Outdoor-Nachmittag im Salzburger Land | „Making-of“ Trainingslager

Das Trainingslager in wunderschönen Leogang neigt sich dem Ende zu. Mit ein bisschen Wehmut verlassen die Roten Bullen morgen die idyllische Region Saalfelden-Leogang wieder in Richtung Heimat, denn die Tage in den Salzburger Bergen haben unseren Jungs sichtlich Spaß gemacht und alle Erwartungen übertroffen. Doch wozu macht man eigentlich ein Trainingslager, noch dazu quasi vor der Haustür?

Diese Frage haben wir uns von Athletiktrainer Christof Elser beantworten lassen, der uns darüber hinaus noch sehr interessante Einblicke in den Trainingsalltag unserer Roten Bullen gewährte.

Zuvor aber ein kleiner Rückblick über die vergangenen zwei Tage im Trainingslager, die durchaus spannend waren.

Ein bisschen Spass muss sein

Ein Trainingslager ist kein „Feriencamp am Ponyhof“! Im Gegenteil, denn auch wenn es  vielleicht den Anschein hatte, dass es sich unsere Spieler in den letzten Tagen womöglich ein wenig zu gut gehen ließen,  liegt das daran, dass im Mannschaftshotel „NATURHOTEL Forsthofgut" wirklich alles getan wurde, um unseren Jungs die Zeit zwischen den Trainingseinheiten so angenehm wie möglich zu gestalten.

Aber auch Teambuilding und die Integration der Neuzugänge standen dieser Tage im Fokus, und so wurde der gestrige Nachmittag dazu genutzt, einmal die Outdoor-Aktivitäten in den Salzburger Bergen etwas näher kennenzulernen. Da durften sich Soriano, Ulmer & Co. beim Rafting so richtig austoben und ließen den Abend ganz gemütlich im Bergdorf Priesteregg ausklingen.

Ein herzliches Dankeschön gebührt an dieser Stelle besonders unseren Partnern SalzburgerLand Tourismus und Saalfelden-Leogang, die dieses Trainingslager und die damit verbundenen schönen Momente für unser Team erst möglich gemacht haben.

Die Roten Bullen mit herzlichen Grüßen vom Bergdorf Priesteregg

Making-OF Trainingslager

Aber nun zurück zu unserer eigentlichen Geschichte und der Frage „Wozu man ein Trainingslager eigentlich braucht und wodurch sich dieses vom normalen Alltag der Profi-Kicker unterscheidet?“ Die Antwort darauf könnte uns niemand besser geben als FC Red Bull Salzburg-Athletiktrainer Christof Elser, der maßgeblich in die Planung der Saisonvorbereitung involviert ist. Außerdem haben wir ihn gefragt, wie man sich die Arbeit eines Athletiktrainers in der Praxis vorstellen kann, wie notwendig es ist, Spielern auch ein Stück Eigenverantwortung zu vermitteln und was einen echten Vorzeige-Athleten seiner Meinung nach ausmacht.

Eine Saisonvorbereitung – das ist klar –  besteht aber nicht nur aus dem Trainingslager an sich und der Organisation der Testspiele, sondern erfordert im Hintergrund des normalen Trainingsalltags sehr viel Planung, klärte uns Christof Elser auf. Natürlich ist es notwendig – gerade zu essentiell – dass man vor dem Trainingsauftakt einen Rahmenplan erstellt, der alle wichtigen Aspekte der Vorbereitung abdeckt, wie etwa Belastungs- und Intensitätsphasen, Regenerationsphasen und Individualisierung und welche Inhalte zu welchem Zeitpunkt abgeleistet werden. Dabei muss sehr genau darauf achten werden, dass Regenerationsphasen eingehalten werden, denn man kann nicht vier Wochen vor einem Qualifikationsspiel jeden Tag zweimal trainieren. Das Verletzungsrisiko aufgrund der Überbelastung wäre zu hoch. Daher ist man, so Elser, beim FC Red Bull Salzbrug sehr darauf bedacht, dass unsere Spieler gesund bleiben und der Trainer einen möglichst vollständigen Kader zur Auswahl hat.

Dabei ist eine gut funktionierende Kommunikationskette im Trainer- und Betreuerstab von enormer Bedeutung. Jeden Morgen - zweieinhalb Stunden vor dem Training setz ich der Trainerstab gemeinsam mit den Physiotherapeuten und dem Reha-Trainer zusammen, um  jeden Spieler einzeln zu besprechen. Da geht es hauptsächlich um den gesundheitlichen Zustand der Spieler, wer an dem Tag trainingsfähig ist, mit wem individuell trainiert werden muss, wie bei den betroffenen Spielern der Verlauf bei der Reha ist oder der Status bei akut verletzten Spielern bzw. auch wie belastbar jeder einzelne Spieler an diesem Tag ist. Davon hängt ab, wie viele Spieler beim Mannschaftstraining teilnehmen bzw. wie das Training dann gestaltet werden muss.

Dabei lobt Elser die gute und gewinnbringende Form der internen Kommunikation im gesamten Team und insbesondere die Zusammenarbeit mit Trainer Oscar Garcia sehr:

Er genießt das Vertrauen der Spieler, vermittelt ihnen Stabilität und Selbstvertrauen und besitzt eine sehr hohe soziale Kompetenz. 

Um eine Mannschaft wie den FC Red Bull Salzburg auf Topniveau zu bringen, braucht es aber nicht nur eine entsprechende Ausbildung, sondern auch Erfahrung, die Christof Elser zweifelsohne hat, denn neben seiner Fußballkarriere, einer Ausbildung zum Physiotherapeuten und der späteren Tätigkeit als Athletiktrainer in der deutschen Bundesliga verfügt er über jahrelange Berufspraxis.

… aber auch ich lerne immer noch jedes Jahr dazu, und es gibt immer Verbesserungspotenzial. Außerdem, denke ich, braucht man auch einen klaren Plan und muss klar in seinen Gedanken sein, denn nur dann kann man den Spielern auch vermitteln, was man von ihnen möchte. Soziale Kompetenz und Führungskompetenz muss man in einer Position als Trainer voraussetzen. Auch sportmedizinisches Wissen ist sicherlich kein Nachteil, denn gerade im funktionellen Bereich hilft es schon, gewisse Dinge besser zu bewerten und Entscheidungen zu treffen.

Ob er aufgrund seines geschulten Auges das Leistungsspektrum eines Spielers auf den ersten Blick einschätzen kann, hat uns in diesem Zusammenhang brennend interessiert: Wenn ein Spieler neu in die Mannschaft kommt, kann man den physischen Zustand zuerst nur anhand objektiver, medizinische Daten bewerten, die dir Auskunft über dessen Ausdauer und Kraftfähigkeit, seine Schnelligkeit, seine koordinativen Fähigkeiten und seine Balleigenschaften geben. So bekommt man einen Eindruck davon, ob er den fußballerischen Anforderungen  überhaupt gewachsen ist. Mit der Zeit bekommt man dann auch einen Eindruck von der Agilität und Handlungsschnelligkeit. Erst, wenn man den Spieler besser kennt und über einen längeren Zeitraum beobachtet, mischen sich auch Erfahrungswerte dazu, die wichtig sind, um die maximale Belastbarkeit und das Leistungsspektrum besser einschätzen zu können.

Interessant war auch, zu erfahren, dass für Christof Elser die Steigerung des Leistungspotenzials und die Verletzungsfälligkeit keine Frage des Alters sind:

Spieler wie Andi Ulmer sind das perfekte Beispiel dafür, dass man auch als verhältnismäßig älterer Spieler noch ein Maßstab sein kann. Andi ist ein Vorzeigeprofi, der seinen Lebensstil komplett dem Training unterordnet. Athletisch betrachtet, ist er in einem Topzustand, und das hat er sich über viele Jahre hinweg hart erarbeitet. Obwohl unser Spielstil schneller, aggressiver und intensiver geworden ist, ist er sicherlich der stabilste Faktor in der Mannschaft.

Wie wichtig die Fähigkeit der persönlichen Eigenverantwortung eines jeden Spielers ist, hörte man beim erfahrenen Athletiktrainer bereits unmissverständlich heraus. Wie er auf die Schützlinge positiv einwirken kann?

Man kann einen Spieler nur dann von außen motivieren und ihm fachliche Inputs geben, wenn er das auch selbst so leben möchte. Da trennt sich dann oft die Spreu vom Weizen und macht bei vielen Sportlern oft den Unterschied aus. Wer sich verbessern möchte, holt sich die Informationen beim Videoanalysten und bei den Trainern ab, um sein Spiel zu verbessern. Je höher der Prozentsatz an Eigenverantwortung ist, desto eher wird sich ein Spieler auch entwickeln.

Was aber unterschiedet nun tatsächlich ein Trainingslager vom eigentlichen Alltag eines Fußballprofis? Das Trainingslager ist wichtig, um sich in einem ruhigen Umfeld und ohne äußere Einflüsse konzentriert vorbereiten zu können. Darüber hinaus ist ein „Tapetenwechsel“ wichtig für das Zusammengehörigkeitsgefühl im Team und die Integration der neuen Spieler. Es ist nicht unser Ziel, die Jungs zehn Tage lang im Trainingslager totzutrainieren, denn es wäre nicht gut, wenn wir danach eine Woche bräuchten, bis sich die Mannschaft wieder regeneriert, so der Athletiktrainer. Dementsprechend muss man aber die Belastungsintensitäten im Trainingslager so setzen und steuern, dass die Jungs die Gelegenheit haben, wieder auf ein normales, ausgewogenes Level zu kommen. In diesem Fall ist weniger manchmal mehr, dafür muss man aber umso gezielter im Training arbeiten.