Unser Rekordspieler im exklusiven Interview

Sage und schreibe 301 Pflichtspiele für den FC Red Bull Salzburg, 12 Tore, 46 Assists. Doch die Leistungsdaten von Andi Ulmer haben noch ganz andere Überraschungen zu bieten.

In unglaublichen 25.976 Spielminuten bekam er bis dato nur eine einzige Rote und lediglich 25 Gelbe Karten. Außerdem wurde er nie zweimal in einem Spiel gelbverwarnt, und das als Defensivspieler, der konsequent, aber fair und stets mit offenem Visier in die Zweikämpfe geht.  

„Ich kann mich dunkel erinnern, dass da mal was war!“, scherzt er angesichts seiner bisher beispiellosen Leistungsstatistik. Mit seinem Jubiläum zählt Ulmer nun zu den Rekordspielern unter den aktiven Akteuren beim FC Red Bull Salzburg und wird nun feierlich in den „Club der 300er“ aufgenommen. Zum alten Eisen gehört der Vollblut-Profi  deshalb aber noch lange nicht – im Gegenteil! Auch wenn er es sich nicht anmerken lassen will, er hört es gar nicht gerne, zum Kreis der „Älteren“ gezählt zu werden, denn auf die Frage, ob er denn schon über sein Karriereende nachdenkt, antwortet er: „Ich bin noch sehr hungrig und habe noch viele große Ziele vor Augen!“

Das klingt für seine Teamkollegen und seine Fans sicher wie Musik in den Ohren! Im Interview zu seinem 300. Pflichtspiel erzählt er von den Meilensteinen, die er mit dem FC Red Bull Salzburg noch erleben möchte, welche Veränderungen im privaten Umfeld anstehen bzw. was er für sein Leben nach dem Fußball so geplant hat.

Rekordspieler Andreas Ulmer

INTERVIEW

Du zählst mit Christoph Leitgeb zu den dienstältesten Spielern, die aktuell beim FC Red Bull Salzburg noch im Einsatz sind, und gemeinsam habt ihr ja schon einige Richtungswechsel in der Spielphilosophie durchlebt. Im Vergleich zu den vergangenen Jahren, was macht die Roten Bullen derzeit so stark?

In den vergangenen Jahren haben wir von einer offensiven auf eine defensive und wieder zurück auf eine offensive Spielweise gewechselt. Jetzt denke ich, haben wir einen guten Mix drinnen. Wir stehen hinten sehr stabil und sind vorne sehr torgefährlich. Im Moment sind wir, wie man in den letzten zwei Meisterschaftsdritteln gesehen hat, für unsere Gegner schwer zu knacken.

Immer wieder hört man manche kritische Stimmen sagen, dass aber den Roten Bullen dieser glanzvolle Fußball, wie unter Roger Schmidt, verloren gegangen ist.

Wir spielen zurzeit einfach einen sehr effizienten Fußball, und das sieht man auch an den Punkten, die wir bisher gemacht haben. Außerdem darf man dabei auch nicht vergessen, dass wir mit einer ganz jungen Mannschaft spielen und teilweise auch viel rotieren. Im Übrigen aber stört mich der Vergleich wenig, denn es gibt keine einzige Mannschaft auf der ganzen Welt, die immer in jedem Spiel gegen jeden Gegner drei, vier Tore macht, keine Gegentore bekommt und immer gewinnt. Auch wir nicht!

Du hast ja nicht nur einige Spielstile und Philosophien beim FC Red Bull Salzburg durchlebt, sondern auch schon einige Trainer kennengelernt. Auch das zeigt, wie anpassungsfähig du bist. Auch bei Trainer Oscar Garcia bist du aus der Startelf kaum wegzudenken.

Er ist in meinen Augen ein großartiger Trainer! Ich konnte mir von ihm als Mensch und als Trainer schon sehr viel abschauen.

In fünf Jahren erlebt man so manche Höhen und Tiefen. Was war für dich persönlich der größte Erfolg und die bitterste Niederlage?

Die bitterste Niederlage war ganz eindeutig das Ausscheiden im Champions League-Play-off gegen Dinamo Zagreb. Aber es gab viele großartige Siege, an die ich mich gerne zurück erinnere. Müsste ich mich jetzt festlegen, würde ich sagen: Das Europa League-Achtelfinalspiel gegen Ajax Amsterdam. Aber wer weiß? Vielleicht liegt das größte Spiel meiner Karriere noch vor mir.

Unter deinen Teamkollegen und im gesamten Trainer- und Betreuerstab giltst du als Vorzeigeprofi. Besonders Athletiktrainer Christof Elser lobt deine professionelle Einstellung, und selbst dein Teamkollege Christoph Leitgeb, mit dem du nun schon fünf Jahre gemeinsam am Platz stehst, kennt nicht einen einzigen Makel an dir. Man hört auch, dass viele unserer jungen Spieler, wie zum Beispiel Takumi Minamino und Hee Chan Hwang, deinem Beispiel folgen und dir nacheifern wollen.

Es freut mich zu wissen, dass unsere jungen Spieler in mir ein Vorbild sehen, aber das ist nun mal meine Einstellung zum Sport und unserem Beruf, und ich zwinge niemandem meine Lebensweise auf. Umso schöner ist es dann zu wissen und auch zu sehen, dass sie es mir gleichtun wollen. Das ehrt mich sehr.

Von Fußballern weiß man ja, dass sie nicht so gerne allzu weit in die Zukunft schauen wollen. Alles was gedanklich weiter weg ist als das nächste Pflichtspiel, scheint keine Priorität zu haben. Aber ist das wirklich so? Was ist mit den Zielen abseits des Fußballs oder den Zielen, auf die man am Ende der aktiven Karriere zurückblicken möchte?

Ja, das ist richtig (lacht), als Profi schaut man nur von Spiel zu Spiel, denn nur das können wir auch unmittelbar beeinflussen! Aber natürlich hat man im Leben auch andere Lebensziele, die mit den beruflichen Meilensteinen nichts zu tun haben. Privat steht bei mir ja im Sommer eine Hochzeit an (Anmerkung: Andi heiratet Langzeitfreundin Sarah), und natürlich wollen wir Kinder, vielleicht später auch mal ein Haus. Beruflich habe ich ein paar Möglichkeiten, aber im Moment spiele ich einfach noch zu gerne Fußball, und da gibt es noch eine Menge reizvolle Ziele, die ich noch vor Augen habe und erreichen möchte.

Das wäre zum Beispiel? Noch mehr Titel? Du zählst ja mit Christoph Leitgeb in Österreich zu den (aktiven) Spielern, die die meisten Titel gewonnen haben. Gibt es noch andere Meilensteine, die du noch erreichen möchtest?

Ich bin noch immer hungrig und hab einen großen Appetit. Abgesehen vom einen oder anderen Titel möchte ich zum Beispiel noch ein paar Tore mehr aufs Konto bringen.

Gesagt, getan …

Das Interview mit Andi Ulmer haben wir im Vorfeld des Heimspiel-Schlagers gegen Austria Wien geführt. Am Sonntag erzielte er sein 12. Pflichtspieltor bzw. seinen zweiten Saisontreffer. Ein Tor mit Ansage quasi!

Wenn das so weitergeht, freuen wir uns schon jetzt darauf, mit Andi auch bald ein kleines Torjubiläum feiern zu dürfen.

WINGS FOR LIFE World Run | Team Ulmer

Andreas Ulmer, seit vielen Jahren bereits Botschafter für die Stiftung, wird auch in diesem Jahr wieder eine Mannschaft für den „Wings for Life Word Run“ stellen und freut sich über zahlreiche Teilnehmer im „Team Ulmer“.

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