FC Red Bull Salzburg-Sportdirektor blickt zufrieden auf die Saison 2013/14 zurück

Gratulation zum Double in Salzburg und zum sportlichen Aufstieg in Leipzig. Kann man davon ausgehen, dass Sie mit der abgelaufenen Saison zufrieden sind?

Davon kann man ganz sicher ausgehen, denn mit der letzten Saison sind wir alle natürlich sehr zufrieden. Wir haben an beiden Standorten hervorragend gearbeitet und uns am Ende mit den entsprechenden Erfolgen belohnt. In Salzburg konnten wir die starke Spielzeit mit dem Doublegewinn krönen und haben dabei fußballerisch äußerst überzeugend und konstant agiert. Und mit Leipzig haben wir als erste Mannschaft den Durchmarsch durch die sehr ausgeglichene 3. Liga geschafft und sind nun schon in der 2. Bundesliga angekommen. Ein sehr wichtiger Baustein in unserem nachhaltigen Konzept ist aber auch der Aufstieg unserer Leipziger U19 in die A-Jugend-Bundesliga. Und die U17 ist als aktueller Tabellenzweiter auf einem sehr guten Weg, sich für die Deutsche B-Jugendmeisterschaft zu qualifizieren.

In Salzburg feierten 18.000 den Meistertitel, in Leipzig über 40.000 den Aufstieg. Der Fußball von Red Bull scheint nun richtig en vogue zu sein…

Die Zuschauerentwicklung ist wirklich positiv und gerade in Leipzig schon für mich fast sensationell. Die Fans identifizieren sich mit unseren jungen, erfolgshungrigen Mannschaften sowie unserem offensiven und attraktiven Spielstil. Diese breite Akzeptanz haben wir uns in den letzten beiden Jahren erarbeitet, und es zeigt sich ganz eindeutig, dass wir insgesamt auf einem sehr guten Weg sind. Diesen wollen wir natürlich auch in der kommenden Saison erfolgreich fortsetzen.

Red Bull Salzburg scheiterte in der Vorsaison noch in der CL-Qualifikation und landete in der Liga auf Rang zwei. Heuer sorgte man in der Europa League für Furore und dominierte die Meisterschaft. Was hat sich im letzten Jahr in Salzburg verändert?

Die Vorsaison war trotz der Tatsache, dass wir keinen Titel gewinnen konnten, nicht komplett schlecht. Austria Wien hat einfach eine noch konstantere Spielzeit absolviert, und das muss man dann auch anerkennen. Wir sind im letzten Jahr noch enger zusammengerückt und haben weiter intensiv an unserer Art Fußball zu spielen gearbeitet sowie unser Pressing auf dem ganzen Platz verbessert. Die Automatismen haben zudem immer besser ineinandergegriffen und aufgrund der vielen erfolgreichen Spiele hat sich natürlich auch das Selbstvertrauen der gesamten Mannschaft weiter gesteigert. Die Überzeugung in unsere eigene Stärke und unseren Spielstil haben am Ende zu einer äußerst erfolgreichen Saison geführt.

Wie sehr ärgert Sie noch das Aus gegen den FC Basel? Wie lange beschäftigen Sie sich mit solchen Niederlagen?

Im ersten Moment war die Enttäuschung schon extrem groß, da wir in beiden Spielen die bessere Mannschaft waren. Wir hatten das Weiterkommen verdient, aus diesem Grund war das Ausscheiden auch sehr schmerzhaft. Das hängt einem dann schon noch etwas nach, aber letztendlich ist es wichtig, das schnell abzuhaken und sich wieder auf die nächste Aufgabe zu konzentrieren.

Was lernt man aus einer solchen Niederlage? Was kann man international noch verbessern?

Dass auf internationalem Niveau Kleinigkeiten über Sieg oder Niederlage entscheiden. Diese Erfahrungswerte sind für unsere junge Mannschaft sehr wichtig, um daraus zu lernen und die nächsten Entwicklungsschritte zu machen. In dieser Saison haben wir aber gerade in der Europa League eindrucksvoll gezeigt, dass wir uns nicht verstecken müssen und eine gute Rolle spielen können. Darauf wollen wir in der kommenden Spielzeit aufbauen.

Welches Spiel in der abgelaufenen Saison machte Sie besonders stolz, bzw. in welcher Partie wurden Ihre Anforderungen perfekt umgesetzt?

Wenn ich an das Spiel gegen den FC Bayern, die beiden Partien gegen Standard Lüttich oder aber die erste Halbzeit gegen den FC Basel zurückdenke, dann kam das unseren Vorstellungen schon sehr nah. Da haben wir wirklich begeisternden Fußball gezeigt.

Wo sehen Sie grundsätzlich noch Verbesserungspotenzial?

Das grundsätzliche Bestreben muss immer sein, sich verbessern zu wollen. Wir haben zwar bereits ein gutes Niveau erreicht, aber natürlich werden wir uns weiter darauf konzentrieren, in allen Bereichen noch ein Stück besser zu werden. Ganz egal, ob dass das Spiel gegen den Ball, das Umschaltverhalten oder die Standards betrifft.

Wird es neben Trainer Adi Hütter Neuverpflichtungen geben und welche Anforderungen müssen mögliche Kandidaten erfüllen?

Wir wollen unsere erfolgreiche Mannschaft punktuell verstärken und verfolgen dabei natürlich ein ganz klares Anforderungsprofil. Jugend ist für mich ein Qualitätsmerkmal, daher suchen wir vor allem Spieler im Bereich von 17 bis 23 Jahren. Red Bull Salzburg sollte der nächste logische Schritt in ihrer Karriere sein. 

Welche Ziele geben Sie für die nächste Saison vor?

Wir wollen unsere erfolgreiche Entwicklung und unseren attraktiven Offensiv-Fußball fortsetzen. Als Doublegewinner ist es zudem unser Ziel, diese beiden Titel zu verteidigen. Das wird alles andere als einfach, doch dafür werden wir mit Beginn der Sommervorbereitung wieder intensiv arbeiten. Und nicht zuletzt wollen wir in dieser Saison auch international den nächsten Schritt schaffen und uns erstmals in der RB-Historie für die Gruppenphase der Champions League qualifizieren.

Im Juli wird die neue Akademie in Liefering eröffnet. Wie ist der Status quo im Salzburger Nachwuchs und was erwarten Sie sich von der neuen Akademie?

Wir sind auch im Nachwuchsbereich sehr gut aufgestellt, und die neue Akademie ist ein weiterer wichtiger Baustein in unserem ganzheitlichen Konzept. Dadurch erwarte ich noch einmal eine Qualitätssteigerung und bin auch überzeugt davon, dass wir zukünftig Talente ausbilden und entwickeln, um sie dann an unsere eigenen Profimannschaften heranzuführen.

Liefering hat als Aufsteiger einen hervorragenden dritten Platz in der „Heute für Morgen“ Ersten Liga erreicht, dazu hat unsere U18 bereits zwei Spieltage vor Schluss die Meisterschaft perfekt gemacht. Auch hier ist die Entwicklung durchweg positiv.

Sie waren Spieler, Trainer und sind nun Sportdirektor. Welche Rolle steht Ihnen am besten, verspüren Sie ab und zu noch die Lust gegen den Ball zu treten oder auf der Trainerbank Platz zu nehmen?

Ich fühle mich in meiner jetzigen Rolle als Sportdirektor sehr wohl, zumal die Dinge an beiden Standorten gerade auch wirklich richtig gut laufen und wir die Früchte unserer Arbeit ernten. Trotzdem bin ich natürlich noch durch und durch Trainer und kann mir vorstellen, irgendwann auch mal wieder eine Mannschaft zu übernehmen. Momentan beschäftige ich mich aber einzig und allein mit meinen beiden Vereinen in Salzburg und Leipzig. 

Sie haben das Abitur gemacht und ein Lehramtsstudium für Sport und Englisch absolviert. Wie wichtig waren diese Ausbildungen für Ihre Persönlichkeitsfindung bzw. täte es der heutigen Spielergeneration gut, auf dem Weg zum Profidasein mehr vom Alltagsleben mitzubekommen?

Wir legen sehr viel Wert darauf, dass die Jungs die Schule abschließen. Und natürlich unterstützen wir es, wenn die Spieler noch eine Ausbildung machen möchten oder studieren wollen. Es geht schließlich um ihre eigene Zukunft, die nicht immer zwingend im Profibereich endet. Gerade deshalb schadet es nicht, wenn man sich ein zweites Standbein aufbaut und dementsprechend etwas vorweisen kann. An unseren beiden Standorten ist dieser Aspekt in der Nachwuchsarbeit neben der sportlichen Ausbildung ein ganz entscheidender Faktor.  

Beim Titelgewinn in Salzburg und auch bei den Aufstiegsfeierlichkeiten in Leipzig wirkten Sie sehr gefasst. Gab es den Moment, wo Sie mal die Faust geballt haben und so richtig stolz auf das Erreichte waren?

Selbstverständlich bin ich stolz auf das, was wir bislang in Salzburg und Leipzig erreicht haben. Ich mag nach außen hin vielleicht gefasst gewirkt haben, doch innerlich war die Freude natürlich riesig. Beide Mannschaften und die jeweiligen Trainerteams haben die Saison über sehr hart gearbeitet und sich diese Erfolge einfach verdient. Und ich kann versichern, dass wir in Leipzig die ganze Nacht richtig Party gemacht und gefeiert haben. 

Als Sportdirektor sind Sie eines der Gesichter von Red Bull Fußball. Nervt es Sie eigentlich manchmal, überall erkannt zu werden?

Nein, damit kann ich leben. Der Fußball ist medial nun einmal sehr präsent, daher ist es auch ein logischer Nebeneffekt, wenn man gelegentlich auf der Straße erkannt wird. Für mich ist das kein Problem und gehört mittlerweile einfach dazu. 

Belohnen Sie sich selbst nach so einer erfolgreichen Saison?

(lacht) Das mache ich nicht, nein. Ich bin froh und glücklich, dass die Situation so ist, wie sie ist und wir in dieser Saison mit unseren Mannschaften großartige Erfolge erzielen konnten. Ich bin aber auch realistisch genug, um zu wissen, dass sich das wieder schnell ändern kann. Deswegen genießt man natürlich kurz den Augenblick, fokussiert sich dann aber wieder recht schnell auf das Wesentliche und die anstehenden Aufgaben und Herausforderungen. 

Wie wird Ihre Sommerpause aussehen? Findet sich da Zeit für einen Urlaub oder werden Sie sich Spiele bei der WM in Brasilien ansehen?

Momentan bin ich natürlich noch intensiv mit der Kaderplanung an beiden Standorten beschäftigt, von daher werde ich auch erst im September in den Urlaub gehen, wenn das Transferfenster geschlossen ist. Das ein oder andere Spiel bei der WM in Brasilien werde ich mir aber ganz bestimmt ansehen.