Salzburger Toptalent Konrad Laimer im Gespräch

Vor dem Bundesliga-Match gegen Cashpoint Altach wurde Trainer Adi Hütter in der Pressekonferenz gefragt, was er zur Leistung des bisher jüngsten Europa League-Debütanten des FC Red Bull Salzburg, Konrad Laimer, zu sagen habe. Die Antwort des Trainers kam mit einem Lächeln über seine Lippen:

„Konrad Laimer ist ein Typ, dem man bedenkenlos eine so große Herausforderung zutrauen kann. Er hat seine Sache gegen Zagreb sehr gut gemacht, war enorm präsent am Spielfeld und unbeeindruckt vom Gegner. Konny ist mit vollem Einsatz und offenem Visier in die Zweikämpfe gegangen und hat in 15 Minuten zehn Sprints gemacht. Wenn man als Trainer sieht, wie abgebrüht, emotional gefestigt und resolut er bereits mit seinen 17 Jahren ist, dann ist das schon sehr imposant. Er ist eines der hoffnungsvollsten Toptalente, die wir in Salzburg haben.“

FC Liefering-Trainer Peter Zeidler, der einen großen Anteil an der Weiterentwicklung des Salzburger Youngsters hat, machte den Sprung in die Kampfmannschaft überhaupt erst möglich. Der erfahrene Trainer weiß, dass zu viel Lob für einen Spieler in so jungen Jahren manchmal kontraproduktiv sein kann, doch auch er kann seinen Stolz nicht leugnen:

„Bei Konrad Laimer zeigt sich, dass die Arbeit von den Nachwuchsmannschaften über die Akademie und den FC Liefering nach oben in die Kampfmannschaft gut und richtig ist. Er steht sinnbildlich für unseren Weg und die Art und Weise, wie wir Fußball spielen möchten. Als Spieler ist er enorm aufmerksam, aufnahmefähig und umsetzungsstark. Er gibt immer Vollgas, will sich stetig verbessern und zeigt außergewöhnlich gute Leistungen in der Balleroberung. Aber – und das ist durchaus positiv gemeint – er hat noch Verbesserungspotenzial und viel Luft nach oben. Ich hoffe, dass er noch lange in Salzburg bleibt.“

Der junge Salzburger hat die Ereignisse der letzten Wochen noch nicht ganz realisiert, wirkt aber sehr gelassen und am Boden geblieben. Im persönlichen Gespräch erzählt er von den bewegenden Eindrücken der letzten Wochen, seine Rolle in der Kampfmannschaft und das bedingungslose Vertrauen in seine beiden Trainer.

Die Fußballwelt ist sehr schnelllebig! Erzähl mal, wie du die letzten Wochen erlebt hast? Hattest du überhaupt Zeit, das alles in Ruhe gedanklich zu verarbeiten?
Nein, noch nicht ganz! Ich hatte erst vor Kurzem mein Bundesliga-Debüt gegen Rapid im Happel-Stadion. Kurz darauf absolvierten wir zwei Pflichtspiele im Cup auswärts gegen Wacker Innsbruck und dann zu Hause gegen die Admira. Drei Tage später flogen wir schon nach Zagreb.
Gegen Dinamo Zagrab im Maksimir Stadion zu spielen, hätte ich mir vor ein paar Jahren nicht mal träumen lassen. Das ist und bleibt für mich ein unvergessliches Erlebnis. Viel Zeit hatten wir aber nicht, um uns über diesen Sieg zu freuen, denn am Sonntag darauf mussten wir gegen Altach eine sehr unangenehme Niederlage einstecken. Ich freue mich natürlich über mein Debüt in der Startaufstellung, aber ich hätte diesen Tag auch gerne mit einem Sieg gekrönt.

Erübrigt sich die Frage nach deinem bisher größten sportlichen Erfolg?
(Lacht) Jaaaaa! In der Europa League gegen Dinamo Zagreb auswärts 5:1 zu gewinnen, das werde ich wohl definitiv lange nicht toppen können. Oder vielleicht doch? Wer weiß, was das restliche Jahr noch so bringt.

Deine beiden Trainer überschlagen sich förmlich mit Lobeshymnen über deine Charakterstärke und dein Talent. Wie würdest du selbst deine Rolle im Team beschreiben?
Ich freue mich sehr, dass beide Trainer meine Leistungen schätzen und ich vertraue darauf, dass sie genau wissen, was für mich das Beste ist. In Liefering habe ich mehr Verantwortung und übernehme da schon in gewisser Weise Führungsaufgaben. In der Kampfmannschaft gehöre ich zu den „Jungen“ und muss als Kleinster auch überall mit anpacken – aber das ist auch gut und richtig so. Ich bin sehr stolz darauf, mit den Profis unter Jonatan Soriano trainieren und spielen zu dürfen.

Fast übersieht man, dass man es bei dir mit einem 17-Jährigen zu tun hat. Hast du manchmal das Gefühl, dass das alles zu schnell kommt?
Nein, ich kann damit bisher gut umgehen. Ich habe zwar nicht so viel Lebenserfahrung, bin aber schon sehr selbstkritisch. Wie gesagt: Ich vertraue darauf, dass meine Trainer genau wissen, was sie mir zutrauen können, und nehme jede Herausforderung gerne an.

Im Fußball werden viele Karrieren nicht nur vom Spieler selbst gesteuert, sondern meist auch von Familie und Beratern beeinflusst – bei manchen mehr, bei manchen weniger. Wer sind deine wichtigsten Vertrauenspersonen, und wie sehr traust du jetzt schon deiner eigenen Intuition?
Ich gehe meinen eigenen Weg, aber wenn ich einen Rat brauche, rede ich mit meinen Eltern. Mit meinem Vater mehr über die sportliche Karriere, mit meiner Mutter über die Zukunftsperspektiven an sich. Ich vertraue meinem Bauchgefühl und habe keine Angst vor Fehlentscheidungen. Ich nehme den Rat meiner Eltern sehr gerne an.

Die schulische Ausbildung ist dir wichtig?
Selbstverständlich! Ich mache in einem Jahr den Lehrabschluss und könnte dann in weiterer Folge die Studienberechtigungsprüfung absolvieren. Im Moment ist alles von der sportlichen Karriere abhängig.

Wir wünschen Konny alles Gute auf seinem weiteren Weg und hoffen, dass dieses Jahr – obwohl im Kalender schon weit fortgeschritten – noch den einen oder anderen Traum erfüllen wird. Auch wenn es keine Rolle spielt, weil noch viele, viele weitere gute Jahre folgen werden.