Heimspiel-Magazin Nr. 172 | #RBSDMN

»WIR MÜSSEN HEUTE ALLES GEBEN, UM DIESE LETZTE CHANCE ZU WAHREN!«


CHRISTIAN SCHWEGLER
spricht über die heutige Aufgabe gegen Dinamo Minsk, den Schweizer Fußball und warum er seinen Vertrag bei den Roten Bullen verlängert hat.

 

Du konntest in Runde fünf gegen Altach endlich dein Comeback feiern. Wie geht es dir nach dem Mittelfußknochenbruch?

Der Knochen ist wieder in Ordnung, und ich fühle mich bereits recht gut. Ich habe aber elf Wochen pausieren müssen, und daher dauert es sicher noch eine Weile, bis ich wieder meine volle Leistung werde abrufen können. Ich habe noch konditionelle Rückstände, daher habe ich gegen die Austria pausieren müssen. Nichtsdestotrotz bin ich voll motiviert und hoffe, dass nicht nur ich, sondern wir alle so schnell wie möglich in die Erfolgsspur zurückfinden werden.

Du hast deinen Vertrag vorzeitig bis 2017 verlängert. Was waren die Gründe dafür?

Ich habe mich mit den Verantwortlichen des Vereins bereits in der Sommerpause zusammengesetzt; damals haben wir entschieden, dass ich meinen Vertrag um ein Jahr verlängere. Wir wollten es erst publik machen, wenn ich wieder fit und einsatzfähig bin. Die Gründe liegen auf der Hand. Ich fühle mich sehr wohl bei den Roten Bullen, und auch meiner Familie gefällt es in Salzburg. Und wenn man beim FC Salzburg spielt, geht es darum, Titel zu gewinnen. Deshalb kam ich in der Vergangenheit her, und deshalb bleibe ich auch in Zukunft hier: um mit dieser Mannschaft noch möglichst viele Titel zu holen. Von der Champions League brauchen wir in der derzeitigen Situation gar nicht zu reden, aber es geht darum, in der Meisterschaft wieder in die Spur zu finden und heuer zumindest die nationalen Titel zu gewinnen.

Auch im Play-off zur UEFA Europa League steht ihr nach dem 0:2 im Hinspiel gegen Dinamo Minsk heute gehörig unter Druck …

Ja, auch da müssen wir heute den Kopf aus der Schlinge ziehen. Wir müssen heute Abend alles geben, um diese letzte Chance auf einen internationalen Bewerb noch zu nutzen. Wir haben in Weißrussland ein sehr schlechtes Ergebnis erzielt, aber nichtsdestotrotz werden wir versuchen, das heute noch in den Aufstieg umzuwandeln. Das erfordert allerdings eine herausragende Leistung von jedem Einzelnen von uns.

Du bist seit 2009 im Team und hast dementsprechend viel erlebt mit den Roten Bullen. Wie schätzt du die derzeitige Lage ein?

Die Lage ist derzeit einfach nicht zufriedenstellend. Wir stehen in der Liga nicht dort, wo wir hingehören, haben die Champions League-Qualifikation wieder mal verpatzt und stehen im Play-off zur UEFA Europa League auch mit dem Rücken zur Wand. Dennoch hat die Saison vor ein paar Wochen erst angefangen, und ich bin überzeugt, dass wir uns noch steigern werden.

Was muss sich ändern?

Jeder Einzelne in unserem Kader hat die Qualität, um für den FC Salzburg zu spielen. Das sind alles richtig gute Kicker. Aber es sind viele kleine Schrauben, an denen nun noch gedreht werden muss. Das Problem ist aber, dass dieses Drehen an vielen kleinen Schrauben auch jede Menge Arbeit bedeutet.

Ihr habt nun viele junge Spieler im Team. Braucht es da alte Hasen wie dich, die Verantwortung übernehmen, und wie lange dauert es, bis sich die Youngsters etabliert haben?

Natürlich müssen die Alten nun für die Jungen da sein. Wir müssen ihnen zeigen, wie der Hase läuft. Es sind viele Jungs dabei, die davor in zweiten Ligen sehr gut Fußball gespielt haben, aber in einer ersten Liga oder in einem internationalen Bewerb weht halt ein völlig anderer Wind. Aber diese Verantwortung übernimmt jeder erfahrene Spieler bei uns gerne, und außerdem haben wir dafür ja auch ein Trainerteam.

Du hast auch bereits unter einigen Trainern bei den Roten Bullen gespielt. Welchen Eindruck hast du von Peter Zeidler?

Er leistet meiner Meinung nach gute Arbeit, und ich habe auch ein sehr gutes Verhältnis zu ihm. Er hat schon beim FC Liefering gute Arbeit geleistet und es sich nun verdient, die Profis des FC Salzburg zu trainieren. Aber auch für ihn ist der Wechsel ins Profigeschäft sicherlich nicht so einfach. Er steht plötzlich viel mehr im Rampenlicht, und auch der Druck ist nun viel größer.

Es lastet derzeit jede Menge Druck auf euch allen. Wie ist es da möglich, einen klaren Kopf zu behalten?

Beim FC Salzburg ist man immer unter Druck. Diesmal ist es leider ein negativer Druck, mit dem wir umgehen müssen. Ich hole mir die Ruhe und die Energie zu Hause bei meiner Familie. Da kann ich vom Fußball voll abschalten, alles Negative ausblenden und gehe dann wieder mit voller Motivation ins Training und natürlich in die Spiele.

In deiner Heimat Schweiz zeigen derzeit zwei frühere Spieler der Roten Bullen ordentlich auf: Marc Janko für den FC Basel und Jakob Jantscher für den FC Luzern …

Jakob hat schon letzte Saison sehr gut gespielt, und die Liga ist ihm auf den Leib geschnitten. Marc hat mit dem FC Basel den perfekten Verein erwischt. Es wird viel über die Flanken und mit hohen Bällen in den Strafraum gespielt. Und das Wichtigste: Er macht seine Treffer.

Dein Bruder Pirmin spielt seit der letzten Saison bei Hoffenheim. Am letzten Wochenende hätte er um ein Haar eine Sensation gegen die Bayern gefeiert.

Auch er macht seine Sache in Deutschland sehr gut. Er ist Kapitän der Mannschaft, und sie spielen richtig guten Fußball. Aber man hat gegen die Bayern gesehen, dass dieser nicht immer von Erfolg gekrönt sein muss.


Dein Sohn ist nun auch schon bald zwei Jahre alt. Wie geht es ihm – und hat er schon Ambitionen in Sachen Fußball?

Er kickt bereits im Garten und ist auch gerne im Stadion. Am liebsten aber im Bullidikidz-Club, um mit anderen Kindern zu spielen.

Aber man munkelt, dass bereits weiterer Nachwuchs unterwegs ist. Ihr arbeitet also am eigenen Fußballteam?

Nein, zwei reichen vorerst mal. Es wird übrigens ein Mädchen, und wir freuen uns riesig!