Der Freitag im Zeichen der Youngsters

Zum Ende der Wochen jeweils ein Porträt: „Fridays for Future“ stellt unsere vielversprechendsten Talente in die Manege.

Nachname: Seiwald. Vorname: Nicolas. Jemand, der ins Auge fällt, schon allein wegen seines roten Schopfes, der entgegenglänzt, leuchtturmartig, wie seine Spielweise. Nici, gerade 19, ursprünglich aus Kuchl, sitzt gewöhnlich im zentralen Mittelfeld auf standhaftem Posten, das Spiel läuft um ihn, er ist dessen Mittelpunkt. „Ich wollte schon als Kind alles spielerisch lösen“, erinnert sich Seiwald an seine frühen Maestroqualitäten. Bis heute entwickelte er das zu einer Gewohnheitstat. Im Stile eines Rolls-Royce ist er kraftvoll, doch die Optik erscheint elegant-gleitend, so als hätte er immer Zeit am Ball. Kein Wunder, er lernt von den Besten. Kevin de Bruyne ist seine Blaupause. So ist Linearität seine Tugend. Für die Gegner bedeutet das: maximaler Schaden bei minimalen Ballkontakten, selten benötigt er mehr als zwei. Manifestiert hat Mr. Passmaschine das in der Red Bull Fußball Akademie, wo er im SoccerBot 360 den seit Jahren unangefochtenen Highscore aufgestellt hat. Dort gilt der baldige Maturant als Musterschüler. Schlau, ruhig und überlegt, so kennt man ihn, und das seit langer Zeit. Seit 2009 ist er Teil der Roten Bullen.

Nicolas Seiwald

Und obwohl man ihn als besonnenen Charakter kennt, kann das Gesicht manchmal die Haarfarbe annehmen. Läuft es nicht, ist Nicolas der Erste, der von jedem höhere Standards einfordert. Bei sich macht er da keine Ausnahme. Gerne stopft er auch auf der Außenbahn die Lücken und geht unbequeme Wege. Dank seiner Dynamik wird auch die Außenverteidigerposition zunehmend zum Thema. Das macht ihn, im Fußballneudeutsch, zu einem polyvalenten Spieler und zu mehr als einer Randnotiz in den Zukunftsplänen von Jesse Marsch. Im Wintertrainingslager zu Katar war er schon mit von der Partie, sein bisher größter individueller Erfolg, wie Seiwald versichert. Trotz seiner Qualität kam das bestimmt nicht erwartet, verging doch gerade etwas mehr als ein halbes Jahr zwischen seinem ersten Pflichtspieleinsatz für Liefering und dem Flug ins Emirat.

So könnte es schon bald sein, dass er, gemäß seines Traumes, als Teil des FC Red Bull Salzburg in Taxham trainiert, und dorthin auch seine ganz persönliche Eigenheit mitnimmt. Nach dem Training, andere wären erschöpft, ist Nici der Schnellste in der Dusche. Der junge Mann muss nach Hause, so als könnte er etwas versäumen. Die familiäre Bindung, vor allem zu seinem Bruder, ist stark. Scheinbar auch das Vertrauen, erst kürzlich ließ er sich von ihm die Haare stutzen.