Zartbitterer Genuss

Sieg ohne Schönheitspreis kommt zum besten Zeitpunkt

Die Symbolik des ersten Spiels nach der Winterpause ist nicht zu unterschätzen. Dass die Analyse weder himmelhoch jauchzend noch zu Tode betrübt ausfällt, ist das Beste, was passieren konnte.

Geglückte Standortbestimmung mit Potenzialen

Kurze Vorbereitung, kaum Testspiele, erstes Spiel auswärts, der Frühjahrsauftakt war heimtückisch, nicht nur heuer, das war er immer. Die letzten beiden Saisonen gab es Niederlagen im ersten Spiel des Kalenderjahrs, 2020 gegen den LASK (2:3), 2019 gegen Rapid (0:2). Wir wissen, wie die Schlagzeilen der Tageszeitungen nach solchen Spielen lauten. Obgleich das nichts an unserem Zugang ändert, die nötige Ruhe und die wohltuende Selbstbestätigung nach einer langen Zeit ohne Standortbestimmung tun der Mannschaft gut.

Gleichzeitig haben Auftaktspiele oft einen trügerischen Charakter. Sie sind eben auch nur Vergleiche über 90 Minuten, gegen einen spezifischen Gegner, in einer bestimmten Tagesverfassung. Gut also, dass es weder eine Sensation noch ein Schock der negativen Art war, der uns gestern nach dem Sieg gegen Altach zurückließ. Positives und Negatives, sachlich, emotionsarm, die Betrachtung des Spiels gibt zu wenig, um euphorisch zu werden, andererseits auch deutlich zu viel, um in Panik zu verfallen.

Fehlervermeidung als oberste Priorität

Klar war es schon einmal aufregender, aber das war nie der Punkt. Jesse Marsch nahm nach dem Spiel etwas verwundert zur Kenntnis, dass im Sky-Interview nur negative Fragen zum Spiel kamen. Dass man zu null gespielt habe, stünde im Vordergrund, meinte unser Coach. Schon paradox, dass er dies doppelt und mit Nachdruck betonen musste, zumal Gegentore wohl der häufigste Kritikpunkt im Herbst waren. Die Wahrheit ist, dass Fehlervermeidung auf dem Weg zu Titeln unerlässlich ist. Je anspruchsvoller die Konkurrenz, desto geringer die Anzahl der Fehler, die verziehen werden, das hat uns die UEFA Champions League gelehrt.

Dass es unseren Kombinationen nach fünf Wochen ohne Wettkampf ein wenig an Leichtigkeit fehlte, ist verständlich. Die Altacher haben es uns mit ihrem Defensivverhalten auch nicht leicht gemacht. Aber genau diese Siege zu holen, ist eine hohe Tugend. Wer nur jene Spiele gewinnt, die er fabelhaft bestreitet, wird am Ende nicht Meister.

BL-13: ALT vs. RBS