So funktioniert ein Spielertransfer

Transfers sind in aller Munde, dennoch sind die Hintergründe die große Unbekannte für Fußballfans. Das muss nicht sein. Wir decken auf!

Sommer: Die Saison ist vorbei, Spieler und Fans entspannen im Urlaub. Nicht so in den Geschäftsstellen der Vereine, dort rauchen die Köpfe, denn in der Gerüchteküche brodelt es. Wer geht, wer bleibt, wer kommt? Jetzt ist schnelles Handeln gefordert. Wir zeigen es vor. Stars raus, Talente rein: Mit Munas Dabbur, Hannes Wolf, Xaver Schlager und Stefan Lainer verließen klingende Namen die Roten Bullen. An ihre Stelle treten Nachwuchshoffnungen wie Rasmus Kristensen oder Maurits Kjaergaard. Transfers sind aufregend und bei jedem Gespräch über Fußball das Salz in der Suppe. Doch wie funktioniert ein solcher Transfer? Wir werfen für euch einen Blick hinter die Kulissen und erklären den Transfer in seinen einzelnen Schritten.


Aber alles der Reihe nach: Bevor sich ein Klub mit einem Transfer beschäftigen kann, wartet jede Menge Arbeit. Zunächst muss man als Verein definieren, was man sucht. Welche Anforderungen stellt man an den Spieler, was darf er kosten? Mit diesen Informationen wird die Scouting-Abteilung ins Rennen geschickt, die den „Markt“ sondiert. Per Video-Scouting und vor Ort wird den ausgewählten Spielern auf die Beine geschaut. Bei der Beobachtung macht man sich ein konkretes Bild über die Stärken und Schwächen des Spielers, erschließt sein Entwicklungspotenzial und eruiert, ob der jeweilige Kicker überhaupt zum Klub passt. Zu diesem Zeitpunkt weiß der Spieler noch nicht, dass er unter Beobachtung steht.

Erst mit der Bekundung des Interesses am Spieler startet für den Klub der eigentliche Transfer. Dabei meldet sich der interessierte Verein offiziell beim aktuellen Verein des Spielers. Die Gespräche beginnen. Läuft ein Vertrag noch länger als sechs Monate, muss vorab die Erlaubnis des abgebenden Vereines für Verhandlungen eingeholt werden. Läuft der Vertrag innerhalb von sechs Monaten aus, tritt man direkt mit dem Spieler und seinem Berater in Kontakt.


Danach geht es ans Eingemachte. Zum einen muss man sich mit dem Spieler und dessen Berater einigen, zum anderen müssen sämtliche Ablösemodalitäten mit dem abgebenden Verein geklärt werden. Dabei geht es um Vertragslaufzeiten, Gehalt und Prämien des Spielers. Mit dem Verein wird die Zahlung der Ablöse verhandelt. Häufig werden eine Ratenzahlung und eine Weiterverkaufsbeteiligung beim nächsten Transfer vereinbart. Besitzt der Spieler eine Ausstiegsklausel, vereinfacht das diesen Prozess, denn bei Aktivierung ebendieser kann der Verein keine zusätzlichen Forderungen stellen, ihm sind die Hände gebunden. In der Regel bekommen die Spieler keine Infos über die Ablösesumme, da diese ausschließlich zwischen den beiden Klubs verhandelt wird.


In diesem Zusammenhang stolpert man oftmals über die Begriffe „Solidaritätsbeitrag“ und „Ausbildungsentschädigung“. Ersterer ist dann zu bezahlen, wenn ein Spieler zwischen dem 12. und dem 23. Lebensjahr, vor Ablauf seines Vertrages, transferiert wird. Alle Vereine, die zu seinem Training und seiner Ausbildung beigetragen haben, erhalten einen Teil der Entschädigung. Diese ist je nach Dauer der Ausbildung beim jeweiligen Verein zu bemessen. Damit werden oftmals kleine Vereine im Unterhaus am Leben gehalten! Die Ausbildungsentschädigung wird hingegen dann fällig, wenn ein Spieler unter 23 Jahren, unabhängig davon, ob der Transfer während oder am Ende der Laufzeit des jeweiligen Vertrages wechselt. Die Höhe dieser beiden Beiträge ist im FIFA-Regulativ geregelt.

Parallel dazu, und bevor die Verträge unterzeichnet werden, muss der Akteur zum Medizincheck bzw. seine Leistungstests absolvieren. Für den aufnehmenden Klub ist das essenziell, schließlich könnten Verletzungen oder Leistungsdefizite vorliegen. Diese Tests sind nicht genormt und laufen bei jedem Verein anders ab. Erst wenn alle Stationen zufriedenstellend durchlaufen wurden, steht der Unterschrift nichts mehr im Wege und der Wechselprozess wird gestartet.


Bevor der Transfer final vollzogen wird, sind sämtliche Daten, die vom abgebenden und aufnehmenden Verein exakt übereinstimmen müssen, in ein Online-System einzutragen. Es müssen alle transferrelevanten Dokumente (Anmeldeschein, Vertrag, Identitätsnachweis, wenn nötig die Arbeitserlaubnis und eine Arztbestätigung) zeitgerecht in das System hochgeladen werden. Bei nationalen Wechseln über das Meldewesen des ÖFB, bei internationalen Übertritten wird das über das TMS (Transfer Matching System) der FIFA und das Meldewesen des ÖFB abgewickelt.


Bevor die Spielberechtigung erteilt wird, muss der abgebende Verein seine Zustimmung geben. Parallel dazu erfolgt die Abstimmung zwischen den Presseabteilungen der beiden Klubs. Wann und wie wird der Transfer vermeldet? Hierzu gibt es unterschiedliche Ansätze: Es gibt Transfers, die sofort über die Bühne gehen und so schnell wie möglich kommuniziert werden. In anderen Fällen erfolgt die Veröffentlichung von bereits fixierten Transfers erst zu einem späteren Zeitpunkt. Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich, zumal dies auf die Marketing-Strategien der Vereine Rücksicht nimmt.


Letztendlich muss man dem Neuzugang dann eine gewisse Eingewöhnungszeit zugestehen, ehe man darüber urteilen kann, ob der Transfer ein Erfolg ist. In der Vergangenheit haben wir schon oft bewiesen, dass wir ein Händchen für Talente haben, die bei uns innerhalb von zwei bis drei Jahren den Durchbruch schaffen und so das Interesse von europäischen Topadressen im Klubfußball wecken.