„Es gibt zwei Tonis“

Antoine Bernede über seinen Weg zurück und seinen Charakterwandel

Kämpfer und Wise Man: Toni Bernede ist zurück und zeigt sich reifer und reflektierter denn je.

Nach zwei hartnäckigen Schienbeinfrakturen warst du fast durchgehend für eineinhalb Jahre außer Gefecht. Wie geht es dir nach deinem Comeback?

„Es war eine sehr schwierige Zeit. Die Gedanken daran stimmen mich umso glücklicher, jetzt wieder zurück zu sein. Ich kann wieder voll trainieren und spielen, das freut mich sehr.“

Es war ein harter Weg zurück. Kannst du uns den Prozess deiner Rückkehr beschreiben?

„Es war zwar zwei Mal die gleiche Verletzung, die Genesungswege waren aber unterschiedlich. Es hat sich im Aufbautraining herausgestellt, dass es beim zweiten Mal nicht so schlimm war. Zwar war es kein Glück, verletzt zu sein, aber immerhin hatte ich Erfahrungswerte aus meinem ersten Comeback, was mir sicher hinsichtlich einer schnelleren Genesung geholfen hat.“

Wie schwierig ist es, als Mannschaftssportler so lange alleine zu trainieren?

„Natürlich nagt das an der Psyche. Ich war fast ein Jahr durchgehend mit meinem Körper beschäftigt. Du siehst zu, wie die Mannschaft wichtige Spiele bestreitet, und kannst nicht mithelfen.

Woraus hast du vor allem in den harten Momenten Motivation für deine Rückkehr geschöpft?

Meine Motivation war immer der Fußball. Ich liebe diesen Sport so sehr und immer, wenn ich ihn nicht betreiben kann, ist der Wille, wieder zu spielen, nicht zu bändigen. Wenn ich gute Spiele im Fernsehen sehe oder mitbekomme, dass ein Freund gut gespielt hat, facht das mein Feuer noch mehr an. Es war für mich also nicht schwer, mich zu motivieren.“

Wie hast du nach zwei Verletzungen wieder das Vertrauen in dein Schienbein gefunden, damit du wieder mit 100 Prozent in die Zweikämpfe gehen kannst?

Zunächst war das gar nicht einfach. Dann kam die Winterpause dazwischen und mit jedem neuen Tag vergisst man seine Zweifel etwas mehr. Jetzt ist es kein Thema mehr. Natürlich habe ich auch alle möglichen Tests durchlaufen, die bestätigt haben, dass die Knochen wieder stark sind. Das hat mir die finale Bestätigung gegeben.“

So war deine Rückkehr in den Spielbetrieb nur eine Frage der Zeit. Wie bist du mit deinen ersten Leistungen nach der Rückkehr zufrieden?

„Eigentlich wie immer, manchmal hadert man ein wenig, manchmal ist man zufrieden. Es passt gut für jetzt, und wenn ich gesund bleibe, kann ich mich auch weiterhin steigern.

Hast du dich auch persönlich verändert? Gibt es einen Toni davor und einen danach?

Ja, ich denke, es gibt zwei Tonis. Der erste war vielleicht ein bisschen naiv, klar, er musste ja auch keine dieser Geschichten miterleben. Der zweite ist etwas intelligenter in seiner Vorbereitung und in seinem Wohlbefinden. Ich habe über viele Themen eine Menge gelernt. Auch darüber, dass meine Karriere nicht ewig andauern wird und ich das Beste aus ihr machen muss, während man sich auch damit beschäftigt, sich neben dem Platz etwas aufzubauen. Ich lese derzeit viel über Wirtschaft und große Persönlichkeiten wie Tom Brady.

Was viele nicht wissen: Du hast Bilder von Kobe Bryant und Muhammad Ali auf deinen Schienbeinschonern? Auch weil sie deine Vorbilder sind?

„Die Cobra Mentality von Kobe hat mir während des Comebacks sehr geholfen. Ich habe Filme geschaut, Bücher gelesen und die alten Fights von Ali angesehen. Sie haben mir gezeigt, was Mentalität bedeutet. Es geht aber nicht nur darum, was sie als Athleten erreicht haben, sondern auch um ihre Kontribution außerhalb des Felds oder Rings, die die beiden zu meinen Vorbildern macht. Sie haben andere inspiriert, das möchte ich auch tun.

Was bedeutet das konkret für deine nächsten Monate und Jahre?

Ich möchte weiterhin viel über das Leben lernen und dies auch Jüngeren weitergeben. Dafür bin ich hier in Salzburg am richtigen Ort. Irgendwann möchte ich eine Akademie für junge Sportler starten, nicht nur für Fußballer, wo jeder hinkommen kann und sich Rat und Motivation holen kann.“

Danke für das Interview und viel Erfolg!