Torschützen: Mane (9.), Robertson (25.), Salah (36., 69.) bzw. Hwang (39.), Minamino (55.), Haaland (60.)

Sie zitterten! Nach drei Gegentoren innerhalb von 21 Minuten wussten die Liverpooler nicht, wie ihnen geschah. Die Roten Bullen nahmen Van Dijk und Co. auf die Hörner, hatten aber Pech, dass sie nicht mehr als nur stolz nach Hause fahren durften.

Spielbericht

Der Mythos wurde Realität. Ohrenbetäubender Lärm an der Anfield Road, so laut, dass man die UEFA Champions League-Hymne kaum hören konnte. Ohne Erling Haaland, dafür im bewährten 4-2-2-2, gingen wir in die Begegnung, und das gleich in gewohnter Manier. Nach drei Minuten gab Takumi Minamino den ersten Warnschuss ab, Liverpool-Keeper Adrian musste nicht eingreifen. Das Tempo der Anfangsphase war rasant. Die Liverpooler übten Dauerdruck aus. Salah und Mane zogen das Spiel in die Breite. Fabinho und Henderson überraschten unsere Viererkette mit Underlaps. Aus einem solchen wurde es in Minute sieben brandgefährlich, als Firmino urplötzlich allein vor Cican Stankovic stand, den Ball zum Glück unserer Roten Bullen aber verstolperte. Zwei Minuten später war uns Fortuna nicht mehr so gut gesinnt. Mane drehte richtig auf, suchte den Doppelpass mit Firmino, fand ihn und mit dem nächsten Kontakt den Weg ins Tor, Prädikat: Weltklasse (9.).

In der Folge versuchten wir, das Spiel im Mittelfeld zu komprimieren und die Engländer in Zweikämpfe zu zwingen. Die Reds fühlten sich, ob der Bedrängnis, sichtlich unwohl. Die Offensivbemühungen fielen in den folgenden zehn Minuten weniger akzentuiert aus, doch die Gegenwehr Liverpools nahm wieder zu. Als hätte der Ball magnetische Wirkung, tanzte das Spielgerät von einem roten Fuß zum nächsten. Robertson zog von der Linksverteidigerposition 70 Meter im Vollsprint vor unseren Kasten. Dort bekam er das Spielgerät von Alexander-Arnold im Stile eines Fünf-Sterne-Kellners serviert. Der Schotte schob trocken zum 2:0 ein (25.). Waren die Reds satt? Nein, nur fünf Minuten später hatte Salah das 3:0 auf dem Schlappen. Waren unsere Burschen überfordert? Ja, so ehrlich muss man sein. Und wenn man kein Glück hat, kommt auch noch Pech dazu. Ein guter Versuch von Takumi Minamino fand in Adrian seinen Meister.

Dann zog auch der dritte Liverpooler Musketier seinen Degen. Nach Hereingabe von Sadio Mane scheiterte Mo Salah noch an Cican Stankovic, ehe er im Nachschuss unseren Keeper zum 3:0 überwand (36.). Ein Spiel wie A-Jugend gegen Kampfmannschaft, aber das sollte sich ändern. Mwepu luchste Liverpool-Captain Henderson den Ball ab und ging sofort in die Vertikale. Hwang empfing das Leder in der Box, wo er mit einem eleganten Hüftwackler Virgil van Dijk zu Boden und den Ball in die Maschen schickte (39.). Jetzt beherrschten wir auf dem Platz und auf den Rängen den Ton. Mit dem Anschlusstreffer hatten wir noch zur Halbzeit wieder einen Fuß in der Tür.

Der zweite Durchgang begann ähnlich dem ersten. Die Intensität war beiderseits gegeben, die Präzision jedoch nicht. So wurde es hektisch. Adrian lud Patson Daka beinahe zu einem Gratis-Treffer ein, als er völlig unmotiviert unseren Stürmer anschoss. Der Sambier konnte den Ball aber leider nicht kontrollieren, und so schrammte die Pille knapp am Gebälk vorbei. Das war ein Weckruf. Hee Chan Hwang und Dominik Szoboszlai kamen dem nächsten Treffer bereits nahe. Doch es sollte Takumi Minamino sein, der für unsere Roten Bullen nach einer Hwang-Hereingabe verwertete und den Euphorie-Pegel wieder steigen ließ (55.).

Hier ging noch was! Erling Haaland kam in die Partie, die Endorphine pumpten bis in die Haarspitzen. Was folgte, war eigentlich nur mit Emotionen zu beschreiben. Hoffnung, Erwartung, Ekstase! Wir fassten es nicht! Da tankte sich Taki Minamino auf dem Flügel durch, tunnelte mit seinem Stangler Virgil van Dijk und ja, da stand er: Big Earl, schoss den Ball ins Netz und sich ins kollektive Salzburger Herz (60.).

Als müssten beide Teams danach ihren Herzschlag beruhigen, verliefen die folgenden Minuten gemächlicher, bis Mo Salah seinen Riecher auspackte und justament in unserer größten Drangphase nach einem Ping-Pong-Spiel zum 4:3 abstaubte (69.).

Liverpool trachtete danach, im Anschluss an diesen wilden Ritt wieder in den Sattel zu kommen. Die Reds spielten auf Ballbesitz, und das gut. Nur selten gelang es uns, Nadelstiche zu setzen. Unsere Burschen versuchten unermüdlich, das Remis zu erkämpfen, aber das letzte Quäntchen Glück war uns an diesem Abend nicht vergönnt. Nicht wenige in Liverpool werden jedoch behaupten, dass wir der stärkste Gegner waren, den man an der Anfield Road in dieser Saison gesehen hat.

FC Liverpool vs. FC Salzburg

Statements

Jesse Marsch

Wir hatten zunächst zu viel Respekt vor Liverpool. Das hat viele Fehler hervorgerufen, die wir nicht hätten begehen sollen. Mit unserem ersten Treffer ist das Vertrauen zurückgekommen. Danach haben wir fast alles richtig gemacht. Ein unglücklicher Treffer von Mo Salah hat uns heute um den gerechten Lohn gebracht.

Ich glaube, die Burschen sind ein bisschen enttäuscht. Sie haben gemerkt, dass sie hier auf Augenhöhe waren. Es war eine unglaubliche Leistung von ihnen. Wenn wir das gegen Napoli von Anfang an so spielen, haben wir gute Chancen.

Jürgen Klopp:

In den ersten 30 Minuten haben wir wahrscheinlich den besten Fußball unserer Saison gespielt. Dann haben sie ihr System umgestellt und das hat uns Probleme bereitet. Salzburg hat sich einfach nicht brechen lassen. Die meisten Spiele sind nach einem 3:0 vorbei. Wir haben es Salzburg spannender machen lassen, als es nötig war.

Salzburg hat es einfach toll gemacht. Ich habe davor gesagt, dass sie gut sind, auf dem Platz haben sie jetzt genau das unter Beweis gestellt. Wir haben sie schnuppern lassen, und sie haben es eiskalt ausgenützt.

 

Wechsel

Haaland für Daka (57.), Okugawa für Szoboszlai (71.), Ashimeru für Junuzovic (78.)

Gelbe Karten

keine

Nicht einsatzbereit

Walke (Fußwurzel), Bernede (Schienbein)