Villarreal auf Tauchgang

Die Submarinos erleben ein Formtief

In La Liga mau, aber im europäischen Geschäft erfahren, Villarreal setzt seine Hoffnung in Trainergenie Unai Emery.

„Good ebening“, die Floskel, die er zu Beginn jeder Pressekonferenz ausstieß, ob morgens oder abends, blieb das einzige Vermächtnis von Unai Emery nach seinem Job bei Arsenal. Der Prophet zählte nichts im fremden Land, er wurde von der Weltbühne gebuht. Doch man tat dem Basken unrecht. Zurück in Spanien zeigt er wieder, was er kann, zurück in seinem Bewerb will er wieder einen Lauf starten. Die UEFA Europa League hat er drei Mal in Folge gewonnen, 2014, 2015 und 2016 mit Sevilla. Er weiß, was es braucht.

Ob sein Team das auch liefern kann? Nun ja, das Sevilla-Team verflossener Zeiten ist qualitativ bestimmt über das heutige von Villarreal zu stellen. Die Erfahrung der damaligen Zeit tragen neben Trainer Emery auch die beiden Haudegen Carlos Bacca und Vicente Iborra mit sich, die damals wie heute unter ihm spielen. Sie wissen, worauf es unter Emery ankommt. Die erste Priorität gilt immer der Fehlervermeidung. So kommt es, dass die Submarinos, so der Beiname Villarreals, ihre letzten drei Ligaspiele mit schlechten Leistungen eben nicht verloren, sondern allesamt remisierten. Seine Teams sind schwer zu schlagen. Eine Qualität, die Emery immer wieder half, sich über Auswärtstore bis zum Titel zu spielen.

Lazarett der Kopfschmerzen

Die etatmäßigen Außenverteidiger Mario Gaspar und Alberto Moreno sind derzeit genauso rekonvaleszent wie Vicente Iborra und Flügelflitzer Samu Chukwueze. Es herrscht Not, und die macht bekanntlich erfinderisch. Beim enttäuschenden 0:0 gegen Huesca vor zwei Wochen packte Emery erstmals in der laufenden Saison die Dreierkette aus. Die Intention wirkt plausibel. Viel in seinem System steht und fällt mit den Außenverteidigern, die bei jeder Möglichkeit die inversen Flügelspieler überlaufen sollen. Weil er sich dort nicht auf sein Stammpersonal verlassen kann, wollte er eine Extraabsicherung durch einen zusätzlichen Innenverteidiger. Das Resultat war das langweiligste Spiel seit Beginn der Aufzeichnungen, sagen nicht wir, sondern Fans im Villarreal USA Podcast.

Das Team kann Spiele über den Ballbesitz kontrollieren. Kein Wunder, wenn man Spieler wie Manu Trigueros, Dani Parejo und Paco Alcacer in seinen Reihen hat. Was fehlt, ist Tempo, speziell in der Spitze. Moreno, Alcacer und Bacca haben Qualität, aber kaum Geschwindigkeit. So quält sich das gelbe U-Boot durch die nationalen Gewässer, obgleich man durch die wenigen Niederlagen noch immer auf Platz fünf der Primera Division rangiert. Dass diese Solidität ein System hat, haben wir bereits erwähnt. Sie hat aber auch einen Namen: Pau Torres. Der Innenverteidiger, gerade 24, ist der Kingpin im Estadio El Madrigal. Er ist schwer zu überwinden, eröffnet das Spiel und scheut sich nicht, durch mutige Dribblings bis tief ins Mittelfeld Chaos zu stiften. Bei Letzteren zählt er eine statistische Erfolgsquote von 78 Prozent!

Um es also auf zwei elementare Punkte zu konzentrieren: Wenn man Villarreal schlagen will, muss man das Flügelspiel unterbinden und schnell die Räume hinter Pau Torres attackieren. Viele Chancen wird es allerdings nicht geben. Die Fehlervermeidung steht, wie schon in der UEFA Champions League, ganz oben auf der Agenda.