Unser Topstürmer im exklusiven Interview!

Nach einem denkbar schlechten Start in Salzburg steigt die Performancekurve des 25-jährigen Israelis exponentiell in die Höhe, und das verdeutlicht auch die Statistik. Er kam im Sommer 2016 als Torschützenkönig der Schweizer Liga von den Grashoppers Zürich nach Salzburg und war Oscar Garcias ausdrücklicher Wunschspieler.

An der Seite von Jonatan Soriano kam er aber im vergangenen Jahr kaum zur Geltung. In der aktuellen Saison hat der 1,82 m große Mittelstürmer in der Tipico Bundesliga in zehn Meisterschaftsrunden bereits sieben Mal getroffen. In der letzten Saison kam er in der ersten Saisonhälfte nur auf drei Tore und wurde aus diesem Grund im Winter für die zweite Saisonhälfte zu den Grasshoppers Zürich zurückverliehen. Dort fand er wieder zu alter Stärke zurück und konnte nach seiner Rückkehr im Sommer unter Trainer Marco Rose endlich auch dem Salzburger Publikum beweisen, dass er nicht nur in der Schweiz zu den Top-Torjägern zählt.

Ungeachtet einiger Pfiffe, die Munas trotz steigender Performance von den Rängen ernten musste, bleibt unser Trainer seinem derzeit zuverlässigsten Stürmer treu, denn eines steht jedenfalls fest: Mit Munas Dabbur werden wir noch ganz viel Freude haben. Wie er es geschafft hat, seine Startschwierigkeiten zu überwinden, wem er sich dafür zu Dank verpflichtet fühlt und vieles mehr verriet er uns in einem sehr persönlichen Interview: 

Seine Teamkollegen wissen, was sie an ihm haben!

INTERVIEW 

Munas, wenn wir die bisherige Saison ein bisschen Revue passieren lassen, könnte man die Leistungsperformance unserer Mannschaft als konstant steigend bezeichnen, wenn man das aktuelle Verletzungspech und die vielen englischen Wochen berücksichtigt. Du zählst aktuell zu jenen Spielern, die unter Trainer Marco Rose am meisten Spielzeit bekommen haben. Wie bewertest du die Entwicklung von der Vorbereitung im Sommer bis zum Status quo? 

Das war schon eine verrückte Saison bisher, oder nicht? Ich sehe das auch so, wir haben es bis jetzt geschafft, uns konstant weiterzuentwickeln. Wir hatten eine optimale Vorbereitung im Sommer und ernten jetzt nach und nach die Früchte. Wir arbeiten sehr hart im Training und wollen uns natürlich weiter verbessern, aber es ist auch schön, zu sehen, wie alle mitziehen. Seit ich hier bin, gab es, glaube ich, noch nie so viele Ausfälle auf einmal, und wir haben mit Liga, Cup und Europa League im Moment sehr viele Spiele zu absolvieren. Das zehrt zwar an den Kräften, aber auf der anderen Seite ist es für uns als Profis enorm wichtig, möglichst viel Spielzeit zu bekommen. 

Auf dem internationalen Fußball-Parkett läuft es derzeit trotz der prekären Personalsituation auch nicht so schlecht für uns, oder?

Absolut! Ja! In der Gruppenphase haben wir jetzt erst zwei Spiele absolviert, und ich glaube, dass wir schon auf einem sehr guten Weg sind. Wir haben gegen Vitoria zwar nur 1:1 gespielt, und hätten uns sicher auch einen Sieg verdient, aber für das Rückspiel zu Hause vor eigenem Publikum konnten wir aus der ersten Begegnung schon viele Erkenntnisse über den Gegner gewinnen. Gegen Olympique de Marseille haben wir einen richtig guten Tag erwischt und uns sehr gut auf der internationalen Bühne verkauft. Im Rückspiel wird das aber ganz sicher nicht einfacher. Im Gegenteil, da werden wir uns auf einen harten Kampf einstellen müssen. Konyaspor ist eine große Unbekannte in der Gleichung und sicher ein ganz schwieriger Gegner. Aber die Länderspielpause verschafft uns etwas Zeit, und vielleicht werden wir bis dahin wieder mehr Spieler zur Verfügung haben. Trotzdem muss man aber sagen, dass unsere Youngsters das schon wirklich toll gemacht haben und sicher einen großen Anteil daran haben, dass wir gegen Marseille gewinnen konnten. Damit hat sicher niemand gerechnet.

Apropos Youngsters? Wie würdest du in eigenen Worten deine bisherige Karriere zum Fußballprofi beschreiben und was waren für dich die größten Schwierigkeiten auf diesem Weg?

Ich habe bei meinem Heimatverein Maccabi Ahi Nazareth Fußball spielen gelernt, und das waren sicher die glücklichsten Jahre meiner Kindheit, aber ich wollte unbedingt Fußballprofi werden und musste, um mich weiterentwickeln zu können, den ersten Schritt in diese Richtung wagen. Also bin ich dann mit 17 Jahren zu Maccabi Tel Aviv gewechselt und habe mich in nur einem Jahr von der U19 in die Kampfmannschaft hinaufgearbeitet. Das war eine völlig andere Welt für mich, zum ersten Mal weit weg von meiner Familie in der großen fremden Stadt. Als ich zu Grasshoppers Zürich in die Schweiz kam, hatte ich das große Glück, dass mein Bruder ganz in der Nähe in Straßburg als Arzt arbeitete und wir nur eine Stunde Autofahrt entfernt voneinander lebten. Das hat mir sehr geholfen, mich in dem neuen Umfeld wohlzufühlen. Hier in Salzburg bin ich nach allen Richtungen sehr weit weg von meiner Familie, und das war am Anfang sehr schwer. Aber zum Glück bekomme ich jetzt oft Besuch von meinen Brüdern (Anmerkung: Munas hat vier Brüder) und meiner Mutter.

Echte Freunde: Valon Berisha und Munas Dabbur

Auf dem Spielfeld merkt man, dass du speziell mit Valon Berisha zu deiner Linken sehr gut harmonierst, aber auch abseits des Spielfelds seid ihr mittlerweile Freunde geworden, richtig?

(Lacht) Valon ist in der Tat ein ganz wichtiger Freund in meinem Leben geworden. Vom ersten Moment an, als ich vor eineinhalb Jahren nach Salzburg gekommen bin, haben wir uns gut verstanden. Aber wer Valon ein bisschen kennt, der weiß, dass man sich seiner positiven und lebenslustigen Art nicht wirklich entziehen kann. Im Spiel kann ich mich fast schon blind auf ihn verlassen, und abseits des Rasens hat er auch in schwierigen Zeiten immer zu mir gehalten und mich unterstützt. Seine Freundschaft hat mir sehr geholfen, die schwierige Anfangsphase hier in Salzburg zu überstehen.

Es ist mittlerweile ja auch kein Geheimnis mehr, dass du ein ziemlich brauchbarer eGamer bist und viele, viele, viiiele Stunden in deiner Freizeit FIFA spielst. Wie viele Stunden sind es denn tatsächlich?

Das weiß ich gar nicht genau, aber es sind viele, viele, viiiele Stunden (lacht). Ja, ich verbringe wirklich viel Zeit an der Playstation, aber ausschließlich, um FIFA zu spielen. Als ich nach Europa kam, hatte ich anfangs kaum Anschluss und war viel alleine. Es gab nicht so viele Freunde, mit denen ich etwas hätte unternehmen können, was hauptsächlich an der sprachlichen Barriere lag. Mittlerweile ist das anders. Ich spiele, um mich zu entspannen und um etwas Druck aus meinem Kopf zu bekommen. Das ist vielleicht für manche schwer zu verstehen, aber genauso empfinde ich es.

Es gibt auch das hartnäckige Gerücht, dass du ein ziemlich ungewöhnliches Matchtags-Ritual hast. Stimmt es, dass du vor jedem Spiel zum Friseur gehst?

Wieso ist das ungewöhnlich? (Kichert) Ja, es stimmt! Das mache ich tatsächlich, aber das hat nichts mit Eitelkeit zu tun. Für mich ist der Besuch beim Friseur wie für andere, ins Café zu gehen. Man lernt dort neue Menschen kennen, und ich kann mich bei meinem Friseur hier in Salzburg in meiner Muttersprache mit den Menschen unterhalten. Auch das ist manchmal wichtig, um wieder zu sich selbst zu finden. Daher hab ich es mir angewöhnt, einmal in der Woche vor einem Spiel zum Haareschneiden zu gehen.

Eine Abschlussfrage haben wir noch: Wenn du deine Familie in Israel besuchst, was ist das Allererste, was du machst, das du nur in deiner Heimat tun kannst?

(Nachdenklich) Nun ja, das Erste, was ich mache, wenn ich nach Hause komme, ist, meinen Vater zu besuchen. Er ist vor acht Jahren gestorben, und ich verbringe dann meistens ein bis zwei Stunden Zeit an seinem Grab und spreche mit ihm. Das kann ich nur machen, wenn ich in meiner Heimat bin, auch wenn ich weiß, dass er immer bei mir ist und ich immer mit ihm sprechen kann, aber auf diese Weise habe ich das Gefühl, ihm ganz nah zu sein.