Eine Frage des Feingefühls

Innerhalb von wenigen Tagen vieles richtig gemacht

Nach der Machtdemonstration im Cup sollte es auch in der Liga ähnlich deutlich werden. Auffällig dabei: Jesse Marsch vertraute trotz englischer Woche im Vorgang demselben Personal wie am Mittwoch. Zeit, um ein wenig über Rotation zu sprechen.

Die Mischung scheint gefunden

Warum rotiert ein Trainer eigentlich? Es gibt nur drei Möglichkeiten: Verletzungsprophylaxe, Spielerzufriedenheit oder weil er nicht weiß, was seine beste Elf ist. Es gibt also gute und schlechte Gründe dafür. Besonders hier, bei der Mannschaftsaufstellung, sind die Augen der Beobachter besonders geschärft, wobei ein Prinzip immer gilt: Wer gewinnt, hat recht. Das bekannte Hätte-Wäre-Wenn wird erst dann bedient, wenn etwas schiefgeht.

Für Jesse Marsch war es also ein angenehmer Wochenabschluss, und das, obwohl es am letzten Wochenende noch ganz anders um das werte Wohlbefinden bestellt war. Als er drei Tage später mit leicht verändertem Personal gegen Sturm gewann, war das eine Demonstration der eigenen Stärke. Gestern ließ er ebendiese Gewinner vom Mittwoch wieder auflaufen und es funktionierte. Von nun an sind die englischen Wochen Vergangenheit. Man muss keine Rücksicht darauf nehmen, Spieler zu schonen.

Spieler schonen, das ist ja ohnehin ein Unding, zumindest, wenn man auf die Öffentlichkeit, dafür aber nicht auf die Physiotherapeuten hört. Es hat eine gewisse Anrüchigkeit, davon zu sprechen. Einerseits wäre es arrogant, weil es den Gegner gering schätzt, andererseits wären die Spieler zu verwöhnt, die sollten für ihr Geld verflixt noch mal laufen. Was passiert, wenn man eben nicht auf medizinisches Fachpersonal hört, sondern auf Binsenweisheiten dieser Art, kann man gerade in Liverpool beobachten. Der höchstintensive Fußball der letzten Jahre forderte viele Verletzungsopfer. Jene, die es nicht erwischt hat, wirken müde und ausgelaugt. Die Reds sind Achter in der Premier League.

Wir tun also gut daran, auf unsere Burschen zu achten, sie dann spielen zu lassen, wenn keine Risiken bestehen, sie dann zu schonen, wenn es gefährlich wird. Nicht umsonst befinden wir uns mit fünf Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze und stehen zudem im Cup-Finale. Es bringt also Erfolg, nicht nur auf die elf vermeintlich Besten zu setzen. Und nicht nur das. Fußball ist auch der Versuch eines leistungsorientierten Systems, die Besten spielen. Um das zu schaffen, muss man allen eine gerechte Chance geben, sich zu präsentieren. Vor drei Jahren hat ein junger Patson Daka genau davon profitiert. Warum sollte es ein junger Nici Seiwald heute nicht verdienen?

BL-20: RBS vs. SKN