UEFA Europa League-Gruppenphase: FC Salzburg vs. FC Schalke 04; 2:0 (1:0). Tore: Schlager (22.), Radosevic (90.)

Der FC Salzburg schlägt im letzten Europa League-Gruppenspiel den FC Schalke 04 vor 23.133 Zuschauern daheim mit 2:0 (1:0). Die Treffer der Roten Bullen erzielten Xaver Schlager (22.) und Josip Radosevic (90.). Beide Torschützen trafen erstmals für die Salzburger.

AUFSTELLUNGEN

FC Salzburg: Stankovic – Schwegler, Wisdom, Caleta-Car, Lainer – Rzatkowski, Laimer (60. Samassekou), Radosevic, Schlager (85. Yabo) – Lazaro (75. Wolf), Minamino

FC Schalke 04: Giefer – Riehter (83. Uchida), Höwedes, Kehrer – Junior Caicara, Stambouli, Aogo, Baba Rahman – Reese (58. Schöpf), Avdijaj, Konoplyanka (75. Sam)

Andreas KolleggerAUSGANGSLAGE

AUSGANGSLAGE

Auch wenn die heutige Begegnung gegen die Königsblauen leider keine Aufstiegschance mehr in sich birgt, so ist dies heute ein in vielerlei Hinsicht besonderes Spiel. Neben einer tollen Kulisse wäre ein Sieg zum Abschluss der diesjährigen internationalen Saison das ganz große Ziel.

Der FC Schalke 04 ist nach desaströsem Ligastart mittlerweile auch auf nationaler Ebene ausgezeichnet in Form und dementsprechend mit enormem Selbstvertrauen in Salzburg eingetroffen. In der Europa League haben die Königsblauen noch keinen Punkt abgegeben und seit dem Hinspiel gegen uns nur ein Pflichtspiel verloren. „Unser Ziel ist es, gegen eines der besten Teams in Europa zu bestehen“, gab Trainer Oscar Garcia die klare Marschroute für den heutigen Matchabend vor.

PERSONALSITUATION

Nicht einsatzbereit sind Smail Prevljak (Knie), Wanderson, Jonatan Soriano, Fredrik Gulbrandsen und Munas Dabbur (alle Oberschenkelverletzung). Aufgrund dieser Verletzungsmisere im offensiven Bereich war heute erstmals auch Hannes Wolf (17 Jahre jung und Kooperationsspieler vom FC Liefering) im Kader der Roten Bullen.

TAKTIK

Interessant war vor dem Beginn der Partie schon alleine, als die Aufstellung von Trainer Oscar Garcia bekannt wurde, die einige Überraschungen parat hatte. Unser Trainer baute seine gewohnte Startformation komplett um – oder anders gesagt: Lediglich Valentino Lazaro und Konrad Laimer blieben von der Stamm-Elf übrig. Dabei rückte Valentino Lazaro gar vom rechten Flügel an die linke Seite von Takumi Minamino in den Sturm. Die markanteste Umstellung nahm der Trainer allerdings im Tor vor. Statt Alexander Walke stand heute Cican Stankovic zwischen den Pfosten. Die Vierer-Abwehrkette bekam einen ganz neuen Anstrich: Christian Schwegler feierte sein Comeback nach langer Verletzungspause, daneben der robuste Andre Wisdom und Duje Caleta-Car in der Innenverteidigung, und Stefan Lainer ersetzte Routinier Andreas Ulmer.

FC Salzburg vs. FC Schalke 04

DIE MATCH-ANALYSE

Vor dem Anpfiff gab es eine Schweigeminute für die Opfer des Flugzeugunglücks in Kolumbien, bei dem fast die gesamte Mannschaft des AF Chapecoense ums Leben kam. Während sich die Schalker Fans auf den Rängen selbst feierten, verpassten sie fast, dass es auf dem Spielfeld für ihre Mannschaft nicht viel zu feiern gab. Die Salzburger dominierten vom Fleck weg das Geschehen und konnten gleich in den Anfangsminuten mächtig Dampf machen.

Traumstart

Unser junges Team, mit einem Altersdurchschnitt von 22,7 Jahren – bekam heute von Oscar Garcia ein Hochklasse-Lehrspiel geschenkt und dankte es dem Trainer mit einer fantastischen Vorstellung.  In der 7. Minute zog Xaver Schlager nach Zuspiel von Marc Rzatkowski aus halbrechter Position ab. Die Defensive der Königsblauen konnte aber noch ein Bein dazwischen bringen und lenkte das Spielgerät ins Toraus. Die nachfolgende Ecke, ausgeführt von Christian Schwegler, brachte leider nichts ein. Keine Minute später konnte Takumi Minamino ungehindert zum Abschluss kommen, doch sein Schuss fiel leider etwas zu zentral aus und stellte Goalie Fabian Giefer vor keine großen Probleme. Die Schalker wurden zwar durch das starke Pressing der Roten Bullen wachgerüttelt und kamen erstmals durch einen Konterversuch in der 12. Minute wirklich gefährlich in die Nähe unseres Strafraums, doch dort vereitelte Duje Caleta-Car abgebrüht und souverän die erste Halbchance der Gäste. Nach einem Querpass von Takumi Minamino vom rechten Flügel kam der Ball zu Valentino Lazaro. Kurz vor dem Salzburger versprang sich das Leder jedoch und so fuhr er zentral vor dem Tor leider unter das Spielgerät. Danach hatte Donis Avdijaj an der Strafraumgrenze etwas zu viel Platz. Seinen wuchtigen Schuss konnte Cican Stankovic aber ins Toraus drehen. Der nachfolgende Corner der Königsblauen brachte nichts ein.

Ein „SCHLAGER“- Spiel

Und dann sollte es endlich klingeln im Tor der Königsblauen. Vor den Augen von über 23.000 Fans im Stadion Salzburg traf Xaver Schlager die Königsblauen mitten ins Herz. Christian Schwegler beförderte mit viel Übersicht einen halbhohen Ball zur Mitte, der Lazaro zwar noch vom Bein sprang, doch von Thilo Kehrer prallte das Leder genau auf den dahinter lauernden Xaver Schlager zurück, der sich höflich bedankte und trocken zur 1:0-Führung einnetzte. Es war zugleich auch der erste Treffer von Xaver Schlager im Salzburg-Trikot, sehr zur Freude von Oscar Garcia, der den Stolz über den Torerfolg seines Schützlings kaum verbergen konnte, der sich heute zum jüngsten Salzburger Torschützen in der Europa League krönte.

Auf Augenhöhe

Aber auch Schalke kam zu Chancen und tat das, was man von einer deutschen Bundesliga-Mannschaft erwarten muss. Ausgerechnet Donis Avdijaj, vor einem Jahr noch Schalkes Leihgabe an Liga-Konkurrent Sturm Graz, war der auffälligste Offensivmann bei den Gästen. Immer wieder bekam der quirlige Stürmer etwas zu viel Platz, um seine Torgefährlichkeit entfalten zu können, so auch in der 38. Minute, als er von der  Strafraumgrenze zum Abschluss kam, doch Salzburgs Goalie Cican Stankovic, Experte auf der Linie, konnte den Ball im Nachfassen klären. In der 44. Minute prüfte Avdijaj unseren Schlussmann ein weiteres Mal, diesmal mit einem Distanzschuss, doch Cican Stankovic konnte erneut klären. Mit einer verdienten 1:0-Führung für die Salzburger ging es für beide Mannschaften in die Kabinen, und schon zu diesem Zeitpunkt war klar, dass das, was unser junges Team gegen den Topklub aus Deutschland in der ersten Spielhälfte gezeigt hat, einem Europa League-Duell mehr als angemessen war und ein Weiterkommen in diesem Bewerb für unsere Mannschaft mehr als verdient gewesen wäre.

Königsblau sieht Rot

Nach Wiederanpfiff war beim FC Schalke 04 der Druck deutlich zu spüren. Die Gäste drängten auf den Ausgleich, agierten dabei aber in fast allen Bereichen vorhersehbar und nicht konsequent genug, um die Mozartstädter in Bedrängnis zu bringen. In der 61. Minute schickte Junior Caicara Donis Avdijaj ins Loch. Seinen Querpass, der wohl auf den zuvor eingewechselten Alessandro Schöpf gedacht war, konnte Andre Wisdom aber im letzten Moment noch unterbinden.

Auf der Linie

Als echte Lebensversicherung erwies sich Cican Stankovic, der einige gute Torchancen der Königsblauen auf der Linie knallhart zunichtemachte. So auch in der 69. Minute nach einem Freistoß von Yevhen Konoplyanka von der linken Seite, mit dem dieser Donis Avdijaj zentral vor dem Tor zum Kopfball-Abschluss verhalf. Mit einer Glanzparade bewahrte unser Goalie sein Team vor dem Gegentreffer. In der Schlussviertelstunde waren es aber wieder die Mozartstädter, die das Spiel besser unter Kontrolle brachten und sich Torchancen herausspielten. Unter Szenenapplaus der Salzburger Fans und entsetzten Rufen den Anhänger in Blau kamen wir erneut zu einer Topchance. Dabei war beim Zuspiel von Pflichspiel-Debütant Hannes Wolf zuerst Takumi Minamino einen Schritt zu weit vorne, danach stand der Youngster selbst im Abseits. Das wär's gewesen! Für die endgültige Entscheidung sorgten die Roten Bullen in der 92. Minute nach einer Ecke der Schalker, bei der Goalie Fabian Giefer mit aufgerückt war. Die Salzburger leiteten einen schnellen Konter ein, bei dem Hannes Wolf seinen Mitläufer Josip Radosevic mit dem Pass in die Tiefe schickte, und der machte das 2:0 perfekt.

Mit Standing Ovations begleiteten 23.133 Fans unsere wackere Elf in die Nachspielzeit und erlebten, wie der FC Salzburg dem FC Schalke 04 als einzige Mannschaft dem bisher überragenden Gruppensieger in der Europa League drei Punkte abringen konnte. Chapeu Oscar!

STATEMENTS

Oscar Garcia:

Ich bin sehr glücklich über die Leistung meiner Mannschaft, die heute wirklich sehr gut gespielt hat und jene Spieler, die in letzter Zeit oft zum Einsatz gekommen sind, sehr gut kompensiert. Wir waren in der ersten Halbzeit sicherlich die bessere Mannschaft, in der zweiten Hälfte hat der Gegner dann den Druck auf uns erhöht, dennoch konnten wir dem standhalten und haben mehr auf Konter gespielt, aber insgesamt bin ich mit dem heutigen Ergebnis und der Art und Weise, wie wir aufgetreten sind, sehr zufrieden.

Christian Schwegler:

Wir wollten uns heute gut verkaufen – das ist uns definitiv gelungen. Wir haben Schalke gut im Griff gehabt, auch wenn so eine Mannschaft immer zu Chancen kommt – das ist normal. Ich denke, das war Werbung in eigener Sache und ich hoffe, dass es für unsere Fans wieder ein Anreiz ist, um gegen den Wolfsberger AC noch einmal ins Stadion zu kommen. Das Selbstvertrauen möchten wir jetzt in die Auswärtspartie gegen Sturm Graz mitnehmen. 

Xaver Schlager:

Wir haben heute über 90 Minuten wirklich eine hervorragende Leistung gezeigt und uns würdig aus der Europa League verabschiedet. Es macht richtig Spaß, vor so einer tollen Kulisse zu spielen. Ich bin sehr froh, dass wir gegen Schalke 04 gewonnen haben, es war meiner Meinung nach ein mehr als verdienter Erfolg. Über meinen ersten Treffer bin ich natürlich überglücklich – mit Sicherheit ein Highlight meiner bisherigen Karriere.   

Alle Stimmen gibt es zum Nachhören in unserem AUDIOPLAYER!

HEIMSPIEL-Ausgabe Nr. 203

Schon gesehen? Auch wenn Alexander Walke im heutigen Match nicht zum Einsatz kam, gab er uns ein wirklich lesenswertes Interview. Nachzulesen in unserem aktuellen Heimspiel-Magazin:

Vorschau

Bereits am kommenden Sonntag, den 11. Dezember 2016 geht es ab 16:30 Uhr weiter. Dann steht das Schlagerspiel gegen Tabellenführer und Herbstmeister SK Sturm Graz in der Merkur Arena in Graz auf dem Programm.