Als „Fan der ersten Stunde“ beim FC Red Bull Salzburg hat man im Laufe der Jahre schon einiges erlebt. Aber gerade die gemeinsam erlebten Momente – die guten und die schlechte Zeiten – schweißen zusammen. Die Verbundenheit zwischen Fans und Mannschaft ist in dieser Saison enorm spürbar gewesen und das hat sich auch im Selbstvertrauen unserer Spieler auf dem Platz widergespiegelt. Wie dieses untrennbare Band zwischen Nordkurve, Spielfeld und Trainerbank entstanden ist, verrät uns diesmal eine „Ghostwriterin“, die diesen Entstehungsprozess miterlebt und mitgestaltet hat.

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„Als mich meine Mutter zum ersten Mal ins Fußballstadion in Lehen mitgenommen hat, war ich vier Jahre alt. Seit diesem Tag, könnte man sagen, bin ich dem Salzburger Fußball treu, und über die Jahre hinweg ist meine Leidenschaft für unsere Mannschaft immer intensiver geworden. Ich glaube, es war in der Saison 2006/2007 unter Giovanni Trapattoni, als der Funke bei mir endgültig übergesprungen ist. Der FC Red Bull Salzburg wurde zu einem Teil meines Lebens, den ich heute nicht mehr missen möchte.

Allen Widrigkeiten rund um die Übernahme des Klubs zum Trotz entstand etwas Großartiges und Einzigartiges in Salzburg. Diese Veränderung haben nicht alle gutgeheißen und auch über die Grenzen des Landes hinaus gab es viele kritische Stimmen. Damals hätte vermutlich auch niemand geahnt, dass von Salzburg ausgehend ein nicht unwesentlicher Impuls für die positive Entwicklung des gesamten österreichischen Fußballs entstehen würde. Unter Trapattoni hatte die Mannschaft zwar ein ganz anderes Gesicht als heute, und auch die Spielphilosophie hat sich mittlerweile enorm verändert, aber schon damals war es außergewöhnlich und faszinierend, mit wie viel Leidenschaft und Emotionen diese Mannschaft in der österreichischen Meisterschaft um den Titel kämpfte.

Plötzlich spielten internationale Topstars in Salzburg, die Red Bull Arena in Wals war eines der modernsten Stadien in ganz Österreich, die Infrastruktur rund um das Trainingszentrum in Taxham und die Akademie in Liefering wuchs. Mit der Zeit war klar: Hier wird etwas ganz Großes entstehen! Nur 12 Jahre später sind wir am bisherigen sportlichen Höhepunkt angekommenen. Salzburg ist zum fünften Mal in Folge österreichischer Fußballmeister, musste sich im Halbfinale der UEFA Europa League nur knapp geschlagen geben und zu guter Letzt standen wir ein weiteres Mal im Finale des ÖFB-Cups. Es war eine überwältigende Saison für uns alle. Wir hätten nie zu träumen gewagt, so weit zu kommen.

Für uns war es am Anfang nicht immer leicht, bekennende FC Red Bull Salzburg-Anhänger zu sein. Wenn man auf gegnerische Fans traf, war in der Regel das Gespräch nach dem ersten „Servus“ schon wieder beendet. Ich will kein Urteil darüber abgeben, was der Grund für die Toleranzlosigkeit gegenüber unseren Fangruppen war, aber die Angriffe waren schon teilweise weit hergeholt.

Mittlerweile spüren wir aber die Akzeptanz von anderen Fangruppen über die Grenzen Salzburgs hinaus immer deutlicher, man nimmt uns ernst und hört uns zu. Eine Erklärung dafür ist sicherlich, dass man durch die Erfolge des FC Red Bull Salzburg in den UEFA-Bewerben dem österreichischen Fußball international wieder mehr Beachtung schenkt. Wir haben immerhin gegen Mannschaften aus den stärksten Ligen Europas gewonnen, und das war kein Zufall.

In diesem Jahr haben wir die Verbindung zwischen Spielern, Trainern und Fans sehr deutlich gespürt. Die Mannschaft hat uns mit ihrer Leidenschaft begeistert und mitgerissen. Es war ein großartiges Gefühl, Teil dieser Reise gewesen zu sein.

Wir Fans hoffen natürlich alle, dass die Mannschaft und das Trainerteam zusammenbleiben und wir auf dem aufbauen können, was wir bisher erreicht haben. Letzten Endes liegt es nicht in unserer Hand und auch nicht in der des Klubs, wer kommt und wer geht. Es ist die persönliche Entscheidung jedes Einzelnen, ob er seinen Karriereweg in Salzburg fortsetzen oder den nächsten Schritt wagen möchte. Persönlich täte es mir um jeden Spieler und jeden Trainer leid, der uns in diesem Sommer verlässt, aber das liegt nun mal in der Natur der Sache.

Wenn ich mir etwas für die Zukunft des FC Red Bull Salzburg wünschen könnte, dann, dass wir unsere Heimatverbundenheit noch mehr nach außen tragen. Wir sind stolz auf unsere Mannschaft und wir stehen hinter dem gesamten Team, egal was kommt. Ich bin davon überzeugt, dass unsere Nordkurve immer größer wird, denn ich habe gegen Dortmund, Lazio und Marseille viele Menschen gesehen, die gerne öfter ins Stadion kommen möchten. Wir freuen uns auf jede laute Stimme und jedes Paar „klatschfeste“ Hände mehr, die unsere Mannschaft in der Red Bull Arena unterstützen wollen. Wir sind Salzburger!“