Valon Berisha im Interview

Eine Länderspielpause gibt immer wieder Zeit, um den Focus von der Kampfmannschaft auf jene Dinge zu lenken, die sich abseits des Rampenlichts und der medialen Aufmerksamkeit auf dem Spielfeld und am Trainingsplatz abspielen.

In den vergangenen Wochen häuften sich verletzungsbedingte Ausfälle im Kader und sorgten bei Trainer Adi Hütter für einiges Kopfzerbrechen. Hütter ist in ständigem Kontakt mit der medizinischen Abteilung und verlässt sich dabei zu 100 % auf die hervorragende Arbeit seiner Teamärzte und Therapeuten, die fleißig bemüht sind, dass die Liste der Langzeitverletzten immer kleiner wird.

Während Fränky Schiemer und Asger Sörensen schon ins Mannschaftstraining einsteigen konnten, ist der Weg von Isaac Vorsah und Rodnei bedauerlicherweise noch lang. Bei Valon Berisha, der in der Sommerpause beim privaten Individualtraining einen Kreuzbandriss erlitten hat, ist der Heilungsverlauf allerdings vielversprechend und eine baldige Genesung absehbar.

Berishas Rückkehr in die Bullenherde wird von Trainer und Mannschaft sehnsüchtig erwartet, denn der erst 21-jährige offensive Mittelfeldspieler hat in der vergangenen Saison 47 Pflichtspiele für die Roten Bullen absolviert. Nicht ohne Grund, denn Berisha gilt als robustes „Energiebündel“, könnte der Mannschaft wieder frischen Wind unter die Flügel wehen und neuerlichen Auftrieb geben. Im Interview spricht Valon Berisha über die Höhen und Tiefen in der täglichen Therapiearbeit, über Lektionen, Lebenserfahrungen und seine Liebe zum Fußball:

Nicht nur deine Mannschaftskollegen und Trainer Adi Hütter sehnen sich nach deinem Comeback, sondern vor allem deine Fans! Gibt es schon ein Licht am Ende des Tunnels?

Ja, Gott sei Dank! Die Verletzung ist jetzt drei Monate her und das Ziel ist, dass ich bis zur Vorbereitung im Winter wieder voll mittrainieren kann. Derzeit schaut alles sehr gut aus. Ich habe keine Schmerzen und kann seit Mittwoch schon wieder mit einem leichten Lauftraining beginnen.

Wie sind die Rehabilitation und die anschließende Therapie für dich bisher verlaufen?

Nach der Verletzung konnte ich nicht gleich operiert werden, weil ich eine offene Wunde am Knie hatte. Drei Wochen später wurde ich dann operiert. Die Reha durfte ich in Taxham machen. Das war mir auch wichtig, weil ich unseren Ärzten und Therapeuten vertraue und auch in der Nähe der Mannschaft bleiben wollte. Vor ein paar Tagen war ich zur Nachuntersuchung in Augsburg bei Dr. Böhnisch, der mich auch operiert hat. Er konnte bestätigen, dass alles sehr gut aussieht und keine Probleme mehr zu erwarten sind. Das gibt einem natürlich zusätzliche Motivation und Sicherheit. Das Schlimmste ist jetzt überstanden. Ich trainiere zweimal am Tag mit unseren Therapeuten. Das ist sehr anstrengend, aber ich bin froh darüber, täglich trainieren zu können, denn so habe ich das Gefühl, weiterhin ein Teil der Mannschaft zu sein.


Du hast in der vergangenen Saison 47 Pflichtspiele absolviert und großen Anteil am Erreichen des Europa League-Achtelfinales und am Double-Gewinn. Unter Trainer Adi Hütter hast du ja bisher noch nicht trainiert, aber es gibt sicher auch abseits des Mannschaftstrainings Berührungspunkte?

Er ist ein toller Mann und hat auch gleich am Anfang, als ich zurückkam, ein sehr gutes Gespräch mit mir geführt. Er gab mir das Gefühl, dass er auf mich zählt. Das bestätigt zu bekommen, war und ist mir enorm wichtig. Ich freue mich schon auf das erste Mannschaftstraining mit ihm, denn ich möchte das, was mir die Mannschaft und der Trainer an Unterstützung und Vertrauen gegeben haben, wieder zurückgeben. Dafür arbeite ich tagtäglich.


Mit der Sicht von außen hat man meist ein breiteres Blickfeld auf die Dinge. Wie hast du die bisherige Saison verfolgt bzw. was sagst du zur bisherigen Mannschaftsleistung?

Ich lebe natürlich intensiv mit! Ganz klar! Ich war auch sehr enttäuscht, dass wir die Champions League-Gruppenphase nicht erreicht haben, aber wir spielen in der Europa League und haben das Zeug, wirklich für Furore zu sorgen. Es ist völlig normal, dass die Mannschaft auch Niederlagen einstecken muss, aber von uns wird immer nur das Eine erwartet: SIEGE! Aber das ist das Spiel! So ist das Leben! Ohne diesen ständigen Kampf, sich aus Niederlagen wieder nach oben zu kämpfen, wäre es kein Fußball, und ohne diese Höhen und Tiefen würden wir diesen Sport nicht so sehr lieben.


Das zeichnet die Jungs auch aus, … diese Liebe und Leidenschaft für das Spiel, oder?

Ja, genau! Und zwar mit allen Konsequenzen! Ich finde die Mannschaft hat echt Moral bewiesen. Alle haben Verantwortung übernommen und sich gemeinsam wieder zurückgekämpft. Wir sind eine tolle Truppe, und ich denke, dass es nicht nur die hohen Siege waren, die viele überrascht haben, sondern auch, dass wir als „TEAM“ so stark geworden sind. Ich bin stolz, Teil dieser Mannschaft sein zu dürfen.


Ein bisschen steht dieser Kampf zwischen „Sieg und Niederlage“ auch für dich persönlich und die Erfahrung, die du gerade machen musst. Ein Kreuzbandriss ist ja bekanntlich eine der langwierigsten und schmerzhaftesten Sportverletzungen überhaupt. Es ist sicher nicht leicht, akzeptieren zu müssen, dass man Monate lang nicht spielen kann. Gibt es etwas, das du in dieser Zeit an Erfahrung gelernt hast bzw. gibt es etwas, das dir auf mentaler Ebene geholfen hat, damit besser umzugehen?

Auf jeden Fall habe ich gelernt, Geduld zu haben. Wer mich kennt, der weiß, dass das leider nicht meine Stärke war. Aber diese Verletzung lehrt mich jeden Tag, nicht „zu schnell zu viel“ zu wollen, denn sonst mache ich es vielleicht nur wieder schlimmer. Das ist eine harte Lektion für jemanden wie mich, der kaum still sitzen kann. Ich liebe es, Fußball zu spielen und ich kann wirklich nur schwer damit umgehen, dass ich nur kleine Schritte machen kann. Aber ich vertraue meinem Therapeuten. Er versteht mich. Er weiß, wie weit ich gehen kann und was er mir zumuten kann. Ich sehe jeden Tag Fortschritte und das verdanke ich ihm und dem ganzen Betreuerteam, die sich wirklich sehr um mich bemühen. Aber mir hilft auch die Nähe zu meinen Mannschaftskollegen. Sie geben mir das Gefühl, „dazuzugehören“.

Ich habe auch gelernt, mich gedanklich mehr mit der Heilung und den Fortschritten zu beschäftigen, als mit den Selbstzweifeln, die aufkommen, wenn es mal nicht so läuft, wie man das möchte. Es ist ein schmaler Grat zwischen dem Wunsch, wieder spielen zu können, und dem Druck, den man sich selbst macht.


Das klingt sehr weise! Deine Mitspieler bezeichnen dich als sehr emotionalen Spieler, als „Energiebündel“. Wie würdest du selbst deine Rolle in der Mannschaft und auf dem Spielfeld beschreiben?

Lacht. Ja, das bin ich wohl – ein Energiebündel! Ich bin auf jeden Fall ein Spieler, der bis aufs Letzte kämpft. In der vergangenen Saison habe ich mich immer wieder in die Startaufstellung zurückgekämpft und wurde für meinen Ehrgeiz belohnt. Wie gesagt, ich kann nicht lange still sitzen, und auf die Ersatzbank reagiere ich allergisch.

Es ist nicht zu übersehen, dass der sympathische Norweger auch meint, was er sagt, denn still sitzen scheint ihm tatsächlich nicht leichtzufallen. Um ihn nicht noch länger zu quälen, entlassen wir den leidenschaftlichen Roten Bullen wieder in seine natürliche Umgebung zurück … in seine Herde und zum Training nach Taxham!