Torschützen: Keita (57.), Salah (58.)

Die Herzen gebrochen, logisch, wir hatten uns mehr erträumt. Die Häupter erhoben, zu Recht, wir sind mächtig stolz. Und zuversichtlich, denn die wilde Fahrt geht in der UEFA Europa League weiter, und das bestimmt rasant.

Spielbericht

Jesses Worte: „Wir sind bereit! Für diesen Moment: Wir sind bereit!“ Und damn, wie bereit wir waren! Von Beginn an herrschte hier Druck wie in Kelomat-Kochtöpfen. Haaland und Hwang verlangten gleich in den ersten Spielminuten Virgil van Dijk sein gesamtes Defensivgeschick ab. Jedoch war es Salah, der in der 5. Spielminute eine erste gefährliche Torchance verzeichnete, die mit Stankovic aber einen klaren Sieger kannte. 

Das Spiel in einem Wort: Hektik. Gefühlt jeder Ballkontakt unserer Burschen wurde mit frenetischen Rufen unserer Fans unterlegt. Das nahm Hee Chan Hwang zum Anlass, sich durch die Box zu tanken. Er legte ab auf Minamino, der aber an Liverpool-Schlussmann Alisson scheiterte.

Unsere Hälfte verteidigten wir nach dem Prinzip von Jens Jeremis: Geh da rüber und es macht AUA! Nur gemächlich entwickelten die Scousers Gelegenheiten. Wenn, dann über den umtriebigen Sadio Mane. Aber was bitteschön war mit diesen Roten Bullen los? Wie von der Tarantel gestochen, wurde hier jedem Ball nachgehechelt. Domi Szoboszlai und Taki Minamino führten das Liverpooler Mittelfeld vor wie Schuljungen. Doch für eine Lehrstunde fehlte das Endprodukt. Die Minuten verstrichen, die Zweikämpfe wurden intensiver, der Ballbesitz wechselte häufiger als Richard Lugners Frauen. Clear Cut Goal Chances, wie der Brite sagt, wollten nicht zustande kommen.

Fast, denn aus einem Konter in der letzten Minute der ersten Halbzeit hätte Naby Keita beinahe die Führung für den LFC besorgt. Eine Heldentat von Cican Stankovic rettete den 0:0-Pausenstand und viele Bluthochdruckpatienten.

WOW! Wie ging es hier schon wieder zur Sache. Das halbzeitliche Schnitzelsemmerl kaum verschlungen, kam Salah zu einer Großchance. Wie eine Krake eilte Stankovic jedoch aus dem Kasten und krallte sich die Wuchtel, eine unglaubliche Rettungstat unseres Keepers. Im anderen Strafraum stand Haaland plötzlich vor Alisson. Einen Kontakt weniger und es hätte geklingelt, so wurde der Winkel leider zu spitz.

NEIIIIIN, da war es passiert! Und gleich doppelt! Zunächst war Sadio Mane für alle zu schnell. Cican Stankovic ließ sich locken, wurde umkurvt, die Flanke auf Naby Keita, der Kopfball, der Treffer (57.). Nur eine Minute später wagte unser Keeper den nächsten Ausflug. Diesmal umkurvte ihn Salah, nur, um den Ball aus spitzestem Winkel in die Maschen zu rollen (58.). Wir bitter enttäuscht, die LFC-Fans aus dem Tiefschlaf erwacht.

Zwei Optionen: alles oder nichts! So brachte Jesse Marsch unsere Sprintrakete Patson Daka auf das Feld. Mehr Optionen in der Tiefe für uns, wie die Chance von Taki nach Flanke von Patson zeigen sollte. Auf der anderen Seite auch mehr Räume für Liverpool im Konter, die Mo Salah immer wieder besprintete.

So bitter es ist, das zu schreiben: Hier war die Luft draußen. 0:2, die Uhr tickte und niemand wagte, noch so recht an ein Wunder zu glauben. Die Gesichter waren leer und die Bälle bei den Roten. So viel wir uns auch von der Partie versprochen hatten, wir bekamen zu Augen, dass hier eben der CL-Sieger auf dem Rasen stand, mit allem, was das mit sich bringt. Coolness, Cleverness, Klasse, all die Dinge, die wir wir schon nach dem verlorenen Napoli-Spiel angesprochen hatten.

Herz und Mut können wir uns heute ans Antlitz heften, Gloria leider nicht. Eine bittere Niederlage, die uns trotzdem stolz macht und uns die europäische Achterbahnfahrt in unserem Bewerb weiterfahren lässt: der Europa League.

FC Salzburg vs. FC Liverpool

Statements

Jesse Marsch

Wir sind sehr enttäuscht, weil wir sehr stark gespielt haben, vielleicht können wir gar nicht besser spielen als in der ersten Halbzeit. Im Moment überwiegt also die Enttäuschung, aber in zwei Tagen werden wir sehr stolz sein.

Es war ein bisschen wie ein Schwergewichtskampf. Wir haben sehr stark zugeschlagen, sie haben zurückgeschlagen. Am Ende hatten sie zwei Schläge mehr. So knapp liegen Sieg und Niederlage in der Champions League zusammen.

Jürgen Klopp:

Ich könnte nicht mehr Respekt für Salzburg haben. Sie waren unglaublich stark, vor allem in der ersten Halbzeit. Mit der Intensität taten wir uns schwer, daher war es wichtig, dass wir taktisch diszipliniert aufgetreten sind und das Spiel über unsere Konzentration gewonnen haben.

Wechsel

Daka für Junuzovic (68.), Okugawa für Haaland (75.), Ashimeru für Szoboszlai (89.)

Gelbe Karten

keine

Nicht einsatzbereit

Bernede (Schienbein), Farkas (gesundheitliche Probleme), Koita (Bauchmuskelverletzung)