Der neue Geschäftsführer des FC Red Bull Salzburg im exklusiven ersten Interview

Was dürfen wir vom neuen Geschäftsführer bei den Roten Bullen erwarten? Was für ein Mensch ist Stephan Reiter und wELCHEN PLAN HAT ER FÜR DIE ZUKUNFT DES FC RED BULL SALZBURG?

Betritt man das neue Büro von Stephan Reiter, der erst vor wenigen Tagen hier Einzug gehalten hat, wird auf einen Blick schon sehr deutlich klar, auf welche Dinge er besonderen Wert legt. Das Gefühl von Offenheit, Ordnung, Bescheidenheit und Klarheit bestimmen die Atmosphäre im lichtdurchfluteten Raum. 

Auch wenn sein neuer Arbeitsplatz freilich noch nicht eingerichtet ist, hat man schon nach wenigen Sätzen im Gespräch verstanden, dass Stephan Reiter kein Freund von Schickschnack ist, sondern großen Wert auf Funktionalität legt. Er wirkt erfrischend aufgeschlossen, ist schonungslos ehrlich im Umgang mit unangenehmen oder selbstkritischen Themen und vertritt seine Standpunkte mit starker Überzeugung.

Im Interview erzählt er uns, was ihn als Mensch und als Chef ausmacht, welche Herausforderungen auf ihn zukommen werden und welche zukünftigen Potenziale er für die wirtschaftliche Entwicklung des FC Red Bull Salzburg sieht. 

INTERVIEW

Stephan, du bist seit 1. Februar nun Geschäftsführer Commercial beim FC Red Bull Salzburg. Hattest du schon Gelegenheit, dir einen Überblick über dein künftiges Tätigkeitsfeld zu verschaffen und wie gefällt dir dein neues Amt bisher?

Nun, das ist noch etwas zu früh zu sagen (lacht). Ich glaube aber, dass ich schon einen ganz guten Überblick habe, der für diese kurze Zeit angemessen ist.

Einiges war ja schon über dich zu lesen, aber natürlich wüssten wir nun gerne ganz genau: Wer ist Stephan Reiter im privaten wie im beruflichen Leben? 

Ich lebe schon seit vielen Jahren in Salzburg, bin verheiratet und habe eine 11-jährige Tochter. Mein beruflicher Weg, in der Konsumgüterindustrie, führte mich von Salzburg nach Oberösterreich, dann nach Wien und wieder zurück nach Salzburg. In den letzten Jahren war ich bei Amer Sports in Grödig als Geschäftsführer für die Länder Österreich, Slowenien, Ungarn und Kroatien verantwortlich. In meiner Freizeit bin ich sportlich selbst sehr aktiv, komme aber eher aus dem Ausdauersport. Ich bin leidenschaftlicher Radfahrer und Läufer, gehe gerne Bergsteigen und bin natürlich auch ein sehr begeisterter Fußball-Zuseher. Früher durfte ich sogar selbst meine überschaubare Fußball-Kompetenz beim FC Goldegg ausleben (lacht).

Da beim FC Red Bull Salzburg ohnehin eine hohe sportliche Kompetenz vorhanden ist, war es ein bewusstes Auswahlkriterium des Vorstandes, jemanden zu holen, der quasi nicht diesen absoluten Fußball-Hintergrund hat, jedoch einen starken wirtschaftlichen Background und ein gutes Netzwerk mitbringt, aber auch eine hohe Affinität zum Sport bzw. natürlich auch zum Fußball hat.

Als langjähriger Country-Manager bei Amer Sports hast du unter anderem Top-Marken wie Salomon, Atomic, Wilson, Mavic und Suunto in vier Ländern vermarktet. Dementsprechend groß war sicher auch deine Mitarbeiterverantwortung. Wie kann man sich den Chef „Stephan Reiter“ vorstellen?

Als Geschäftsführer bei Amer Sports hatte ich ca. 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Team, aber klarerweise gibt es in dieser Größenordnung in erster Linie ein Core-Team von etwa 12 engen Mitarbeitern, mit denen man tagtäglich zusammenarbeitet. Von meinen Mitarbeitern erwarte ich, dass sie natürlich viel Leidenschaft und Begeisterung mitbringen und die Bereitschaft zeigen, sich beruflich weiterentwickeln zu wollen. Als Chef bin ich ein Teamplayer und schätze es besonders, dass die Dinge, die wir gemeinsam entscheiden, dann auch umgesetzt werden. Ich bin der Meinung – und das ist auch meine persönliche Erfahrung –, dass es immer besser ist, Entscheidungen zu treffen, auch wenn es manchmal eine falsche ist, als gar keine zu treffen. Man wird nie wissen, ob ein Weg erfolgreich ist, wenn man ihn nicht gegangen ist. Ich habe immer auch sehr große Freude daran, meine Mitarbeiter weiterzuentwickeln. Es ist auch für mich schön zu beobachten, welche Erfolge und Aufstiege meine Mitarbeiter innerhalb des Unternehmens oder bei anderen beruflichen Herausforderungen genommen haben.

Welche neuen Herausforderungen ergeben sich für dich nun mit dem Sprung von der Sportartikel-Industrie zur kaufmännischen Führung eines Profi-Fußballklubs?

Ich glaube, dass es da sehr viele Parallelen gibt, vielleicht sogar mehr, als man auf den ersten Blick glauben würde. Wir haben es bei einem professionell geführten Fußballklub natürlich auch mit Dingen zu tun, wie Merchandising, Gastronomie, Kundenservice u. dgl., und natürlich kommt im sportlichen Bereich viel Neues auf mich zu, aber auch bei Amer Sports haben wir Athleten beispielsweise über Salomon und Atomic betreut und vermarktet, jedoch waren die Dimensionen freilich andere.

Die kaufmännische Verantwortung und den sportlichen Bereich klar voneinander zu trennen, war ein wichtiger Aspekt bei der Neuausrichtung der Vereinsstruktur. Es wird also in Zukunft nicht meine Aufgabe sein, zu beurteilen, ob wir einen weiteren Rechtsverteidiger oder Innenverteidiger brauchen. Diese Kompetenz obliegt ganz klar der sportlichen Leitung, während es meine Aufgabe sein wird, mich um die wirtschaftliche Entwicklung, Ausrichtung und Umsetzung unsere Ziele zu kümmern, bzw. werde ich mich auch verstärkt der Kommunikation im Verein widmen. Obwohl wir sportlich einen sehr erfolgreichen Weg bestritten haben, ist die öffentliche Darstellung leider eine andere. Diese Wege wieder miteinander zu vereinen und in Einklang zu bringen, wird sicher eine meiner Kernaufgaben sein.  

In einem ersten Statement hast du angekündigt, den eingeschlagenen Weg beim FC Red Bull Salzburg konsequent weitergehen und in der Umsetzung unserer Vision neue Impulse geben zu wollen. In welche Richtung könnten diese neuen Impulse gehen?

Wo ich Handlungsbedarf sehe, ist, dass wir dem FC Red Bull Salzburg und dem Leitbild, dem wir uns hier verpflichtet fühlen, wieder mehr Schärfe geben, eine Vision und ein Leitbild sehen, an dem sich unsere Fans festhalten und begeistern können. Ob das jedem gefallen wird, kann ich jetzt noch nicht sagen. Jedem Einzelnen werden wir es nicht recht machen können, das liegt in der Natur der Sache, aber ich glaube, dieses Profil zu schärfen, wird enorm dazu beitragen, dass wir unsere Fans nicht mit unerfüllbaren Erwartungen verwirren. Es ist enorm wichtig, unseren Fans zu vermitteln, was sie bekommen, wenn sie den FC Red Bull Salzburg unterstützen. Wir müssen das Vertrauen in uns wieder stärken, greifbarer, nahbarer und transparenter werden, gleichzeitig aber auch begeistern, im positiven Sinne überraschen und innovativ bleiben. Ich finde diese Herausforderung extrem spannend und freue mich darauf, dieses Vorhaben in die Tat umsetzen zu können.

Der FC Red Bull Salzburg kann als Serientitel-Gewinner nicht nur sportlich auf eine großartige Erfolgsgeschichte zurückblicken. Auch auf dem Spielermarkt sind die Roten Bullen mittlerweile eine der Topadressen in Europa, wenn es um die Weiterentwicklung junger Spieler geht. Viele junge Toptalente aus Europa, Afrika, Südamerika und Asien wollen bei uns ihrer Fußballkarriere einen ersten, entscheidenden Schub geben, und viele haben es bereits geschafft, über Salzburg zu internationalen Topklubs zu wechseln.

Genau hier liegt unser größtes Potenzial, das uns von anderen Vereinen, mit denen wir in direkter Konkurrenz stehen, abhebt. Wie kaum ein anderer Verein in Europa gelingt es uns jedes Jahr aufs Neue, junge Top-Talente aus dem In- und Ausland binnen kurzer Zeit weiterzuentwickeln und ihnen den Weg in die Top-Ligen Europas zu bereiten, ohne dabei sportlich an Qualität zu verlieren. Das ist ja der Reiz, den der FC Red Bull Salzburg ausmacht, dass es uns immer wieder gelingt, zu beweisen, dass unsere Philosophie erfolgreich ist. Wir können doch wirklich stolz darauf sein, ein junges wildes Team zu haben, das auf nationaler und internationaler Ebene attraktiven Fußball spielt. Ergänzend haben wir als Grundpfeiler in der Mannschaft unsere routinierten Spieler, die das Gerüst des Mannschaftgefüges stärken und als Idole bzw. Vorbilder bei unseren jungen Spielern und Fans eine wichtige Rolle spielen.