Zusammenfassung des Mediengesprächs in Leipzig

Ralf Rangnick hat gestern vor dem deutschen Zweitliga-Schlager zwischen RB Leipzig und Kaiserslautern zu etlichen Themen Stellung genommen, die auch den FC Red Bull Salzburg betreffen und für einiges an Echo gesorgt haben. Hier eine Zusammenfassung der wesentlichsten Statements unseres Sportdirektors.


... mögliche Spielerwechsel von Salzburg nach Leipzig im Winter: „Das will ich nicht völlig ausschließen, das hängt aber auch mit der Situation in Salzburg zusammen. Nehmen wir den Fall Kevin Kampl: Dass wir dann noch in der Europa League spielen, ist Mindestvoraussetzung. Sonst könnte ich mir vorstellen, dass Kevin sagt, nur für ein halbes Jahr österreichische Bundesliga und Pokal bleibe ich nicht hier, dann wechsle ich lieber schon im Winter. Er ist keine 19 mehr, wo er sagt, das halbe Jahr schadet mir nicht, es ist eher andersrum, dass er sagt, dass er schon im Januar in einer leistungsstärkeren Liga spielen will. Es hat also damit zu tun, ob wir noch in der Europa League spielen, aber auch ein bisschen mit der Tabellenkonstellation in Leipzig. Und es hat auch etwas mit Positionen zu tun. Das wird auch immer ein bisserl vergessen. Nehmen wir das Beispiel Georg Teigl. Dieser Transfer vor einem Jahr hat absolut Sinn gemacht für alle Beteiligten. Das war eine Win-Win-Win-Situation. Die Spieler haben aber natürlich keine Verträge, dass sie in Salzburg oder Leipzig spielen müssen.“

... die sportlichen Ziele von Salzburg: „Da ändert sich gar nichts. Wenn du junge Spieler holst und sie entwickelst, ist es klar, dass sie irgendwann gehen werden. Das war auch Teil unseres Deals mit den Spielern damals, zwar nicht schriftlich, aber mündlich, dass wir, wenn sie bereit sind für den nächsten Schritt, sie nicht blockieren wollen in ihrer Entwicklung. Wir wollen aber in Salzburg trotzdem so erfolgreich wie möglich sein. Wir wollen Spieler entwickeln, wir wollen österreichischer Meister werden, wir wollen in die Champions League. Ich glaube, das ist aber nur mein Gefühl, wir werden es erstmals dann schaffen, wenn keiner groß damit rechnet. Es ist ja nicht damit getan, dass wir sagen ‚wir wollen das unbedingt schaffen‘. Nehmen wir Malmö: Wir konnten im Rückspiel nur verlieren, die nur gewinnen. Es hat schon ein bisserl mit Sätzen wie ‚wenn nicht jetzt, wann dann‘ oder ‚wir müssen es in diesem Jahr schaffen‘ zu tun. So funktioniert es halt nicht im Sport. Es hat auch mit einer gewissen Leichtigkeit und Unbeschwertheit zu tun. Aber noch mal zurück zu den Zielen: Wir werden auch in Salzburg für die kommende Saison eine Mannschaft zusammenstellen wollen, die so gut ist, dass sie in Österreich Meister werden kann und auch, und das ist für mich das Allerwichtigste, einen Fußball spielt, der mit Wiedererkennungswert zu tun hat.“

... über den FC Liefering: „Diese Mannschaft macht mir irrsinnig viel Spaß genauso wie die Entwicklung der Spieler. Das ist eigentlich eine U-19. Die dürfte, wenn sie komplett ist, auf sieben Positionen noch in Deutschland in der A-Jugend spielen. Das sind fast alles Jahrgang 1996 oder wie Konrad Laimer noch jünger. Und die spielen in der zweithöchsten österreichischen Profiliga so, dass sie jetzt den Tabellenführer geschlagen haben. Unser Ziel muss sein, dass nächstes Jahr der eine oder andere oben spielen kann. Der Weg, den wir vor zwei Jahren eingeschlagen haben, der führt dazu, dass uns die, die sich in Salzburg am besten entwickelt haben, den nächsten Schritt machen wollen. Für die müssen die nächsten da sein, die deren Plätze einnehmen. Die müssen die Chance bekommen, den gleichen Weg zu gehen. Das ist ein sich immer wieder wiederholender Prozess.“

... über seine Kritik an der adaptierten Spielweise von Salzburg: „Da muss man differenzieren zwischen Spielsystem und Spielphilosophie. Das sind zwei Paar Schuhe. Die Frage ist: Wo attackieren wir oder attackieren wir überhaupt? Unter Roger Schmidt haben wir sechs, sieben Monate einen ganz besonderen Fußball gespielt, der nicht nur in Österreich und Deutschland für Aufsehen gesorgt hat. Das war eine Benchmark, die wir mit unserem Fußball gesetzt haben. Diesen Fußball stellen wir uns vor. Aber uns ist klar, dass Leistungen wie gegen Ajax nicht beliebig produzierbar sind. Das war bei Roger auch nicht der Fall. Dieses Jahr haben wir erfolgreich begonnen. Dann kam dieses einschneidende Erlebnis Malmö. Das war für alle Beteiligten schwer zu verdauen. Und dann kamen mehr Verletzte dazu, als man sie normalerweise hat. Deshalb konnten wir auch nicht so rotieren, wie es eigentlich geplant war. Dass man dann sagt, wir können nicht mehr so weit vorne attackieren, sondern 20 Meter weiter hinten, ist für mich völlig nachvollziehbar. Nur dann gab es schon eine Phase, wo wir 20 Meter weiter hinten standen, aber trotzdem nicht attackiert haben, also gar kein Pressing gespielt haben. Das habe ich zum Ausdruck gebracht. Das hat sich in den letzten Wochen aber wieder deutlich verbessert. Wir haben jetzt mit einem 4-3-1-2 eine andere Grundordnung, die für mich eine logische Folge des Weggangs von Sadio Mane ist. Wir haben keinen zweiten Mane im Kader. Deshalb können wir das alte 4-2-2-2 nicht mehr spielen. Im neuen System haben wir jetzt auch Platz für Massimo Bruno, um zu zeigen, dass wir nicht völlig danebengelegen sind mit seiner Verpflichtung.“

... Spielerwechsel von Leipzig nach Salzburg: „Die gab es ja schon mit Fabian Bredlow, Smail Prevljak oder den Brasilianern Pires und Venuto. Bei beiden sieht man in Liefering wie gut die sind. Das sind für mich hochinteressante Spieler. Pires ist vielleicht noch einen Tick interessanter, weil er einen fantastischen Körper hat, groß, athletisch, schnell wie die Sau. Das ist ein Spieler, dem man den nächsten Step in Salzburg ermöglichen muss.“

... den Ausbildungsverein Salzburg: „Für mich hat sich in der Sichtweise nichts geändert. Salzburg wird kein Ausbildungsverein und wenn, dann für uns selbst. Wenn ich gesagt habe, Salzburg wird kein Ausbildungsverein, dann habe ich gemeint, nicht für andere Mannschaften. Durch das österreichische Ligaformat kann man keinem Spieler verdenken, dass er einmal den nächsten Schritt machen will. Aber wir müssen so aufgestellt sein, dass wir die nächsten Toptalente schon wieder holen. Nehmen wir Naby Keita. So ein Spieler ist, wenn wir ihn etwa in drei Jahren entdecken, ein Spieler, bei dem wir sagen würden, erstmals ausbilden in Salzburg, und dann ist er vielleicht bereit für den nächsten Step. Deswegen ist Keita aber immer noch ein herausragender Spieler, der vielleicht in zwei Jahren soweit ist, dass er dann in Leipzig hoffentlich in der ersten Liga spielen kann.“

... Teamspieler Martin Hinteregger: „Auch bei ihm wird sich irgendwann die Frage stellen, was er machen wird. Bei einem Innenverteidiger kann man vielleicht sagen, dem tut es gut, wenn er noch ein Jahr auf diesem Level spielt. Aber auch er ist irgendwann bereit für den nächsten Schritt, wenn er sich so weiter entwickelt. Martin ist aber vielleicht ein bisserl heimatverbundener als andere. Er hat eine Bindung zur Region, zum Verein, zu Red Bull. Das ist für mich ein positiv anderer Typ von Fußballer, als man sie normalerweise kennt. Und das finde ich fantastisch.“

... die Verpflichtung von Marcel Sabitzer und Massimo Bruno über den Umweg Leipzig: „Es gab zwar triftige Gründe, die auch bei den Spielern und ihren Managern lagen, aber im Rückblick gesehen, wenn wir die Uhr zurückdrehen könnten, würden wir es so nicht mehr machen. Daraus haben wir gelernt. Wenn wir einen Spieler verpflichten, dann kommt er dorthin, wo er dann auch spielt. Da haben wir uns unnötig angreifbar gemacht. Wir verschieben sonst die Spieler nicht wie Schachfiguren, sondern versuchen im Sinne der Karriereentwicklung sinnvolle Schritte zu machen.“

... eine mögliche Neuverpflichtung eines Innenverteidigers: „Die Innenverteidigung ist aber ein spezielles Thema. Dass Vorsah und Rodnei ausfallen werden, war klar oder zumindest nicht unvorhersehbar. Dass Schiemer auch nur sehr selten zur Verfügung stehen wird, war vielleicht ein Stück vorhersehbar. Aber wir haben Sörensen genau dafür geholt, dass er aufgebaut wird für einen unserer beiden Innenverteidiger. Dass der aber auch noch zu einem Dauerpatienten wird, damit konnten wir nicht rechnen. Er ist ein außergewöhnlicher Spieler. Ich hoffe inständig, dass er jetzt gesund bleibt. Mit Caleta-Car und Gugganig haben wir die nächsten Jungen. Ich hoffe, dass sie schon im Frühjahr Spielpraxis bekommen, dass wir ähnlich wie bei Andre Ramalho ein Eigengewächs bei uns reinwachsen lassen können. Wenn wir jetzt in der Winterpause einen Innenverteidiger von auswärts holen, wenn wir ihn nicht gerade von Hoffenheim oder Mainz verpflichten, dann braucht der einmal ein paar Monate, bis er halbwegs weiß, was bei uns eigentlich verlangt wird. Wenn er so gut sein soll, dass er einen unserer Stammspieler ersetzen kann, falls der einmal geschont wird, dann braucht er schon eine gewisse Qualität. Diese Frage haben wir uns im Sommer gestellt. Wenn wir so einen holen, dann kostet er Geld und blockiert unsere Jungen. Deshalb muss man ganz genau abwägen. Wir waren im Sommer etwa an Kempf von Eintracht Frankfurt interessiert, aber der ist nach Freiburg gewechselt. Erfahrene Innenverteidiger zu holen und gleichzeitig auf das Segment junge Spieler zu setzen, ist schwierig. Das ist eine Position ähnlich wie beim Torhüter, wo ich überzeugt bin, dass wir sie selber entwickeln müssen.“

... mögliche Salzburger Winter-Neuzugänge: „Wir werden nur Spieler holen, wenn wir diese auch im nächsten Sommer holen würden, die uns nachhaltig auf Sicht weiterbringen würden. Dann macht so was Sinn. Sollte Andre Ramalho womöglich schon in der Winterpause wechseln, müssten wir ihn mit einem Neuzugang ersetzen. Das ist klar. Dann würden wir alle Hebel in Bewegung setzen, dahingehend sind unsere Scouts bereits seit Wochen informiert.“

... über die Salzburger Transferphilosophie: „Dass wir zuerst in Österreich schauen, ist ja klar, siehe etwa Cican Stankovic, den wir ja bereits von Grödig verpflichtet haben. Bei Spielern aus der Bundesliga, die uns weiterhelfen würden, stellt sich aber auch immer die Frage, 'wollen die überhaupt zu uns?'. Dass wir auch in unserem eigenen Nachwuchs und in Liefering schauen, ist ebenso klar. Und dann schauen wir im deutschsprachigen Raum. Nils Quaschner ist da ein sehr gutes Beispiel. Ich bedaure zutiefst, dass er sich verletzt hat. Der Junge war auf einem sensationellen Weg, sein Ausfall tut uns richtig weh. Es macht absoluten Sinn, dass wir in Deutschland in den diversen U-19- und U-23-Mannschaften der Erstligaklubs schauen, ob da ein Junge dabei ist, für dessen Karriereentwicklung der Schritt nach Salzburg absoluten Sinn macht.“