Same old

Die lange Geschichte des tapferen Verlierers

Liverpool, Napoli, Atletico: Unsere größten Sympathiebringer sind Begegnungen, die wir verloren haben. Woran das liegt? Wohl an der Mentalität …

3:4, 2:3, 2:3 – in der Wissenschaft ist die wiederholte Beweisbarkeit eines Zustands ein Zeichen für dessen Evidenz. Sprich: Was öfter passiert, kann kein Zufall sein. Von Pech zu sprechen, wäre also zu einfach. Wir müssen uns den Fakten stellen.

You don’t win things with nice guys!”

sagte Jose Mourinho in der Dokumentation All Or Nothing. Man kann the Special One lieben oder hassen, dazwischen gibt es wenig. Über seine Expertise kann man aber nicht streiten. Wir sind gut, aber sind wir zu nett? Ist in der Königsklasse, wo die hochgezüchtetsten aller professionellen Mannschaften aufeinandertreffen, der Bad-Guy-Faktor, der die letzten Prozente bringen soll, unerlässlich? Die Historie zeigt: Man kann als Kleiner, Guter und Braver überraschen, sonst wären wir nie in das Semifinale der UEFA Europa League eingezogen. Die ganz großen Würfe, Siege in entscheidenden Partien, gelingen Underdogs aber selten. Der Letzte, der dies in der UCL auf großer Skala vollbrachte, war der FC Porto mit seinem Titelgewinn 2004. Und wer war der Trainer? Jose Mourinho!

Wie macht man sich also böser als man ist? Man muss an die Grenzen des Erlaubten gehen, dem Spiel das Momentum aufzwingen, bevor es der Gegner tut. Allein der Umstand, dass wir im Wanda Metropolitano mit 2:1 in Führung gehen konnten, ist herausragend. Dass die Führung gerade einmal fünf Minuten hielt, ist ein Zeichen, dass wir es nicht verstanden haben, das positive Momentum nach unserem Treffer für uns zu nutzen. Atletico gab die postwendende Antwort, Bad Guys, starke Mentalität.

Qualität im Zweifelsfall

Trotz der Führung wussten wir, dass es gegen Atleticos Klasse schwer bleiben würde. Das Vertrauen in das eigene Talent holte die Rojiblancos zurück auf die Beine, nachdem sie schon in den Seilen hingen. Qualität schafft Zweifel. Und im Zweifel gewinnt die Qualität. Nicht nur in unserer Begegnung war das so. Mönchengladbach gab in den letzten Sekunden einen verdienten Sieg gegen Real Madrid aus der Hand. Lok Moskau hatte die Bayern am Rande einer Niederlage, verlor aber trotzdem.

Jesse Marsch spricht häufig von der Mentalität. Nicht ohne Grund. Wenn sich 22 Männer treffen, um Fußball zu spielen, geht es nicht nur um die Bolzerei, sondern auch um die Psychologie. Nur mit an Respektlosigkeit grenzender Selbstsicherheit gewinnt man auf höchster Ebene, speziell, wenn es so eng zugeht wie gestern.

Enthusiasmus und Erfahrung

Es ist also nur ein Quäntchen, das fehlt. Eines, das nicht jeder bieten kann, aber eines, das einen Namen hat, bekannt ist und daher erarbeitet werden kann. Jede dieser Beinahe-Erfahrungen lässt unsere Kenntnis vom Spiel auf der großen Bühne wachsen. Letztes Jahr Greenhorns, heuer etabliert, man kennt uns. Was wir nach unserer dritten Fast-Überraschung wissen: Enthusiasmus bringt dich in Führung. Erfahrung bringt dich über die Ziellinie. Es ist nicht so, als würde uns das Rüstzeug für die UEFA Champions League fehlen. Nein, wir wissen, dass wir nun fester Bestandteil der Königsklasse sind. In unserem erst achten Spiel in der UCL machten wir wieder eine schmerzhafte Erfahrung, doch die gehört dazu. Nur die schmerzhaften sind die lehrreichen.

Highlights, Atletico Madrid, FC Salzburg