Wer könnte uns besser und authentischer den Weg vom Youngster zum Fußballstar beschreiben als jemand, der diesen Weg bereits gegangen ist? Er gibt nun sein Wissen und seine Erfahrung an unsere Jungbullen weiter und ist als Akademie-Trainer mit seiner Mannschaft überaus erfolgreich.

Im dritten Teil unserer Serie „Ghostwriter“ widmen wir uns dem Thema: Anfang und Ende einer Profikarriere sowie den Fragen: Was brauchen unsere Jungbullen, um sich im Profifußball durchsetzen zu können, und was muss man ihnen schon jetzt mit auf den Weg geben, damit sie auch für das Ende ihres Lebens als aktiver Fußballer neue Perspektiven für sich finden?

BLOG

Ich habe im Fußball im Laufe meines Lebens wirklich schon alles gesehen und alles erlebt. Im Vergleich dazu ist mein Leben heute zwar ruhiger, aber an Erfahrungen reicher, und ich habe nun schon seit einigen Jahren das große Glück, diese Erfahrungen unseren Jungbullen zu vermitteln. Wenn du den Bogen von Profifußballer, Fußballstar, Nachwuchstrainer, Mentor und Vater zu Ende gehst, schließt sich der Kreis dort, wo du am Ende deine Berufung findest, nicht wahr?

Auch im Nachwuchsbereich ist der Leistungsdruck immer gegeben, denn natürlich haben wir auch bei unseren Jungbullen in der Akademie immer den Anspruch, das Beste herauszuholen. Daher ist es zum Beispiel auch wichtig für unseren Nachwuchs, dass man viel Erfahrung im Ausland sammelt. In der heimischen Liga ist der Leistungsvergleich selbstverständlich nicht so gegeben, wie es der Fall wäre, wenn wir gegen Nachwuchsteams von anderen Topklubs aus der spanischen, der englischen oder der deutschen Liga antreten können. Es ist immer wieder interessant zu sehen, dass wir mit unserer Philosophie, die ja vom Verein vorgegeben wird, und unserer Arbeit im Trainerteam gar nicht so weit weg sind. Im internationalen Vergleich können wir richtig gut mithalten, und nicht nur das – wir sind auch sehr erfolgreich. Natürlich kann man als Trainer bei so großen und namhaften Turnieren immer sehr viel lernen, und das ist enorm wichtig, denn der Fußball entwickelt sich immer weiter. Eine Entwicklung, die mitunter immer rasanter voranschreitet. Am Beispiel von Koni Laimer, der für uns der Prototyp dessen ist, was wir bei unseren Talenten herausarbeiten wollen, haben wir gesehen, wohin die Reise gehen kann. Aber neben seinen spielerischen Qualitäten besitzt Koni eben auch eine unheimliche innere Stärke und Durchsetzungsvermögen. Die Koni Laimers von morgen brauchen also nicht von allem ein bisschen, sondern eine unverwechselbare Qualität, die sie von anderen unterscheidet. Wir sind auf einem Niveau angelangt, wo die körperlichen und technischen Unterschiede bei Spielern kaum mehr messbar sind und nur die individuelle Qualität noch einen Unterschied ausmacht. Diese Unterschiede stecken in der jeweiligen Persönlichkeit des Spielers, und um diese zum Vorschein zu bringen, muss man seine Schützlinge auch außerhalb der täglichen Trainingsarbeit kennen. Es ist nicht selten der Fall, dass man da sehr viele Einblicke in das private und familiäre Umfeld bekommt, und das schafft eine gewisse Vertrauensbasis, fordert aber auch ein hohes Maß an Verantwortung.

Wenn ich gefragt werde, wie viele Momente mir abseits des Fußballs bleiben, muss ich sagen „nicht viele“, denn wenn ich vom Training nach Hause komme, wo meine Kinder auf mich warten, ist die Frage an meine Jungs dann meist: „Und wo spielt ihr am Wochenende?“ Wir sind eben eine fußballbegeisterte Familie und solange meine Jungs Spaß daran haben, bin ich in diesen Momenten nur Vater und kein Trainer mehr. Ich selbst hatte großes Glück, einen Vater zu haben, der mich von meinen ersten Schritten auf dem Platz und mit dem Ball über meine gesamte Profi- und Teamkarriere begleitet hat und stets an meiner Seite war, ohne sich je einzumischen. Es ist wichtig, auch heute noch, dass Eltern in den Entwicklungsprozess mit eingebunden werden, denn sie investieren auch viel, um ihren Kindern den Traum von einer Karriere als Fußballprofi zu ermöglichen. Klar wird es das Klischee der typischen Fußballer-Eltern noch geben, in meiner bisherigen Laufbahn als Nachwuchstrainer habe ich sicher schon mal das eine oder andere unangenehme Gespräch mit Eltern führen müssen, bisher die Probleme aber immer auch auf einer sachlichen und sehr professionellen Ebene lösen können. Man muss eben auch Verständnis für die Sorgen der Familien haben.

Jugendliche in diesem Alter brauchen manchmal Mittelwege, denn neben dem Fokus, den die Jungs im Sport bringen müssen, gibt es noch Druck in der Schule, Probleme mit der ersten Freundin etc., und das kann dann schnell auch zu viel werden. Als Nachwuchstrainer bis du dann auch irgendwo ein bisschen Elternersatz und Mentor und musst in der Lage sein, zu erkennen, wo die Belastungsgrenzen bei jedem Einzelnen sind. Man wächst mit seinen Schützlingen sehr schnell sehr eng zusammen, und genau wie ich weiß, wer beim Betreten des Trainingsplatzes wie drauf ist, kennen mich meine Jungs auch schon ganz genau und erkennen sofort, in welcher Stimmung ich gerade bin. Aber es gibt noch andere Faktoren, die negativ auf eine beginnende Profikarriere einwirken können. Die Gefahren von zu viel Öffentlichkeit zum Beispiel. Ich habe ja selbst auch ein bewegtes Leben hinter mir und gehörte vielleicht zu der letzten Generation der Fußballer, die noch im Rampenlicht stand und das Society-Leben kennengelernt hat. Da ist es schon mal vorgekommen, dass du auf einer Party warst und am nächsten Tag in der Zeitung ein Foto von dir abgebildet war – selten vorteilhaft. Heute sind Fußballstars in Österreich eher selten Teil des Society-Lebens und selbst wenn, dann nicht mehr so plakativ wie noch zu meiner Zeit. Aber die Gefahren von zu viel Öffentlichkeit gibt es auch jetzt noch und sie sind sogar noch bedrohlicher, denn bei ihren Aktivitäten über Snapchat, Facebook, Instagram und Co. kommt es schon mal vor, dass ich meinen Schützlingen mahnend auf die Finger klopfen muss.

Meine Arbeit als Nachwuchstrainer erfüllt mich sehr und ich hätte nach meiner Profikarriere auch keinen besseren Weg für mich finden können. Natürlich möchte ich mich weiterentwickeln und meine Trainerkarriere vorantreiben, aber das Gute an dieser Entwicklung ist, dass ein Trainer mit den Jahren immer besser wird und an Erfahrung reicher, während für jeden Profispieler irgendwann der Moment kommt, wo du einen neuen Weg für dich finden musst. Ich habe Zeit – und das ist ein sehr befreiendes Gefühl.