Interview

Stefan Ilsanker ist als Spieler und als Mensch ein echter Charaktertyp. Auf dem Trainingsplatz und auf dem Spielfeld ist der Defensiv-Allrounder ein Antreiber, Motivator und kompromissloser Kämpfer, als Mensch ein Vorbild, authentisch und ehrlich.

Im Sommer wird der gebürtige Halleiner zu RB Leipzig in die zweite deutsche Bundesliga wechseln. Ein Schritt, der logisch und nachvollziehbar ist, denn fußballerisch hat er in Österreich alles erreicht, was man erreichen kann – und das hoch zwei.

Mit dem FC Red Bull Salzburg wurde er zweimal in Folge Meister und Cupsieger. Er absolvierte für die Roten Bullen in drei Jahren 130 Pflichtspiele, davon 89 Bundesliga-Spiele (4 Tore, 3 Assists) sowie sieben Champions League-Qualifikationen, 17 Europa League-Begegnungen und 17 ÖFB-Cup-Spiele.

Im österreichischen Nationalteam durchlief er sämtliche Nachwuchs-Nationalmannschaften von der U17 bis zur U21 und feierte sein A-Nationalteam-Debüt unter Marcel Koller im Mai 2014. Seitdem kam er bereits zu sieben Einsätzen im österreichischen Fußball-Nationalteam und steht auch für das kommende EM-Qualifikationsspiel gegen Russland im Kader.

Ralf Rangnick lobt ihn für seinen vorbildlichen Charakter, seine beeindruckende Willensstärke und für seine enorme Präsenz auf dem Spielfeld: „Stefans Entwicklung bei Red Bull Salzburg hat mir sehr imponiert, denn er hat sich entgegen anfänglicher Skepsis in kürzester Zeit zu einem Topspieler entwickelt. Ich habe ihn oft beobachtet, wenn er auf dem Spielfeld, wie ein Raubtier auf der Jagd, darauf wartet, dass der Schiedsrichter den Ball freigibt.“

RB Leipzig und seine Fans dürfen sich schon jetzt auf einen ganz besonders wertvollen, weil unbezahlbaren Spieler und Menschen freuen. Im Abschiedsinterview mit redbulls.com verrät uns Stefan Ilsanker die Gründe für seine Entscheidung, was er in Salzburg vermissen wird und worauf er sich bei seinem neuen Verein RB Leipzig schon jetzt freut.

Die Entscheidung ist also gefallen. Du wechselst im Sommer zu RB Leipzig. Wir können uns vorstellen, dass du dir die Entscheidung sicher nicht leicht gemacht hast?
Die Entscheidung ist mir natürlich nicht leichtgefallen. Ich fühle mich sehr wohl in Salzburg. Hier bin ich aufgewachsen. Meine Familie und Freunde sind hier. Ich habe alle Jugendmannschaften bei Red Bull durchlaufen und suche nach insgesamt acht Jahren in den zwei höchsten Spielklassen Österreichs für mich eine neue Herausforderung. In Deutschland hoffe ich mich sportlich noch einmal weiterentwickeln zu können. Mein Traum ist es, einmal in der Premier League oder der deutschen Bundesliga zu spielen. RB Leipzig hat alle Voraussetzungen, um mir diesen Traum bald zu erfüllen – die Mannschaft, das Umfeld und die Fans sind absolut bundesligareif. Wer mich kennt, weiß, dass ich alles für das große Ziel „Aufstieg“ geben werde.

Als der Allrounder im Team fallen dir meist die schwierigsten Aufgaben im Spiel zu, aber du meisterst sie, so scheint es jedenfalls, mit Leichtigkeit. Was aber für einen Beobachter so leicht aussehen mag, ist in der Realität mit viel harter Arbeit und Disziplin verbunden. Wie gelingt es dir nicht nur körperlich, sondern auch mental, dieser Rolle im Team gerecht zu werden?
Ich glaube, dass jede Aufgabe – egal auf welcher Position – schwierig ist und wir alle unsere Aufgaben so gut es geht lösen. Für mich spielt es keine Rolle, ob ich beispielsweise als 6er oder 8er spiele, denn ich habe sehr hohe Ansprüche an mich selbst. Ich will immer mein Bestes geben.

Du wirkst nach außen hin sehr ruhig, kontrolliert, bedacht und in jeder noch so kritischen Situation diplomatisch und authentisch. Auf dem Spielfeld bist du der Antreiber, Motivator, Lenker … Die Führungsrolle scheint dir auf den Leib geschrieben zu sein.
In unserer Mannschaft ist sich jeder seiner Rolle und Verantwortung bewusst. Ich bin eher jemand, der sich hinter die Mannschaft stellt. Ich glaube, dass jeder, der sein Bestes gibt – egal, ob im Fußball oder anderswo –, in die Rolle hineinwächst, für die er bestimmt ist.

Worauf freust du dich schon in Leipzig?

Ich freue mich sehr auf das „Neue“. Auf neue Erfahrungen in einer neuen Stadt. Ich freue mich auf neue Herausforderungen in einer neuen Liga, neue Gegner und eine ganz neue Spielatmosphäre.

Welcher Augenblick wird dir immer in Erinnerung bleiben?
Unvergessen für mich werden auf jeden Fall die internationalen Auftritte bleiben und die tolle Unterstützung unserer Fans, die uns immer sehr zahlreich und stimmgewaltig unterstützt haben. Die Siege in Amsterdam, Glasgow und Zagreb waren wahre Fußballfeste und die ausverkauften Heimspiele in meiner Heimatstadt pure Gänsehaut. Das waren die drei schönsten Jahre in meinem Fußballerleben!!!

Dürfen wir mit einem hoffnungsvollen Unterton sagen: Deine Zeit beim FC Red Bull Salzburg endet … v o r e r s t, aber wir verabschieden uns nur mit einem ... bis bald?

Ich werde sicher wieder nach Salzburg zurückkehren, aber wann und in welcher Funktion das sein wird, kann ich noch nicht sagen. Ich möchte mich aber noch einmal bei den Fans in Salzburg bedanken. Salzburg ist meine Heimat, Red Bull mein Verein, und es war mir eine Ehre, dies auf dem Platz repräsentieren zu dürfen. Die Nähe zu unseren Fans war mir immer sehr wichtig, weil ich mich mit ihnen besonders verbunden fühle. Vermutlich würde ich auch in der Nordkurve stehen, wenn ich nicht selbst spielen würde. Danke für viele schöne, unvergessliche Momente!