. Nach dem Zusammenprall ging es für unseren Franzosen nicht mehr weiter. Er zog sich einen Schienbeinbruch zu. Für ihn kam nach 18 Minuten Enock Mwepu auf das Feld.

Unsere Hektik der Startphase war nach 20 Minuten verflogen. Die Ballstafetten wurden länger, die Abschlüsse präziser. Dominik Szoboszlai prüfte Richard Strebinger nach 22 Minuten mit einem Strahl aus 25 Metern. Auch drei Minuten später war der Rapid-Schlussmann zur Stelle, als er das Spielgerät nur knapp vor dem heranstürmenden Patson Daka ins Seitenout entfernen konnte.

Die Chancen nahmen zu. Nach einer Eckenvariante setzte Daka den Ball per Kopf über die Querlatte. Unser Sambier entwickelte sich zum Ende der ersten Halbzeit zum Alleinunterhalter. In der 36. Minute zwang er Strebinger gleich zwei Mal zu Glanztaten.

Für ein K.-o.-Spiel typisch ging nach 45 Minuten eine an Chancen magere, zugleich aber kampfbetonte Halbzeit zu Ende.

Weit weniger taktisch gingen beide Teams in der zweiten Halbzeit zu Werke. Fountas verbuchte gleich nach zwei Minuten die beste Chance der Grün-Weißen bis zu diesem Zeitpunkt. Dominik Szoboszlai schweißte den Hütteldorfern allerdings wenig später aus gut 25 Metern einen Freistoß in CR7-Manier in die Maschen 1:0. Da passte kein Löschblatt zwischen Ball und Pfosten, Strebinger war chancenlos (50.).

Wir blieben am Drücker, aber aus einer inkonsequenten Pressingsituation fanden die Rapidler Räume, die Fountas besprintete, Onguene enteilte und Kitagawa per Stangler perfekt in Szene setzte. Der Japaner schob zum 1:1 ein, und die Partie war wieder offen (56.). Im wahrsten Sinne des Wortes waren Chancen nun auf beiden Seiten im Minutentakt zu sehen. Nach einem Traumpass zog Takumi Minamino in den Strafraum, wo er gelegt wurde. Der schlecht postierte Schiedsrichter Eisner zögerte zunächst, gab den Elfmeter in einer zweifelhaften Entscheidung aber nicht.

Anschließend traf Velimirovic mit einem Pfund aus 20 Metern nur die Stange. Sekunden später streckte sein Kapitän Stefan Schwab völlig übertrieben Zlatko Junuzovic im Mittelfeld nieder, wofür er folgerichtig Gelb-Rot sah. Die Grün-Weißen mussten die letzten 25 Minuten mit zehn Mann bestreiten.

Das Spiel lief nun ausschließlich auf ein Tor, nämlich auf jenes der Wiener. Unsere Buschen stürmten unermüdlich in die Tiefe, während unsere Maestros Szoboszlai und Junuzovic am passenden Zuspiel in die Spitze tüftelten. Zu oft war jedoch ein Bein der Rapidler dazwischen. Wie auch bei Dalibor Vilimirovics Brachialfoul an Andreas Ulmer, für das er völlig zu Recht mit Gelb-Rot vom Platz flog. Trotz der Neun-zu-elf-Unterzahl verteidigte sich Rapid glücklich bis zum Ende der regulären Spielzeit.

Das Spiel der Verlängerung hatte nun ein ganz anderes Gesicht. Rapid mauerte im eigenen Strafraum. Wir versuchten es mit Flanken oder langem Hafer. Unsere Abschlüsse wurden zwar häufiger, jedoch nicht zwingender. Unsere Burschen gaben ihr Bestes, aber das war eine andere Sportart, nicht Fußball, sondern ein Geschicklichkeitsparcours. Zu unpräzise, geblockt, Abseits es gab unzählige Gründe, warum das Runde einfach nicht ins Eckige wollte. Die Zuschauer waren nach 120 Minuten schon auf ein Elfmeterschießen eingestellt, hatten die Rechnung aber nicht mit Taki Minamino gemacht: In der Verlängerung der Verlängerung tauchte er auf einmal im Strafraum auf und drückte den kullernden Stanglpass von Kristensen zum 2:1 über die Linie (121.).

Was für ein Spiel! Eine Nervenschlacht mit dem besseren Ende für uns! In doppelter Überzahl hätten wir uns den Arbeitstag einfacher gestalten können. Am Ende zählt aber nur der Aufstieg!

Statements

Jesse Marsch

Es war ein wichtiger Sieg für uns. Das waren viele Emotionen, viel Aufwand, aber ganz sicher verdient.

Zlatko Junuzovic

Wir hatten sehr viel Ballbesitz, aber wir sind nicht wirklich in die gefährlichen Zonen gekommen. Die Läufe in die Tiefe haben gefehlt, wir waren nicht entschlossen genug. Aber wir haben über unsere Mentalität das Spiel gewonnen, und das war einfach geil!

Wechsel

Mwepu für Bernede (18.), Okugawa für Koita (60.), Prevljak für Daka (83.), Ashimeru für Ulmer (90.)

Gelbe Karte

Minamino (82./Unsportlichkeit)

Nicht einsatzbereit

Walke (Fußwurzel), Hwang (Netzhautprellung), Haaland (erkrankt)