Unser Fußball würde gut ins Nationalteam passen

Sladdis Kolumne in den Salzburger Nachrichten

Wieso Angriff immer noch die beste Verteidigung ist. Was das ÖFB-Team jetzt braucht, das uns bei der EURO 2016 gefehlt hat. Und warum Österreich die Gruppenphase diesmal überstehen wird.

Endlich rollt der Ball bei der Europameisterschaft. Meine persönliche Vorfreude auf Fußball während meiner eigenen Sommerpause beim FC Red Bull Salzburg war riesig, und ich bin überzeugt davon, dass wir Österreicher auch Grund zur Freude haben werden. Obwohl die Generalproben (0:1 gegen England, 0:0 gegen die Slowakei) nicht perfekt waren, wird das ÖFB-Team erstmals in der Geschichte die Gruppenphase überstehen. Die Qualität dafür hat die Mannschaft auf jeden Fall.

Jetzt geht es freilich darum, gegen Nordmazedonien gut in das Turnier zu starten. So baut man Selbstvertrauen auf, denn zuletzt hat man von den Teamspielern nicht oft gehört: „Wir können das!“ Da haben die negativen Kommentare überwogen. Aber die werden schwinden, sobald Österreich den ersten Sieg bei dieser EURO eingefahren hat.

Bei der Europameisterschaft 2016, als ich selbst ein Teil der Mannschaft sein durfte, war es genau umgekehrt: Wir wurden nach der erfolgreichen Qualifikation hochgejubelt. Da war auch innerhalb des Teams so viel Euphorie vorhanden – und dann war sie plötzlich weg, als in der Gruppenphase scheinbar alles gegen uns lief. Das ist mir heute noch ein Rätsel, wie das passieren konnte. Wir waren als Team eine Einheit, aber während der Europameisterschaft in Frankreich hat das plötzlich gebröckelt. Wir waren müde im Kopf, haben die Leichtigkeit verloren und damit auch die Selbstverständlichkeit, mit der wir damals gesagt haben: „Wir können das!“ Am Ende war die Enttäuschung bei allen Beteiligungen genauso groß wie die anfängliche Euphorie.

Apropos Euphorie: Ein wenig mehr von der positiven Grundstimmung im Land würde ich mir jetzt schon wünschen. Vielleicht hat sich der Fußball mit den Geisterspielen in der Coronapandemie ein wenig von seinen Fans entfernt. Vielleicht gelingt das auch deshalb nicht, weil diese EM-Endrunde in elf verschiedenen Ländern stattfindet und noch der Überblick über alle Spielorte fehlt. Ich persönlich finde die Idee von dieser paneuropäischen Europameisterschaft cool, auch wenn es für die Logistik und die Spieler aufgrund der Reisestrapazen ein enormer Aufwand ist.

Nun, was sind meine Erwartungen an unser Nationalteam? Wie jeder Fußballfan wünsche ich mir ÖFB-Erfolge, aber auch attraktiven Fußball. Ich bin kein Fan der Fünferkette, mit der Teamchef Franco Foda gern defensive Stabilität in die Mannschaft bringt. Und ich hoffe auch nicht, dass wir die Gruppenphase taktisch zu passiv angehen. Ich erlebe das als Spieler des FC Red Bull Salzburg derzeit selbst, dass Angriff die beste Verteidigung ist. Unser System würde grundsätzlich auch sehr, sehr gut ins Nationalteam passen. Erstens hat der ÖFB genau die richtigen Spielertypen dazu im Kader, viele kommen ja sogar aus der Red Bull-Fußballschule. Zweitens macht es Fußballern wie Fans wohl wesentlich mehr Spaß, hoch anzupressen, den Gegner früh zu stören, Bälle zu erobern und so Möglichkeiten im Umschaltspiel zu erhalten. Weil der Weg zum gegnerischen Tor dann nicht mehr so weit ist wie bei einem Ballgewinn in der eigenen Hälfte, ist man natürlich auch näher dran am Torerfolg. Und Tore sind ja genau das, was den Österreichern zuletzt gefehlt hat.

Zugutehalten muss man Franco Foda, dass er durch die oft defensive Grundausrichtung auch nicht viele Spiele in seiner Ära verloren hat, vor allem bei wichtigen Entscheidungsspielen. Allein das ist doch ein gutes Omen für den Turnierstart.

 

Diese Kolumne wurde von Zlatko Junuzovic verfasst. Während der Europameisterschaft fungiert er bei der SN als Gastkolumnist. Weitere Infos dazu unter sn.at.