Unser nächster Gegner in der UEFA Europa League in einer ausführlichen Analyse

Ginge es nach uns, könnte das Viertelfinale der UEFA Europa League ja schon kommen. Knapp zwei Wochen dauert es aber noch bis zum ersten Aufeinandertreffen. Um die Wartezeit auf den nächsten internationalen Kracher zu überbrücken, haben wir unseren kommenden Gegner in der Runde der letzten Acht einmal genauer unter die Lupe genommen.

Leistungskurve

Zum zweiten Mal im neuen Jahrtausend landeten die Römer in der letzten Saison in den Top vier und qualifizierten sich so für die UEFA Europa League. Dort gewannen sie ihre ersten vier Spiele souverän und leisteten sich als sicherer Gruppenerster in den letzten zwei Begegnungen ein 1:1-Unentschieden gegen Vitesse Arnheim sowie eine 2:3-Niederlage gegen Zulte Waregem. Zuvor wurde mit zwei Erfolgen gegen den späteren Gruppenzweiten Nizza (3:1 & 1:0) der Gruppensieg ohnehin schon unter Dach und Fach gebracht.

Die anschließenden K.-o.-Duelle konnten die Italiener nach verpatzten Hinspielen jeweils erst im Rückspiel zu ihren Gunsten entscheiden. Während im Sechzehntelfinale eine 0:1-Auswärtsschlappe bei Steaua Bukarest mit einem 5:1-Torfestival im eigenen Stadion gedreht wurde, gelang im Achtelfinale gegen Dynamo Kiew Ähnliches: Nach einem enttäuschenden 2:2 zu Hause konnte der Aufstieg ins Viertelfinale erst mit einem 2:0-Auswärtssieg fixiert werden.

In der heimischen Serie A liegen die Himmelblauen aktuell auf Rang fünf, wobei nur zwei der letzten acht Ligaspiele gewonnen werden konnten. Topform sieht anders aus.

Kader & Schlüsselspieler

Der aktuelle Kader von Lazio umfasst 30 Spieler, wovon rund drei Viertel Legionäre aus insgesamt 15 verschiedenen Nationen ausmachen. Personelle Veränderungen gab es im Winter keine. Die letzte Transferperiode verlief für die Römer ohne nennenswerte Transfers, womit sie bestens eingespielt sind und tragende Stützen, wie zum Beispiel Ciro Immobile, halten konnten. Vielen dürfte der Ex-Dortmunder aus seiner glücklosen Zeit in Deutschland ein Begriff sein. Mit aktuell 24 Treffern und neun Torvorlagen im Ligabetrieb ist derselbe Ciro Immobile heute der gefährlichste Stürmer Italiens. Auch in der UEFA Europa League hat er eine beachtliche Torquote vorzuweisen: Alle 68 Minuten bejubelt er einen Treffer. Der Shootingstar in den Reihen der Römer ist aber ein anderer: Sergej Milinkovic-Savic. Der 23-jährige zentrale Mittelfeldspieler zog nach konstant starken Leistungen das Interesse vieler Topklubs auf sich und darf getrost als Aushängeschild der Biancocelesti bezeichnet werden. Sein Marktwert wird auf stolze 70 Millionen Euro geschätzt.

Spielanlage

Eines bereits vorweg: Es dürften zwei Spiele vor uns stehen, in denen wir ein Stück weit „gegen uns selbst spielen“ – zumindest was die Spielweise betrifft. Diese ähnelt unserer nämlich sehr. Wer also den italienischen Catenaccio erwartet hat, der hat sich getäuscht. Denn Lazio forciert in Italien mit die modernste Art, Fußball zu spielen, und steht – genauso wie wir – für Offensivfußball, intensives Pressing und ein engmaschiges Mittelfeld. Der Mann, der hinter diesem Konzept steckt, heißt Simone Inzaghi. Der italienische Übungsleiter, der an seinem 42. Geburtstag am 5. April hoffentlich nichts zu feiern haben wird, ist in seinem Heimatland längst aus dem Schatten seines Bruders (AC Milan-Legende Filippo Inzaghi) getreten und zählt zu den aufstrebendsten Trainern Europas. Inzaghi lässt seine Mannschaft in der Regel in einer 3-5-1-1-Grundordnung auflaufen, die bei gegnerischem Ballbesitz logischerweise in ein 5-3-2 übergeht und für Kompaktheit im Zentrum sorgen soll.

Nach Ballgewinn sind die Römer bekannt für ihre schnellen Konter, was auch ihren relativ geringen durchschnittlichen Ballbesitzwert von unter 50 Prozent erklärt. Zum Vergleich: In unseren bisherigen Europa League-Spielen in dieser Saison hatten wir ebenfalls im Schnitt „nur“ zu rund 48 Prozent das Leder – für eine Mannschaft, die seit 19 Spielen auf internationaler Ebene ungeschlagen ist, durchaus ungewöhnlich. Dass viel Ballbesitz keine Voraussetzung für Erfolg ist, weiß also auch Simone Inzaghi, dessen Team insgesamt eine taktische Variabilität beweist. Ist sie gefordert, das Spiel zu machen, zieht sie ein gepflegtes Kurzpassspiel auf und sucht früh den Abschluss – womit doch ein Unterschied zu unserem Spiel ausgemacht wäre. Zielführend ist es allemal. So hat Lazio nämlich zusammen mit Juventus Turin die meisten Treffer der Serie A auf dem Konto (67). Besonders verwundbar scheinen sie hingegen in der Anfangsphase der zweiten Halbzeit zu sein. Mehr als ein Drittel ihrer Gegentreffer in dieser Saison kassierten die Römer zwischen der 46. und 60. Spielminute.

Heimstätte

Die Heimspiele trägt Lazio wie Stadtrivale AS Rom im Olympiastadion Rom aus, das ein Fassungsvermögen von 72.698 hat. Voll ist die bereits im Jahre 1937 eröffnete Spielstätte allerdings selten bis nie. So liegt der Zuschauerschnitt bei nur knapp über 25.000. Ähnlich viele waren auch bei den zwei Heimspielen der bisherigen K.-o.-Duelle. Mit einer vergleichbaren Kulisse können wir also wohl bei unserem Gastspiel im Stadio Olimpico rechnen. Stimmungsvoll wird es so oder so. Dafür werden zum einen die frenetischen Lazio-Fangruppierungen und zum anderen hoffentlich wieder mehrere hundert Fans aus Salzburg sorgen.