Wenn die CL-Hymne verstummt und sich die Ränge leeren, ist es Zeit für den Nachklang!

Zuerst glücklich, zeitweilig erschrocken, dann apathisch. Da war mehr möglich, sagt das Gefühl. Über einen Punkt in Neapel darf man nicht meckern, sagt die Vernunft. Was sagen die Fakten?

Fakten sind leicht gefunden, aber schwer interpretiert. Was es braucht, ist Kontext. Die Leistung gut, die Ausbeute dürftig. Wir hatten aus den ersten Spielen zu wenig mitgenommen. Das sorgt nicht für Druck, aber für Begierde. Schon absurd, dass wir mit diesem schmerzenden Erfolgshunger in der Stadt der Pizza das Schicksalsmahl gereicht bekamen. Das Ambiente war, nun ja, nicht gerade haubenwürdig. Laut, dreckig, mancherorts schäbig: Neapel tut wenig für seine Besucher. Es ist einer der Orte, an dem man gefühlt schon mit Rückstand den Rasen betritt.

Traumstart

Die Anfangsphase des Spiels ähnelte dem Charakter der Stadt: chaotisch. Rasant, wie sonst nur der neapolitanische Mopedverkehr, ging es von Tor zu Tor. Großchancen hier, Glanztaten dort, Pfiffe von den Rängen, es war ein wahres Tohuwabohu. Und mitten in die Aufregung hinein: ein Elfmetertor. Das Timing hätte nicht besser sein können. In der Startphase durch den einzigen Schuss aufs Tor im gesamten Spiel in Führung gehen. Es schien so, als ob uns endlich die Rendite für die beiden Niederlagen ausgeschüttet würde.

Glücksritt

Fast so, als hätten wir es uns mit Fortuna höchstpersönlich arrangiert, war das Glück in den Folgeminuten mit uns. Napoli verbuchte Chancen über Chancen. Die Fünferkette erwies sich als Bürde. Mal spielte Napoli clever die numerische Überzahl auf den Flügeln aus, mal wirbelten sie durch Rotationsbewegungen unsere Automatismen durcheinander. Durch die Tempovorteile der Stürmer zogen wir uns immer weiter zurück, was zwar die Räume hinter der letzten Linie minimierte, jedoch Löcher im System aufriss, die Napoli immer wieder für schnelle Seitenwechsel nutzte. Das Mittelfeld war überfordert, die Abwehr ebenso. Es hatte Züge von Tom und Jerry, doch irgendwie blieb der Kasten sauber. Bis kurz vor der Pause dann doch noch das Damoklesschwert fallen sollte. Bitter für uns, gebührend für die SSC. Die Italiener hatten bis dahin schon zwei Mal Aluminium getroffen und das Spiel mit über 60 % Ballbesitz dominiert.

SSC Neapel vs. FC Salzburg

Kontrastprogramm

Nach der Pause sollte sich das Spiel auf den Kopf stellen. Wir eiferten nach Spielkontrolle, Napoli nach langsamem Tempo. Beide Faktoren sollten sich einstellen. Addiert liefen die Teams in der zweiten Halbzeit um zehn Kilometer weniger als in der ersten. Es wirkte, als ob hier alle auf den Lucky Punch lauerten, ohne ihn erzwingen zu wollen. In keinem unserer vier Champions League-Spiele hatten wir weniger Spielanteile im gegnerischen Drittel als in der gestrigen Partie. Hört sich enttäuschend an, birgt aber den Nebeneffekt der defensiven Solidität. Klar, 30 Schussversuche von Napoli sind eine Menge. Doch wer das Spiel gesehen hat, weiß, dass von ihnen wenig Gefahr ausging. 19 von ihnen gingen daneben, acht wurden geblockt. Womöglich fühlt sich Napoli genauso um Punkte bestohlen, wie wir uns vor zwei Wochen. Man nenne es ausgleichende Gerechtigkeit, die zugleich auch Trost birgt. Allora va bene, dann es ist doch gut, würde der Italiener sagen. Ein Punkt in Neapel, wir dürfen stolz sein!

Das Spiel in voller Länge:

Erste Halbzeit:

plus
SSC Neapel vs. FC Salzburg Halbzeit 1

Zweite Halbzeit:

plus
SSC Neapel vs. FC Salzburg Halbzeit 2