Making-of … Trainingslager

Im Zweiten Teil unserer Serie „eine Mannschaft geht auf Reisen“ verraten wir Euch, wAs alles NotwenDig ist, um ein Fußball-Trainingslager zu Planen bzw. Welche MEnschen im Hintergrund dafür sorgen, dass es unseren Roten Bullen in Dubai an nichts Fehlt.

Zum Pflichtprogramm für jeden Profi-Fußballklub gehört auch eine optimale Vorbereitung im Trainingslager. In der Regel finden solche Camps zweimal im Jahr statt. Während im Sommer das Salzburger Land ideale Bedingungen bietet, gehen die Reisen im Winter doch etwas weiter. Die europäischen Topklubs suchen dann einen Platz an der Sonne, aber nicht etwa um Urlaub zu machen. Im Gegenteil, denn in dieser Phase der Vorbereitung ist das Trainingspensum am intensivsten.

Eine Mannschaft geht auf Reisen

Aber auch ein gutes Trainingslager auf die Beine zu erstellen, kann mit unter ein schweißtreibender Job sein und erfordert dementsprechend viel Know-how. Unser erfahrener Teammanager Mark Lang – bereits seit zehn Jahren für die Roten Bullen tätig – weiß genau, worauf man bei der Planung und Organisation eines Trainingslagers achten muss, um einen reibungslosen Ablauf im Camp garantieren zu können.

Die Planung beginnt in der Regel drei bis vier Monate im Voraus, d. h. wir beginnen mit der Vorauswahl für das Sommertrainingslager im März und für das Wintercamp im Oktober. Die Anforderungen werden von der sportlichen Leitung vorgegeben bzw. auch wohin es im Endeffekt gehen soll. Dann treten wir mit speziellen Agenturen in Kontakt, die sich auf die Organisation von Fußball-Trainingslagern spezialisiert haben. Ich sehe mir dann vor Ort die verschiedenen Angebote – also Hotels in Kombination mit den verfügbarenTrainingsplätzen – an, und kläre gegebenenfalls schon erste Rahmenbedingungen ab.

Dabei spielt aber auch die Auswahl des Reiseziels eine wichtige Rolle, denn diese muss den sportlichen Rahmenbedingungen und den finanziellen Vorgaben zu 100 Prozent entsprechen. Absolut nichts wird dabei dem Zufall überlassen … nicht einmal das Wetter!

Jede Destination hat ihre Vor- und Nachteile. In Belek ist es wettertechnisch etwas unbeständiger als hier in Dubai. Weil aber bis vor einem Jahr sehr viele namhafte europäische Klubs an der türkischen Riviera ihr Trainingslager absolvierten, hatte Belek immer ein breites Angebot an guten Testspielgegnern. Wegen der kürzeren Flugzeit und der geringeren Zeitumstellung waren auch die Reisestrapazen nicht so groß. Deutlich für Dubai sprach für uns aber das Gesamtpaket, denn das Mannschaftshotel liegt nur wenige Minuten vom Trainingsplatz entfernt, und der NAS Sports Complex bietet, ebenso wie das Aspire Center in  Qatar, ein auf allerhöchstem Niveau vollausgestattetes Sportzentrum, welches uns nahezu uneingeschränkt zur Verfügung steht. Preislich bietet die Türkei ein top Preis-Leistungs-Verhältnis im Vergleich zu Spanien. Ein Trainingslager im arabischen Raum ist zwar teurer als in der Türkei, kann aber je nach Angebot und Kooperationsmöglichkeiten sogar preislich mit den Angeboten aus Spanien und Portugal mithalten, allerdings mit dem Zusatz-Benefit einer Schönwetter-Garantie.

Warum das Wetter eine so wichtige Rolle bei der richtigen Auswahl der Trainingslager-Destination spielt, erklärt Mark Lang so:

In Belek fällt im Januar mehr Niederschlag als im ganzen restlichen Jahr, und da kann es hin und wieder vorkommen, dass aufgrund sintflutartiger Regenfälle das Training am Platz ausfallen muss. Bei einem so dicht gedrängten und minutiös geplanten Trainingsprogramm, wie bei uns, kann das schon mal zum Problem werden, wenn ganze Trainingseinheiten umgeplant werden müssen.

In Abstimmung mit den Reiseagenturen ist Mark Lang darüber hinaus auch für die genaue Planung der Reiseroute und die Logistik des Trainingsequipments verantwortlich:

Um hohe Kosten für den Transport des Übergepäcks einzusparen, haben wir in Kauf genommen, dass wir nicht in Dubai direkt, sondern in Abu Dhabi landen und dann mit einem Bus noch eine Stunde nach Dubai fahren. Der Preisunterschied zwischen diesen beiden Varianten war so enorm, dass wir uns gerne für die günstigere Lösung entschieden haben.

Mit über 1.500 Kilogramm Gepäck im Schlepptau zu verreisen, will auch genauestens geplant und organisiert werden, daher ist Mark Lang gemeinsam in Absprache mit unseren Zeugwarten und der Fluglinie dafür verantwortlich, dass das Equipment  vollständig und unbeschadet am Zielort ankommt:

Die Erfahrung hat uns gezeigt, dass es besser ist, zwei Leute mit dem Gepäck einen Tag vorher vorauszuschicken und in jedem Fall das Gepäck in den gleichen Flieger wie das Vorkommando oder die Mannschaft zu verfrachten. Wir verzichten darauf, das Equipment per Fracht zu versenden, da das Risiko zu hoch ist, dass unsere Trainingsutensilien irgendwo hängen bleiben oder zu spät ankommen. 

Ein nicht unwesentlicher Bestandteil der Vorbereitung ist auch die Auswahl passender Testspielgegner.

In Qatar oder Dubai ist es schwierig, um diese Zeit gute Testspielgegner zu finden, da die meisten Top-Mannschaften, beispielsweise aus der deutschen Bundesliga, die ebenso hier ihre Zelte aufgeschlagen haben, ja schon abgereist sind. Trotzdem versuchen wir, in Abstimmung mit der Agentur vor Ort, passende Gegner zu finden. Manchmal ergeben sich Testspiele aus persönlichen Kontakten, Absprachen oder direkten Anfragen.

Egal, welche Wünsche unsere Spieler oder das Trainer- und Betreuerteam im Trainingslager haben, der routinierte Troubleshooter kümmert sich jeden Tag mit einer stoischen Ruhe und rund um die Uhr um alle Anliegen des mehr als 50 Mann umfassenden Teams.

Für das leibliche Wohl unserer Spieler im Trainingslager sorgt unser Vereinskoch Tobias Brunner. Auch er gehört zu den guten Seelen im Verein und begleitet die Mannschaft auf allen Auswärtsreisen. Daher darf er natürlich auch im Trainingslager nicht fehlen. In vielen europäischen Topklubs und beispielsweise in der deutschen Bundesliga ist es gang und gäbe, dass jeder Fußballklub auch seinen eigenen Vereinskoch hat. Tobi erklärt, warum das so ist:

Im Profi-Fußball bewegen wir uns in einem Bereich, wo es bei der Performancesteigerung um Nuancen geht, und dabei spielt die Ernährung eine wichtige Rolle. Meine Aufgabe ist es, unsere Spieler dahingehend zu unterstützen und die Vorgaben unseres Ernährungsberaters einzuhalten. 

Ob Baku, Glasgow, Nizza oder wo auch immer die Roten Bullen gerade unterwegs sind – Tobi Brunner muss in den Hotelküchen dieser Welt ein wachsames Auge darauf haben, was bei unseren Jungs auf den Teller kommt.

In Dubai ist die Sache etwas anders, denn wir durften ja keine eigenen Lebensmittel einführen. Das ist hier aber ohnehin nicht nötig, da es hier ja alles gibt, was wir brauchen. Verständigungsprobleme habe ich hier diesmal auch nicht, da der Küchenchef im Meydan Hotel auch Österreicher ist (lacht). Meine Aufgabe ist es aber, vor Ort als Vermittler in der Küche dafür zu sorgen, dass unsere Vorgaben und Wünsche auch so umgesetzt werden. Klar, dass man sich da schon auch mal durchsetzen können muss.