Gut, weil schlicht

Wir wurden nie nervös. Das spricht Bände!

Eine Vorstellung wie skandinavisches Design. Kühl, schlicht, da und dort hölzern, doch niemals wackelig.

Größe ist eine Frage der Betrachtung. Salzburg gegen Schwarz-Weiß Bregenz: groß! Unsere Roten Bullen gegen Liverpool: klein. Diese Verhältnismäßigkeit ist der Grund, warum Sympathien wandern. Wir alle lieben den Underdog, wollen die Sensation oder gönnen es dem Großen einfach nicht. Und wenn der vermeintlich Große 11 Mal an derselben Herausforderung scheitert, bemitleiden wir ihn nicht, wir verhöhnen ihn und schaffen einen Mythos, der sich in den Kopf des Großen setzt und zur selbsterfüllenden Prophezeiung wird.

Kurzum: Wir haben uns zu oft selbst geschlagen. Die große Herausforderung waren nicht die Spiele im Play-off, sondern die Emanzipation vom Hirngespinst vergangener Zeiten.

Erwachsen

Blickt man zurück, ist ein Umstand bemerkenswert: Generationen von Spielern, die im Grunde nichts gemeinsam hatten, die Erfahrung des Scheiterns nicht teilten und sich, ob ihrer zeitlichen Trennung, auch gar nicht gegenseitig davon erzählen konnten, scheiterten an derselben Sache. Es musste also irgendwie ansteckend sein. Die gebetsmühlenartige Erzählung in den Medien, stets begleitet durch ein süffisantes Grinsen, sie prägte unser Schaffen zu sehr.

War es die Erfahrung der letztjährigen Teilnahme oder der Umstand, dass der Großteil der Mannschaft in keinem Quali-Aus persönlich auf dem Feld gestanden war, sie wirkten unbeeindruckt, so, als hätten sie von dem ganzen Palaver noch nie etwas gehört. Jesse Marsch meinte nach dem Spiel, dass man neue Geschichte geschrieben hätte. Ein wenig so, als hätte man sich so weit von der Vergangenheit entbunden, dass man, darauf angesprochen, nicht mehr verletzt reagiert, sondern nur noch darüber lachen kann.

FC Salzburg vs. Maccabi Tel Aviv

Tun, was man tun muss

„You can only beat, what’s ahead of you, eine englische Fußballweisheit, tiefgründig wie der Neusiedler See, aber trotzdem wahr, mit allen damit verbundenen Konsequenzen. Natürlich war Maccabi Tel-Aviv arg geschwächt und kam mit dem letzten Aufgebot. Man wollte aus unserem Willen eine Pflicht machen. Man sagte, gegen dieses Maccabi zu scheitern, wäre eine Katastrophe düdelingschen Ausmaßes. Ob das denn wirklich so gewesen wäre, ist und bleibt ein Hypothesenkonstrukt, dem wir uns nicht auch nur annähernd gewidmet haben.

Und recht so, das Leben ist so simpel, wenn man sich auf die wesentlichen Dinge konzentriert. 90 Minuten, der Gegner heißt Maccabi Tel-Aviv und wir wollen gewinnen, that's it. Wer nach dem Anschlusstreffer zum 1:1 zu rechnen begonnen hätte, wäre nervös geworden. Wir haben stattdessen mit dem unverkopften Streben nach einem Sieg einfach weitergemacht. Auswärtstorregel, UCL, Brisanz, das war alles egal. So sehr, dass Dominik Szoboszlai nach dem Spiel im Interview sagte: „Das Wichtigste sind die drei Punkte.“ Der hatte schon ganz vergessen, worum es ging, weil es eben nichts zur Sache tat.

Und egal, wie schlicht oder glorios der Aufstieg daherkommt, es interessiert niemanden, denn wir sind in der UEFA Champions League! Mic drop!

Dear Europe, we're back! #neverstop