Jahresrückblick international

Was tat sich in Europa?

Es sind die Gänsehautmomente, für die wir leben. Wenn sich unter Flutlicht vor Monsterkulissen internationale Duelle zutragen, wissen wir, wofür wir das ganze Jahr über geschuftet haben. An europäischen Geschichten mangelte es im abgelaufenen Jahr nicht. Die UEFA Europa League, die erste UEFA Champions League-Saison – bei beiden blieb, aus Freude und Trauer, kein Auge trocken. Wir lassen sie noch einmal Revue passieren.

Die Ausgangslage zur letzten Jahreswende war denkbar gut. Durch unsere Gruppe mit Celtic, Rosenborg und Leipzig waren wir ohne Punkteverlust gepflügt. Die Zwischenrunde handelte uns eine Auswärtsfahrt nach Brügge ein. An der Nordseeküste sollte uns ein rauer Wind begrüßen. Denn trotz des Führungstreffers von Sladdi Junuzovic verloren wir gegen die Belgier mit 1:2. Es war also wieder einer unserer bereits berüchtigten Sturmläufe in der Heimat vonnöten. Es wurde einer, obwohl Munas Dabbur zunächst einen Elfmeter vergab. Xaver Schlager und der doppelte Daka bereinigten das Missgeschick noch innerhalb der ersten Halbzeit zum 3:0-Pausenstand. Der Gesamtscore von 5:2 sorgte für Euphorie in der Mozartstadt, jedoch nicht für Losglück. Der nächste Gegner hieß Napoli. Was das bedeutet, bekamen wir gleich im Hinspiel zu spüren. Riesig mutete der Rasen im San Paolo an. So etwas wie Passing schafften wir einfach nicht zu implementieren. So überrollten uns die Partenopei mit 3:0.

Aber wie lautet der Satz mit „Aufgeben“ und „Brief“ so schön? Das Rückspiel war wieder ein Auftritt im Stile der Post, denn wir lieferten. Selbst das frühe 0:1 durch Arkadiusz Milik, das bedeutete, dass wir nun fünf Tore für den Aufstieg gebraucht hätten, demotivierte uns nicht. Nach tapferem Kampf errangen wir ein 3:1. Zu wenig, aber versöhnlich.

So begann das gespannte Warten, nicht auf das Christkind, sondern auf die erste UEFA Champions League-Saison. Ihr habt es bestimmt nicht vergessen. Die Qualen der vergangenen Jahre, die Geschichten von Düdelingen und Belgrad, sie waren nicht mehr. Diesmal marschierten wir lockeren Fußes direkt in die Gruppenphase. Das Los kam wunschgemäß. Attraktiv, aber machbar sollte es sein. Liverpool FC, der UEFA Champions League-Sieger, die SSC Napoli, mit der wir noch eine Rechnung offen hatten, und KRC Genk, das als schlagbar galt, wir waren zufrieden.

Der Auftakt in unserer Heimat, Leute, er war legendär! Wie sehr wir damals ausrasteten. Am besten, ihr lest es noch einmal nach!

Fünf Treffer in der ersten Halbzeit beim ersten UEFA Champions League-Spiel ever, so etwas hatte die Welt noch nicht gesehen. Dementsprechend reagierte sie auch. Über Nacht wurden unsere Spieler zu Stars, unsere Mannschaft fern der Heimat gefürchtet. Ob der Hype berechtigt war? Die Meinungen gingen auseinander. Die beste Prüfung war Matchday two, Liverpool, oder wie Jesse sagte: „Kein fucking Freundschaftsspiel!“

Wo soll man hier überhaupt anfangen. Ein unglaublicher Tross von 2.600 Fans folgte uns in die Beatles-Stadt. Und trotz des frühen 0:3-Rückstands sangen sie aus vollen Kehlen. Was danach folgen sollte, sorgte für Atemnot. Aus 0:3 mach 3:3, die Gesichter der Liverpooler, ihr hättet sie sehen sollen. Zu schade, dass Mo Salah noch zum 4:3 abstaubte.

Für die Mathematiker unter uns war nun klar, dass wir gegen Napoli etwas mitnehmen mussten. Überhaupt zu Hause, wo wir die Italiener ja schon im Frühjahr geschlagen hatten. Doch es sollte nichts werden. Eine Performance der Marke tapfer, aber glücklos. Es fehlte nicht viel, einzig die Frechheit von Dries Mertens fehlte uns. An diesem Abend war der Belgier Hassfigur und Matchwinner zugleich. Eine Demonstration von Abgezocktheit, sie sollte uns eine Lehre sein.

In Napoli verlief das Rückspiel unter umgekehrten Vorzeichen. Die Italiener schossen und schossen und schossen, nur nicht ins Tor. Wir gingen durch einen Penalty von Erling Haaland in Führung und blieben es, bis Lozano dann doch knipste. Das 1:1, wir nahmen es mit Handkuss.

Die Konstellation in der Gruppe spielte uns in die Karten. Mit vier Punkten waren wir noch im Rennen. Würden wir in Genk gewinnen, während Liverpool gegen Napoli Punkte lässt, hätten wir den Aufstieg noch in eigener Hand. Und es sollte passieren. Liverpool trennte sich mit 1:1 von der Partenopei, und wir spielten Genk wieder in Grund und Boden. 4:1 auf fremdem Boden und die Gewissheit über ein Endspiel gegen Liverpool zu Hause, wie geil war das denn?

Ungefähr so geil wie die Performance unserer ersten Halbzeit gegen den amtierenden UEFA Champions League-Sieger. Wie da gekämpft und kombiniert wurde, das war schwindelerregend. Einzig der Ball, er wollte nicht dorthin, wo wir ihn haben wollten. Bei Liverpool tat er das sehr wohl. Die Story unseres CL-Herbstes. Wenn du kein Glück hast, kommt auch noch Pech dazu. Salahs Doppelschlag war ein Potpourri aus Fehlern, Pech und Klasse. Gleichzeitig war es das Ende unserer Hoffnungen und die Erfüllung unseres eigentlichen Ziels: europäisch überwintern. So sind wir also zurück in unserem Bewerb, der UEFA Europa League. Infos zu den Tickets findest du HIER!