Wenn die CL-Hymne verstummt und sich die Ränge leeren, ist es Zeit für den Nachklang!

Welch ein Abend?! Er war so anders und doch so gleich. Es ist die Art von Abend, an dem man Hemd gegen Anzug tauscht, mit offenem Mund durch die Gegend läuft und besser nicht seinen Blutdruck misst. Hat uns das 6:2 entzückt? Na, klar! Sollte es uns überraschen? Keineswegs!

Wenn das Stadion im Blau der UEFA Champions League erstrahlt, das grelle Scheinwerferlicht den Nachthimmel erleuchtet und die orchestrale Melodie der KönigsCLasse erklingt, unterscheidet erwachsene Männer auf dem Rasen nichts von Kindern zu Weihnachten die Augen funkeln. Es sind magische Momente, die nur den Wenigsten zuteilwerden. Versetzen wir uns in die Lage dieser Wenigen. Welchem Gefühlsausdruck wärt ihr am nähesten? Stolz, Gänsehaut oder Angstschweiß?

Bei unseren Burschen blieb es nicht bei Letzterem. Was ist es, das diese Mannschaft so abgezockt und doch so aufregend macht? Die Erfahrung? Mitnichten! Mit Andre Ramalho und Max Wöber verfügten nur zwei unserer Spieler über CL-Erfahrung. Die Philosophie? Schon eher! Wir haben ein paar Fakten ausgegraben, die euch die unfassbare Vorstellung unserer Mannschaft besser verstehen lassen.

Taktische Variabilität

Vor allem das Signalwort Gegenpressing wird häufig in einem Atemzug mit unserer Mannschaft genannt. Die Truppe von Jesse Marsch kann aber noch so viel mehr. Vom schnellen Angriffspressing bis zum kompakten Abwehrverhalten als Block in der eigenen Hälfte war gegen Genk alles zu sehen. Bei Letzterem blieben nur Erling Haaland und Hee Chan Hwang auf Höhe der Mittellinie, um auf lange Pässe zu warten. Ganze 19 Mal wurden klärende Bälle aus unserem Abwehrdrittel lang nach vorne geschlagen, häufiger als in jedem anderen Spiel in dieser Saison. Minaminos 40-Meter-Punt auf Hwang war die einleitende Aktion zum 2:0 durch Erling Haaland. Die Klärungsaktion von Zlatko Junuzovic wurde zur direkten Vorlage beim 3:0 durch Hwang.

Stärken ausspielen

Unter reiner Betrachtung der Qualität lassen sich kaum große Vorteile reklamieren. Genk war seit einem Dreivierteljahr die erste Mannschaft, die in Salzburg mehr Ballbesitz verbuchen konnte als unsere Roten Bullen. Das letzte Team, dem das gelang, war ebenfalls ein belgisches. Club Brugge bekam trotz 57 % Ballbesitz eine heftige 0:4-Rechnung präsentiert. Die Moral von der Geschichte: Vertikalität bringt Genialität. Mit 3,97 Pässen pro durchschnittlicher Ballstafette gingen wir stringent dorthin, wo es wehtut. Drei unserer sechs Tore folgten innerhalb von Sekunden auf Ballgewinne. Und trotz dieser risikoreichen Spielanlage können sich die trockenen Statistiken sehen lassen. 82 % unserer Steilpässe fanden einen Abnehmer. Gegen ein derartiges Niveau ist kein Kraut gewachsen.

Effizienz

13 Mal ballerten wir am gestrigen Abend auf die belgische Bude. Mit sechs Treffern kommt das einer 46-prozentigen Chancenauswertung gleich. Bei Nennung dieses Wortes muss folgerichtig auch Erling Haaland erwähnt werden. Aus nur vier Ballkontakten im Strafraum schnürte unser Norweger innerhalb von nur 45 Minuten einen Hattrick und freute sich im Stile eines Jugendkickers bei einem Hallenturnier. Der Triplepack macht ihn zum drittjüngsten Hattrickschützen in der Geschichte der UEFA Champions League, hinter den Größen Raul und Wayne Rooney. Nicht nur unser Stürmertank operierte auf Höchstniveau. Max Wöber agierte gewohnt routiniert. 92 % seiner Pässe kamen an. Mit 17 Balleroberungen stellte er seinen Bestwert aus dem Spiel Ajax gegen Heerenveen (März 2018) ein. Nur einer war in seinem Passspiel noch souveräner: Antoine Bernede. Unfassbare 97 % seiner Pässe waren erfolgreich. Dafür fehlen selbst uns gebührende Worte. Darum lassen wir euch mit einem Funfact zurück: Schon nach einem Spiel haben wir mehr Tore in der UEFA Champions League erzielt als alle anderen österreichischen Mannschaften, mit Ausnahme von Sturm Graz im Jahr 2000/01.

FC Salzburg vs. KRC Genk