Zombiemodus

Totgesagte leben länger, sind aber schlagbar

Arg geschwächt, am Zahnfleisch, nur Formsache … von wegen! Maccabi überraschte mit Glück und Mut, verlor aber dennoch.

Beginnen wir mit Sokrates: „Ich weiß, dass ich nichts weiß!“ Manchmal wäre es klug, sich in Zurückhaltung zu üben. Ein Spiel gegen einen internationalen Gegner, drei Flugstunden von daheim, während der größten Pandemie seit Dekaden, gegen ein stark dezimiertes Team. Zusammen ergibt das eine trübe Melange, die niemand je gekostet hatte. Schlichtweg: Keiner wusste, was kommt. Alles, was man zu wissen glaubte, waren Mutmaßungen.

Und um gleich die zweite Allerweltsweisheit zu bedienen: „Danach ist man immer klüger.“ Viele Ungewissheiten können wir seit gestern zu unseren Erfahrungswerten zählen. Darin verbirgt sich auch der Grund, weshalb sich der Abend schwierig gestaltete. Es war Forschung mit Gewinnabsicht.

Ironie des Play-offs

Wenn Cup-Spiele ihre eigenen Gesetze haben, dann hat das Play-off gar keine. Am Anfang war das Chaos. Justament durch den ersten Torschuss erzielten die Israelis den Führungstreffer, völlig entgegen dem Spielverlauf. Bis zur neunten Minute hatte sich Maccabi kaum aus der eigenen Hälfte gewagt. Doch was nach Chaos aussah, hatte Struktur. Man merkte, dass die Gelben trotz des Tohuwabohus in ihrem Camp einen stringenten und durchdachten Matchplan verfolgten. In einem Hybrid aus engmaschig-giftiger Solidität und kühn-entschlossenem Pressing verteidigten sie in Intervallen stets verschieden und stellten uns so vor stetig neue Aufgaben in der Spielgestaltung.

Maccabi Tel Aviv vs. FC Salzburg

Seiten- und Paradigmenwechsel

Hoch, weit, kurz, breit, 45 Minuten warfen wir alle erdenklichen Antworten auf das stumpfe Grün in Tel Aviv. Mal um Mal schaffte es Maccabi, jede neue These zu falsifizieren. Es waren Ideen und die richtigen Worte von Jesse Marsch gefragt. Betreten-fragende Gesichter verließen schleichend das Feld, inspirierten Blicks kamen sie zurück. Sekou Koita für Mergim Berisha und mehr Hunger auf zweite Bälle waren genug, um die Partie in Windeseile zu drehen. Die Zahlen erzählen die Geschichte noch deutlicher. Waren es in der ersten Halbzeit noch über 300 Pässe unserer Burschen, verbuchten wir in den zweiten 45 Minuten nicht einmal 200, aber diese mit mehr Schmackes und Richtung. Vertikalität, Augen zu und rein in die Box, so erzielten wir, vereinfacht gesagt, unsere Treffer.

Quo vadis

Hätte, wäre, wenn … Noah Okafor lag das 3:1 auf dem Füßchen, Maccabi das 2:2 aber genauso. Für das Rückspiel ergibt sich dadurch eine perfide Lage. Angesichts der Umstände hätten wohl wenige im Kreise Maccabis ein 1:2 im Hinspiel ausgeschlagen. Alles kann, nichts muss. Ohne Druck ist für den israelischen Meister noch alles möglich. Mehr als eine Warnung ist das für unsere Roten Bullen aber nicht. Talent, Heimvorteil und Heimspielergebnis sind auf unserer Seite.

Das Spiel in voller Länge:

plus
Re-Live: MTV vs. FCS