„SALZBURGER HALBZEIT“ mit Diadie Samassekou

„Ungewohnt, aber lustig. Es gefällt mir. Ich schicke die Bilder gleich meiner Familie“ – Diadie Samassekou hat Spaß am etwas anderen Termin, als wir ihn zum ersten Mal in eine „Lederhos'n“ schlüpfen lassen.

„Ich finde Trachten wunderschön. Das ist ein Teil der Kultur hier. Es gehört dazu, diese kennenzulernen“, findet unser malischer Mittelfeldmann.

Selbstverständlich in Tracht wird am heutigen ersten Mai vielerorts traditionell der Maibaum aufgestellt. Aus gegebenem Anlass haben wir unseren Diadie deshalb im Rahmen der „Salzburger Halbzeit“ zum Gespräch über Bräuche, Privates und seine fußballerische Entwicklung gebeten:

„Die Tradition vom Maibaumaufstellen kenne ich noch nicht und habe ich leider noch nie erlebt. Ich wäre gern einmal dabei, aber wir Fußballer haben keine Feiertage, daher wird es sich wieder nicht ausgehen.“

Unsere Salzburger Kultur lebt Diadie inzwischen trotzdem, auch wenn sie anfangs natürlich fremd wirkte:

„Klar, die Sitten und Traditionen sind ganz anders als bei mir daheim. Am Anfang fragt man sich zum Beispiel ‚Was ist das für ein Kleid?‘, aber wenn man es öfter sieht, gewöhnt man sich daran und es wird normal. Ich finde sie wirklich schön."

Gefallen gefunden hat unser 22-jähriger Sechser im Laufe der Zeit aber nicht nur an Trachten, sondern zum Beispiel auch an den Krampusläufen im Winter und an den kulinarischen Köstlichkeiten, die Österreichs Küche zu bieten hat:

„Am liebsten esse ich von den österreichischen Speisen auf jeden Fall Schnitzel. Davon habe ich schon sehr viel gegessen. Und Kaiserschmarrn gibt es immer vor den Spielen, den mag ich auch sehr gerne.“

Diadie hat sich längst perfekt eingelebt. Nicht umsonst findet der stets gut gelaunte Strahlemann ausschließlich positive Worte in Bezug auf das Leben in Salzburg. Und das, obwohl ihn und seine Familie über 4.000 km Luftlinie trennen.

„Ich bin schon ein sehr familiärer Mensch. Auch wenn ich hier mittlerweile sehr viele Freunde habe, ist es doch etwas anderes, wenn die Familie nicht in Reichweite ist. Ich vermisse natürlich meine Eltern und meine Brüder. Ganz wie zu Hause ist es daher noch nicht, aber ich fühle mich hier unheimlich wohl. Die Atmosphäre innerhalb des gesamten Vereins und meines Umfelds könnte nicht besser sein.“

Sein Umfeld sorgt auch dafür, dass Malis Fußballer des Jahres 2017 in seiner freien Zeit den richtigen Ausgleich zum stets turbulenten Fußballalltag findet:

„Wenn das Wetter schön ist, gehe ich mit meiner Freundin Laura gerne spazieren oder in die Altstadt ein Eis essen. Unser Lieblingsplatz ist der Mirabellgarten. Jetzt, wo alles blüht, sind wir sehr gerne dort. Salzburg ist wirklich schön. Ich schätze es vor allem, dass die Leute ruhig und im Umgang sehr angenehm sind. Ich werde jedoch auf der Straße nicht so oft erkannt, das finde ich gut.“

Wenn er aber doch angesprochen wird, kann der fünffache malische Nationalspieler mittlerweile schon ganz gut auf Deutsch antworten:

„Mein Deutsch ist schon okay, glaube ich. Ich verstehe schon sehr viel. Selber sprechen ist etwas schwieriger, aber ich kann mich ganz gut unterhalten. Vor allem auf dem Platz ist das enorm wichtig, um den Anweisungen des Trainerteams zu folgen und mit den Teamkollegen zu kommunizieren.“

Dass Diadie irgendwann Deutsch lernen würde, hatte er sich in jungen Jahren wohl kaum ausgemalt. Denn der Weg zum Profifußballer war für ihn zunächst nicht vorgezeichnet:

„Mir ging es in meiner Kindheit sehr gut. Fußball war natürlich schon immer meine Leidenschaft, aber an erster Stelle stand immer die Matura. Da ich in der Schule immer gute Noten hatte, haben meine Eltern erlaubt, dass ich weiter Fußball spiele. Als ich die Matura in Mali bestanden hatte, konnte ich dann den Schritt nach Salzburg machen.“

Fast drei Jahre ist es mittlerweile her, dass Diadie zu uns gestoßen ist. Nach einer Saison beim FC Liefering schaffte er prompt den Sprung in die Mannschaft des FC Red Bull Salzburg und ist seitdem ein absoluter Leistungsträger. Der Schritt sollte sich also bezahlt machen:

„Nach Salzburg zu kommen, war für mich auf jeden Fall die beste Entscheidung! Hier passt einfach alles – sowohl strukturell als auch menschlich. Es gibt Menschen hier, die immer für mich da sind, sodass ich mich voll und ganz auf den Fußball konzentrieren kann. Wenn ich meine Entwicklung betrachte, bin ich soweit einen guten Weg gegangen, denke ich.“

Möglich war dieser, weil es von Beginn an keine echten Anpassungsschwierigkeiten gab:

„Am Anfang war es natürlich nicht so leicht, aber der Verein hat dafür gesorgt, dass ich mich schnell wohlgefühlt habe. Es gibt zum Beispiel mehrere Spieler aus Afrika, wodurch ich schnell Anschluss gefunden habe. Es werden einfach perfekte Rahmenbedingungen geschaffen, damit wir uns schnell integrieren können – dadurch ist unsere Entwicklung möglich. Und wir zahlen dies mit Leistung zurück. Der Schlüssel unseres Erfolgs ist, dass die kulturellen Barrieren schnell überwunden sind und wir alle zusammenleben wie eine Familie.“